Großes Blutbild: Alle Werte und was sie bedeuten
Das große Blutbild misst 13 Werte: rote und weiße Blutzellen, Blutplättchen und Differentialblutbild. Alle Referenzbereiche und was Abweichungen bedeuten.

TL;DR: Das große Blutbild umfasst das kleine Blutbild (Erythrozyten, Hämoglobin, Hämatokrit, Leukozyten, Thrombozyten und die Ery-Indices) plus das Differentialblutbild, das die weißen Blutzellen in fünf Untergruppen aufschlüsselt. Insgesamt stehen 13 Werte auf dem Befund. Die Laborwerte bleiben beim Gesunden innerhalb klarer Referenzbereiche, etwa Hämoglobin 12,0 bis 15,5 g/dl bei Frauen und 13,5 bis 17,5 g/dl bei Männern. Erhöhte Leukozyten deuten meist auf eine Infektion, erniedrigte auf eine Störung der Blutbildung. Der Befund allein ist keine Diagnose, sondern ein Hinweis, dem der Arzt nachgeht. Stand der Werte: 15. September 2026.
Das Blutbild ist die häufigste Laboruntersuchung in deutschen Arztpraxen. Ein Arzt entnimmt dazu einige Milliliter Blut aus einer Vene am Arm, das Labor analysiert die Probe meist innerhalb weniger Stunden. Die Krankenkasse übernimmt die Untersuchung, wenn ein medizinischer Grund besteht. Ohne Befund oder aus reiner Vorsorge zahlen Selbstzahler die Untersuchung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).
Das große Blutbild wird bei unklaren Beschwerden, Verdacht auf Infekt, Blutarmut oder als Check-up eingesetzt. Es zeigt, ob die Blutbildung im Knochenmark arbeitet, ob eine Entzündung läuft und ob die Sauerstoffversorgung stimmt. Wer seinen Befund versteht, kann im Arztgespräch gezielter nachfragen.
Das große Blutbild enthält 13 Messwerte in drei Gruppen
Der Unterschied zum kleinen Blutbild liegt im Umfang: Das kleine Blutbild misst die mengenmäßigen Werte, das große Blutbild ergänzt die Aufschlüsselung der weißen Blutzellen. Die folgende Tabelle listet alle 13 Werte mit ihren typischen Referenzbereichen für Erwachsene.
| Wert | Misst | Typischer Referenzbereich (Erwachsene) | |---|---|---| | Erythrozyten | Anzahl der roten Blutzellen | Männer 4,3 bis 5,6 Mio./µl, Frauen 3,9 bis 5,2 Mio./µl | | Hämoglobin (Hb) | Sauerstofftransportprotein in roten Blutzellen | Männer 13,5 bis 17,5 g/dl, Frauen 12,0 bis 15,5 g/dl | | Hämatokrit (Hkt) | Anteil der Blutzellen am Blutvolumen | Männer 40 bis 53 %, Frauen 37 bis 47 % | | MCV | Durchschnittliche Größe der roten Blutzellen | 80 bis 96 fl | | MCH | Durchschnittlicher Hämoglobingehalt je roter Blutzelle | 28 bis 33 pg | | MCHC | Hämoglobinkonzentration in den roten Blutzellen | 33 bis 36 g/dl | | Leukozyten | Gesamtzahl der weißen Blutzellen | 4,0 bis 10,0 Tsd./µl | | Neutrophile Granulozyten | Untergruppe der weißen Blutzellen | 1,8 bis 7,0 Tsd./µl (45 bis 75 %) | | Lymphozyten | Untergruppe der weißen Blutzellen | 1,0 bis 4,0 Tsd./µl (20 bis 45 %) | | Monozyten | Untergruppe der weißen Blutzellen | 0,2 bis 1,0 Tsd./µl (4 bis 12 %) | | Eosinophile Granulozyten | Untergruppe der weißen Blutzellen | 0,02 bis 0,5 Tsd./µl (1 bis 6 %) | | Basophile Granulozyten | Untergruppe der weißen Blutzellen | unter 0,1 Tsd./µl (unter 1 %) | | Thrombozyten | Blutplättchen für die Blutgerinnung | 140 bis 360 Tsd./µl |
Jedes Labor legt seine Referenzbereiche selbst fest, je nach Messgerät und Methode. Die Werte oben entsprechen den gängigen Bereichen großer deutscher Labore. Auf dem Befund stehen die Bereiche des auswertenden Labors, und nur diese gelten.
Die roten Blutzellen transportieren Sauerstoff
Erythrozyten, die roten Blutzellen, binden Sauerstoff in der Lunge und geben ihn im Gewebe ab. Ihr Farbstoff Hämoglobin, kurz Hb, ist der eigentliche Sauerstoffträger. Der Hämatokrit gibt an, wie viel Prozent des Blutes aus Zellen besteht.
Sinken Erythrozyten, Hämoglobin oder Hämatokrit unter den Referenzbereich, spricht der Arzt von einer Anämie, einer Blutarmut. Die häufigsten Ursachen sind Eisenmangel, Blutverlust oder ein Mangel an Vitamin B12 und Folsäure. Die drei Kennzahlen MCV, MCH und MCHC helfen bei der Suche: Kleine, blasse Zellen (niedriges MCV und MCH) passen zu Eisenmangel, große Zellen (hohes MCV über 100 fl) zu einem Vitamin-B12-Mangel.
- Erniedrigte Werte bei allen drei Größen sprechen für eine Blutarmut mit gestörter Blutbildung
- Erhöhte Werte treten bei Flüssigkeitsmangel auf, seltener bei der Polyzythämie, einer krankhaften Vermehrung roter Blutzellen
- Ein erhöhtes MCV über 100 fl lenkt den Verdacht auf Vitamin-B12-Mangel, Alkoholkonsum oder Schilddrüsenunterfunktion
- Ein niedriges MCV unter 80 fl lenkt den Verdacht auf Eisenmangel oder die Thalassämie, eine erbliche Störung der Hämoglobinbildung
Die weißen Blutzellen wehren Erreger ab
Leukozyten, die weißen Blutzellen, sind die Abwehrzellen des Immunsystems. Ein Wert über 10,0 Tsd./µl heißt Leukozytose, ein Wert unter 4,0 Tsd./µl heißt Leukopenie. Bakterielle Infektionen treiben die Zahl meist in die Höhe, Virusinfektionen drücken sie mitunter nach unten.
Das Differentialblutbild, der zweite Teil des großen Blutbilds, zählt die Leukozyten in fünf Untergruppen aus. Das Labor ermittelt das entweder automatisch im Messgerät oder manuell unter dem Mikroskop. Erst diese Aufschlüsselung zeigt, welches Zellsystem vermehrt oder vermindert ist.
| Zellgruppe | Aufgabe | Erhöhte Werte deuten auf | Erniedrigte Werte deuten auf | |---|---|---|---| | Neutrophile Granulozyten | Abwehr von Bakterien und Pilzen | Bakterielle Infektion, Rauchen, Stress | Virusinfektion, Chemotherapie, Autoimmunerkrankung | | Lymphozyten | Abwehr von Viren, Bildung von Antikörpern | Virusinfektion wie Pfeiffersches Drüsenfieber | Stress, Cortisontherapie, Immunschwäche | | Monozyten | Beseitigung von Zellresten, Vorstufe der Gewebemakrophagen | Chronische Entzündung, Abklingen einer Infektion | Selten krankhaft | | Eosinophile Granulozyten | Abwehr von Parasiten, Rolle bei Allergien | Allergie, Asthma, Parasitenbefall | Akute Belastung, Cortison | | Basophile Granulozyten | Freisetzung von Histamin | Selten krankhaft, mitunter bei chronischer Leukämie | Uneindeutig |
Eine Linksverschiebung beschreibt den Zustand, wenn junge Vorstufen der Neutrophilen im Blut erscheinen, weil das Knochenmark unter Druck Zellen nachschiebt. Der Arzt erkennt daran eine akute bakterielle Infektion, oft noch bevor die Gesamtzahl der Leukozyten steigt.
Die Blutplättchen steuern die Gerinnung
Thrombozyten, die Blutplättchen, schließen Wunden, indem sie anhaften und ein Gerinnsel bilden. Der Referenzbereich für Erwachsene liegt zwischen 140 und 360 Tsd./µl. Werte darüber nennt man Thrombozytose, Werte darunter Thrombozytopenie.
Eine Thrombozytopenie entsteht häufig nach Virusinfektionen, durch Medikamente oder, in der Schwangerschaft, durch vermehrten Abbau. Bei Werten unter 30 Tsd./µl steigt die Blutungsgefahr, deshalb veranlasst der Arzt dann weitere Untersuchungen. Eine leichte Thrombozytose nach einer Operation oder Infektion ist vorübergehend und meist ohne Bedeutung. Hält sie an, klärt der Arzt sie ab, weil dauerhaft erhöhte Werte das Thromboserisiko erhöhen.
Was das große Blutbild nicht zeigt
Das große Blutbild ist ein Screening, ein Überblickstest. Es kann viele Störungen anzeigen, aber viele Organe und Stoffwechselwege bleiben dabei unsichtbar.
- Entzündungswerte wie das CRP (C-reaktives Protein) oder die Blutsenkung gehören nicht zum Blutbild und erfordern eigene GOÄ-Ziffern
- Blutzucker, Blutfette, Leberenzyme, Nierenwerte und Elektrolyte sind chemische Analysen des Serums und kein Bestandteil des Blutbilds
- Schilddrüsenwerte, Vitamin D und Hormone messen eigene Verfahren
- Ein unauffälliges Blutbild schließt weder eine beginnende Erkrankung noch einen Tumor aus
Deshalb kombiniert der Hausarzt das große Blutbild je nach Fragestellung mit weiteren Parametern. Die Blutentnahme für alle Untersuchungen zusammen braucht nur eine Spritze.
Häufige Fragen zum großen Blutbild
Muss ich für ein großes Blutbild nüchtern sein?
Nein, für das große Blutbild ist Nüchternheit nicht erforderlich. Die Zellwerte verändern sich durch eine Mahlzeit nicht relevant. Anders sieht es bei Blutzucker und Blutfetten aus, die im selben Termin gemessen werden können und zur korrekten Messung Nüchternheit verlangen.
Wie lange dauert die Auswertung des großen Blutbilds?
Das Labor benötigt für das große Blutbild in der Regel weniger als 24 Stunden. Das automatisierte Messgerät braucht nur Minuten, die mikroskopische Kontrolle bei Auffälligkeiten dauert länger. Der Befund geht anschließend an den behandelnden Arzt, der ihn einordnet und bespricht.
Sind Werte außerhalb des Referenzbereichs immer krankhaft?
Nein, Werte außerhalb des Referenzbereichs sind kein Beweis für eine Krankheit. Die Bereiche gelten für 95 Prozent der gesunden Bevölkerung, das heißt, 5 Prozent der Gesunden liegen außerhalb. Leichte Abweichungen, etwa bei Rauchern oder Leistungssportlern, sind häufig. Werte, die deutlich abweichen oder über mehrere Messungen abweichen, sollte ein Arzt abklären.
Ersetzt das große Blutbild ein Blutspenden-Screening?
Nein, das große Blutbild ersetzt kein Screening vor einer Blutspende. Die Blutspendedienste führen eigene Tests durch, darunter Suchtests auf HIV und Hepatitis sowie eine Hämoglobin-Messung nach eigenen Kriterien. Das Blutbild liefert dafür keine ausreichende Grundlage.
Die Preise für das große Blutbild unterscheiden sich stark je nach Abrechnungsweg: als Kassenleistung mit Überweisungsschein, als Privatleistung nach GOÄ oder als Direktkauf beim Labor. Die aktuelle Kostenübersicht mit allen Preisen und GOÄ-Ziffern steht in der Blutwerte-Kostentabelle.