D-Dimere: Normwerte und was ein erhöhter Wert bedeutet

D-Dimere entstehen beim Abbau von Blutgerinnseln. Grenzwert, altersangepasster Wert, Ursachen erhöhter Werte und wann eine Thrombose ausgeschlossen ist.

Metalltablett mit Stauband, Tupfer, Spritzflasche und Blutröhrchen mit farbigen Verschlüssen
Material für die Blutentnahme, Symbolbild. Foto: Myriams-Fotos / Pixabay.

TL;DR: D-Dimere sind Bruchstücke, die entstehen, wenn der Körper ein Blutgerinnsel aus vernetztem Fibrin wieder abbaut. Als Grenzwert gilt bei den meisten Tests etwa 500 µg/l, das entspricht 500 ng/ml oder 0,5 mg/l. Ab 50 Jahren kann ein altersangepasster Grenzwert von Lebensalter mal 10 µg/l gelten. Der Test dient vor allem dazu, eine Beinvenenthrombose oder Lungenembolie auszuschließen, wenn der Arzt die Wahrscheinlichkeit dafür als niedrig oder mittel einschätzt. Erhöht sind D-Dimere auch nach Operationen und Verletzungen, bei Infektionen einschließlich COVID-19, bei Krebs, in der Schwangerschaft und im Alter. Sie gehören weder zum kleinen noch zum großen Blutbild und werden separat aus einem Citratröhrchen bestimmt. Stand: 25. September 2026.

Wenn Blut gerinnt, wandelt das Enzym Thrombin gelöstes Fibrinogen in Fibrin um. Der Faktor XIII vernetzt die Fibrinfäden zu einem festen Netz, das die Blutung stillt. Sobald das Gerinnsel nicht mehr gebraucht wird, zerlegt das Enzym Plasmin dieses Netz. Dabei entstehen die D-Dimere, benannt nach zwei verbundenen D-Abschnitten des Fibrins. Ein erhöhter Wert zeigt deshalb an, dass irgendwo im Körper Gerinnsel gebildet und wieder aufgelöst werden. Wo das geschieht und warum, verrät der Wert nicht.

Unter 500 µg/l gelten D-Dimere als normal

Die Testverfahren sind international nicht einheitlich standardisiert, Referenzwerte und Entscheidungsgrenzen hängen vom Test ab. Die meisten Labore arbeiten aber mit einem Grenzwert von 500 µg/l. Manche geben den Wert in mg/l an, dann liegt die Grenze bei 0,5.

Angabe üblicher Bereich Einheit
Grenzwert bis 49 Jahre unter etwa 500 µg/l (entspricht ng/ml)
derselbe Grenzwert in anderer Einheit unter etwa 0,5 mg/l
altersangepasster Grenzwert ab 50 Jahren Lebensalter mal 10, bei 70 Jahren also 700 µg/l
angehobener Grenzwert bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit in einigen Abklärungsschemata 1.000 µg/l

Welcher Grenzwert gilt, steht auf dem Befund des Labors. Der altersangepasste Wert berücksichtigt, dass die D-Dimere mit den Jahren ohnehin steigen. Ohne Altersanpassung war der Test bei unter 40-Jährigen in einer Untersuchung zu 67 Prozent spezifisch, bei über 80-Jährigen nur zu 10 Prozent. Viele Ältere wären also ohne Thrombose zu einer Bildgebung geschickt worden.

Der Test ist sehr empfindlich und wenig spezifisch

Die meisten frischen Thrombosen und Lungenembolien gehen mit erhöhten D-Dimeren einher. In einer Metaanalyse, die in der aktuellen deutschen Leitlinie zitiert wird, erkannte ein hochsensitiver Test 96,1 Prozent der Thrombosen. Seine Spezifität lag aber nur bei 35,7 Prozent: Bei fast zwei Dritteln der Menschen ohne Thrombose fiel der Test ebenfalls erhöht aus.

Daraus folgt die Rolle des Tests. Ein normaler Wert macht eine frische Thrombose oder Lungenembolie sehr unwahrscheinlich, ein erhöhter Wert beweist dagegen nichts. Die Leitlinie legt deshalb eine feste Reihenfolge fest. Zuerst schätzt der Arzt anhand von Beschwerden und Vorgeschichte die klinische Wahrscheinlichkeit ein, häufig mit dem Wells-Score. Nur bei niedriger oder mittlerer Wahrscheinlichkeit folgt der D-Dimer-Test. Ist er normal, gilt eine Thrombose oder Lungenembolie als ausgeschlossen, und eine Ultraschall- oder CT-Untersuchung ist nicht nötig. Bei hoher Wahrscheinlichkeit verzichtet der Arzt auf den Test und veranlasst direkt eine Bildgebung. Als alleiniger Test ohne diese Einschätzung ist der Wert nicht geeignet.

Viele Ursachen erhöhen die D-Dimere ohne Thrombose

  • Operationen, Verletzungen und Knochenbrüche in den letzten vier Wochen
  • Infektionen und Entzündungen, etwa Lungenentzündung, Wundrose (Erysipel) oder Blutvergiftung
  • COVID-19, vor allem bei schwerem Verlauf
  • Krebserkrankungen
  • Schwangerschaft, mit steigenden Werten bis zur Geburt
  • höheres Lebensalter
  • Leberzirrhose
  • Verbrauchskoagulopathie, bei der die Gerinnung im ganzen Körper aktiviert ist
  • ein bekanntes Aneurysma der Hauptschlagader und Gefäßfehlbildungen
  • eine Behandlung, die Gerinnsel auflöst (Lyse), in den letzten sieben Tagen

In solchen Situationen taugt der Test kaum zum Ausschluss, weil er ohnehin oft erhöht ist. Der Arzt wählt dann meist gleich den Ultraschall. Bei COVID-19 hat der Wert eine eigene Bedeutung: Nach den Hinweisen des Robert Koch-Instituts zeigen anhaltend hohe oder steigende D-Dimere eine Gerinnungsaktivierung an und können auf ein erhöhtes Risiko für Thrombosen oder bereits bestehende Gerinnsel hindeuten. Hohe Werte gehen dort mit einem schwereren Verlauf einher.

In der Schwangerschaft steigen die D-Dimere von Drittel zu Drittel. Im ersten Schwangerschaftsdrittel haben laut Leitlinie noch etwa 50 bis 85 Prozent der Frauen normale Werte, im zweiten 23 bis 33 Prozent und im letzten nur noch 0 bis 4 Prozent. Die Leitlinie geht davon aus, dass ein normaler Wert eine Thrombose auch bei Schwangeren ebenso sicher ausschließt wie außerhalb der Schwangerschaft, gegen Ende der Schwangerschaft ist er aber kaum noch zu erwarten. Die Bildgebung hat in dieser Zeit deshalb besonderes Gewicht.

Falsch niedrige Werte sind selten, aber möglich

Normale D-Dimere trotz Thrombose kommen vor allem bei kleinen Gerinnseln vor, bei Beschwerden, die schon seit Wochen bestehen, und wenn bereits länger als etwa 24 Stunden ein Gerinnungshemmer genommen wird. Die Gerinnungshemmer selbst stören die Messung nicht, sie bremsen aber die Bildung neuer Gerinnsel und senken so den Wert. Wer schon behandelt wird, sagt das dem Arzt vor dem Test.

Der Arzt ordnet D-Dimere mit Befund und Nachbarwerten ein

Kombination häufige Richtung der Abklärung
D-Dimere normal, niedrige oder mittlere klinische Wahrscheinlichkeit Thrombose oder Lungenembolie ausgeschlossen, keine Bildgebung nötig
D-Dimere erhöht, niedrige oder mittlere klinische Wahrscheinlichkeit Ultraschall der Beinvenen oder CT der Lungengefäße
hohe klinische Wahrscheinlichkeit kein D-Dimer-Test, direkt Bildgebung
D-Dimere erhöht, CRP deutlich erhöht, Fieber Entzündung erklärt den Wert oft, bei Thromboseverdacht entscheidet trotzdem die Bildgebung
D-Dimere stark erhöht, Thrombozyten niedrig, Quick niedrig Verdacht auf Verbrauchskoagulopathie, stationäre Abklärung

Die Höhe des Werts sagt wenig über die Schwere einer Thrombose aus. Ein doppelt so hoher Wert bedeutet also kein doppelt so großes Gerinnsel.

Atemnot und Brustschmerz sind ein Fall für den Notruf

Wer plötzlich schwere Atemnot, Schmerzen in der Brust oder Husten mit blutigem Auswurf bekommt, wählt sofort den Notruf 112. Das gilt auch für Herzrasen, Schwindel oder Ohnmacht, die unerwartet auftreten. Diese Zeichen können auf eine Lungenembolie hinweisen, die rasch im Krankenhaus behandelt werden muss.

Ein einseitig geschwollenes, schmerzendes oder gespanntes Bein, manchmal mit bläulicher Verfärbung oder stärker sichtbaren Venen, spricht für eine Beinvenenthrombose. Es gehört noch am selben Tag ärztlich untersucht. Das Risiko ist nach Operationen, bei Bettlägerigkeit, nach langen Flug- oder Autoreisen, bei Krebs, unter hormoneller Verhütung und nach früheren Thrombosen erhöht.

Ein erhöhter D-Dimer-Wert ohne Beschwerden, etwa als Zufallsbefund, ist kein Notfall. Er gehört mit dem Arzt besprochen, der entscheidet, ob eine weitere Abklärung sinnvoll ist.

D-Dimere selbst verursachen keine Beschwerden

Spürbar sind nur die Ursachen: Beinschmerzen und Schwellung bei einer Thrombose, Atemnot bei einer Lungenembolie, Fieber und Krankheitsgefühl bei einer Infektion, Wundschmerz nach einer Operation. Viele erhöhte Werte stammen aus Vorgängen, die ohnehin bekannt sind, etwa einer Schwangerschaft oder einer frischen Verletzung.

Häufige Fragen zu D-Dimeren

Gehören D-Dimere zum großen Blutbild?

Nein, D-Dimere gehören weder zum kleinen noch zum großen Blutbild. Sie werden aus Citratblut bestimmt, das innerhalb von etwa 4 Stunden im Labor ankommen sollte. Der Arzt fordert sie gezielt an, meist bei Verdacht auf eine Thrombose oder Lungenembolie.

Schließt ein normaler D-Dimer-Wert eine Thrombose sicher aus?

Bei niedriger oder mittlerer klinischer Wahrscheinlichkeit gilt eine Thrombose oder Lungenembolie mit normalem Wert als ausgeschlossen, der negative Vorhersagewert liegt je nach Test über 95 Prozent. Bei hoher Wahrscheinlichkeit reicht der Test nicht, dann folgt immer eine Bildgebung. Selten fallen die Werte bei kleinen oder schon älteren Gerinnseln falsch niedrig aus.

Warum ist der Grenzwert bei Älteren höher?

Die D-Dimere steigen mit dem Alter auch ohne Krankheit an. Ab 50 Jahren kann der Grenzwert deshalb auf Lebensalter mal 10 µg/l angehoben werden, ohne dass der Test nennenswert an Sicherheit verliert. So bleiben mehr ältere Menschen ohne Thrombose von unnötigen Untersuchungen verschont.

Sind D-Dimere in der Schwangerschaft immer erhöht?

Sie steigen im Verlauf der Schwangerschaft an und erreichen um den Geburtstermin ihren Höchstwert. Im letzten Schwangerschaftsdrittel haben fast alle Frauen erhöhte Werte, ohne dass eine Thrombose vorliegt. Bei Verdacht auf ein Gerinnsel stützt sich der Arzt deshalb vor allem auf den Ultraschall.

Was kostet die Messung der D-Dimere?

Der übliche quantitative Test steht in der GOÄ unter Ziffer 3938 mit 360 Punkten, das sind 20,98 Euro im einfachen Satz und 24,13 Euro beim üblichen Faktor 1,15. Ein qualitativer Test, der nur positiv oder negativ anzeigt, kostet nach Ziffer 3937 10,49 Euro beziehungsweise 12,07 Euro. Bei medizinischem Anlass wie einem Thromboseverdacht zahlt die gesetzliche Krankenkasse, als Wunschleistung ohne Anlass ist die Messung eine IGeL und wenig aussagekräftig.

Neben den D-Dimeren prüft der Arzt die Gerinnung mit dem Quick-Wert und der INR und der aPTT. Wie die Blutplättchen einzuordnen sind, wenn sie zu niedrig liegen, erklärt der Artikel Thrombozyten niedrig, und der Entzündungswert CRP hilft, eine Infektion als Ursache erhöhter D-Dimere zu erkennen.

Quellen