Quick-Wert und INR: Normwerte und was sie bedeuten

Quick-Wert und INR zeigen, wie schnell das Blut gerinnt. Normbereich, Zielwerte unter Marcumar, Ursachen für Abweichungen und die Kosten nach GOÄ.

Hände in lila Handschuhen halten Pipette und Probenfläschchen an einem Laborgerät
Probe wird im Labor pipettiert, Symbolbild. Foto: Belova59 / Pixabay.

TL;DR: Der Quick-Wert, auch Thromboplastinzeit genannt, misst, wie schnell Blutplasma gerinnt, wenn im Labor Gewebsthromboplastin und Calcium zugegeben werden. Die INR ist dieselbe Messung als international vergleichbare Verhältniszahl. Ohne Gerinnungshemmer liegt der Quick üblicherweise bei etwa 70 bis 120 Prozent und die INR bei etwa 0,85 bis 1,15. Ein niedriger Quick und damit eine hohe INR entstehen vor allem durch Gerinnungshemmer wie Marcumar, durch Vitamin-K-Mangel und durch Lebererkrankungen. Der Wert gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild, er wird separat angefordert und braucht ein eigenes Citratröhrchen. Stand: 25. September 2026.

Blut gerinnt über eine Kette von Eiweißen, den Gerinnungsfaktoren, die fast alle in der Leber gebildet werden. Vier davon, die Faktoren II, VII, IX und X, kann die Leber nur mit Hilfe von Vitamin K herstellen. Der Quick-Test prüft den Faktor VII und die gemeinsame Endstrecke der Gerinnung mit den Faktoren I (Fibrinogen), II, V und X. Gemessen wird die Zeit bis zur Gerinnselbildung, umgerechnet in Prozent eines Normalplasmas. Je länger das Plasma braucht, desto niedriger ist der Quick-Wert und desto höher die INR.

Gesunde haben einen Quick von etwa 70 bis 120 Prozent

Die Grenzen hängen stark vom verwendeten Reagenz ab. Quick-Werte aus verschiedenen Laboren sind deshalb nur bedingt vergleichbar, und selbst im selben Labor können sie sich nach einem Wechsel der Reagenzcharge verschieben. Die WHO hat 1983 die INR eingeführt, die diesen Unterschied über einen Empfindlichkeitsfaktor des Reagenzes herausrechnet.

Angabe üblicher Bereich Einheit
Quick-Wert ohne Gerinnungshemmer etwa 70 bis 120, manche Labore bis 130 Prozent der Norm
INR ohne Gerinnungshemmer etwa 0,85 bis 1,15 ohne Einheit (Verhältniszahl)
INR unter Vitamin-K-Antagonisten je nach Anlass meist 2,0 bis 3,0, teils bis 3,5 ohne Einheit (Verhältniszahl)

Maßgeblich ist immer der Referenzbereich, den das Labor auf demselben Befund abdruckt. Die INR wurde für die Überwachung von Vitamin-K-Antagonisten entwickelt und ist in der stabilen Einstellungsphase dieser Therapie am aussagekräftigsten.

Unter Marcumar legt der Arzt einen INR-Zielbereich fest

Phenprocoumon, bekannt unter dem Handelsnamen Marcumar, gehört zu den Vitamin-K-Antagonisten. Es bremst die Bildung der Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren und verlängert so die Gerinnungszeit. Eine INR von 2 bedeutet, dass das Blut etwa doppelt so lange zum Gerinnen braucht wie ohne Medikament.

Der Zielbereich richtet sich nach dem Grund der Behandlung. Bei Vorhofflimmern, einer Venenthrombose oder einer Lungenembolie wird meist eine INR zwischen 2 und 3 angestrebt. Bei mechanischen Herzklappen legt der Kardiologe den Zielwert je nach Klappentyp und Einbauort fest, er liegt dort teils höher. Die Dosis bestimmt allein der behandelnde Arzt anhand der gemessenen Werte.

Die erste Kontrolle erfolgt ab dem dritten Tag der Einnahme, anfangs mehrmals pro Woche. Sind die Werte über Monate stabil, genügt oft eine Messung alle vier Wochen. Häufiger gemessen wird nach einer Ernährungsumstellung, bei neuen Erkrankungen und wenn andere Medikamente hinzukommen oder wegfallen. Geschulte Patienten können die INR auch selbst mit einem Blutstropfen aus der Fingerkuppe und einem Messgerät bestimmen.

Neue Gerinnungshemmer lassen sich mit dem Quick nicht steuern

Zu den direkten oralen Antikoagulanzien, kurz DOAK, gehören Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban und Edoxaban. Sie senken den Quick und erhöhen die INR, aber nur in schwankendem Ausmaß: Der Effekt ist im Spitzenspiegel etwa 1 bis 4 Stunden nach der Einnahme am größten und hängt zusätzlich vom Reagenz des Labors ab. Ein normaler Quick bedeutet unter einem DOAK deshalb nicht, dass das Medikament unwirksam ist, und ein niedriger Quick zeigt nicht zuverlässig eine Überdosierung an. Die gängigen Gerinnungstests eignen sich nicht zur Therapiekontrolle dieser Mittel.

Ein niedriger Quick hat wenige typische Ursachen

  • Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon (Marcumar) oder Warfarin, hier ist der niedrige Quick gewollt
  • Vitamin-K-Mangel, etwa bei sehr fettarmer oder Vitamin-K-armer Ernährung, bei Störungen der Fettaufnahme wie einem Verschluss der Gallengänge oder Mukoviszidose und unter manchen Antibiotika und Antiepileptika
  • Lebererkrankungen bis zur Leberzirrhose, weil die Leber die Gerinnungsfaktoren bildet
  • Verbrauchskoagulopathie, bei der die Gerinnung im ganzen Körper aktiviert ist und Faktoren verbraucht werden, etwa bei einer Blutvergiftung
  • direkte orale Antikoagulanzien, abhängig vom Zeitpunkt der letzten Einnahme
  • seltene angeborene Mängel einzelner Faktoren, vor allem des Faktors VII
  • ein falsch gefülltes Citratröhrchen, das einen zu niedrigen Quick vortäuscht

Bei einer beginnenden Lebererkrankung ist oft zuerst nur der Faktor VII vermindert. Er hat von allen Gerinnungsfaktoren die kürzeste Halbwertszeit, deshalb reagiert der Quick früh auf eine nachlassende Leberleistung. Ein Quick oberhalb des Referenzbereichs hat im Alltag dagegen kaum Bedeutung.

Der Arzt liest den Quick zusammen mit den Nachbarwerten

Erst im Zusammenspiel mit der aPTT, den Blutplättchen und den Leberwerten ergibt sich eine Richtung für die weitere Abklärung.

Kombination häufige Richtung der Abklärung
Quick niedrig, aPTT normal Vitamin-K-Antagonist, beginnender Vitamin-K-Mangel, frühe Leberschwäche, selten Faktor-VII-Mangel
Quick niedrig, aPTT verlängert Mangel in der gemeinsamen Endstrecke, fortgeschrittene Lebererkrankung, DOAK, Verbrauchskoagulopathie
Quick normal, aPTT verlängert Heparin, Hämophilie, Lupus-Antikoagulans, Probenfehler
Quick niedrig, Thrombozyten niedrig, D-Dimere stark erhöht Verdacht auf Verbrauchskoagulopathie, meist stationäre Abklärung
Quick niedrig, Leberwerte und Bilirubin erhöht Lebererkrankung, Abklärung beim Internisten oder Gastroenterologen

Vor Operationen wird der Quick nicht mehr routinemäßig bestimmt

Die gemeinsame Empfehlung der deutschen Fachgesellschaften für Anästhesiologie, Chirurgie und Innere Medizin rät von routinemäßigen Gerinnungstests vor Operationen ab. Gerinnungswerte sollen nur bestimmt werden, wenn jemand Vitamin-K-Antagonisten einnimmt, eine Lebererkrankung bekannt ist oder ein standardisierter Fragebogen zur Blutungsneigung auffällig ist. Der Grund: aPTT, INR und Thrombozytenzahl erfassen die häufigsten Gerinnungsstörungen nicht, nämlich Störungen der Plättchenfunktion und des von-Willebrand-Faktors. Wer Marcumar oder ein DOAK nimmt, bespricht vor dem Eingriff mit dem Operateur oder Narkosearzt, ob und wann das Medikament pausiert wird.

Ein falsch gefülltes Röhrchen verfälscht den Quick

Das Citratröhrchen enthält eine abgemessene Menge Citratlösung, die das Calcium im Blut bindet. Wird das Röhrchen nicht bis zur Markierung gefüllt, stimmt das Mischungsverhältnis nicht mehr: Der Quick fällt zu niedrig und die INR zu hoch aus. Auch eine Probe, die länger als etwa 4 Stunden bis ins Labor unterwegs ist, kann falsche Werte liefern. Ein unerwartet niedriger Quick ohne passende Ursache wird deshalb meist zuerst mit einer frischen, korrekt abgenommenen Probe kontrolliert. Unter Marcumar verschieben außerdem eine veränderte Ernährung und neue Medikamente die INR, ohne dass eine Krankheit dahintersteckt.

Blutungszeichen unter Gerinnungshemmern gehören sofort behandelt

Eine INR über dem Zielbereich ohne Beschwerden bespricht der Patient noch am selben Tag mit der Praxis, die über das weitere Vorgehen entscheidet. Eine INR unter dem Zielbereich schützt weniger gut vor Gerinnseln und wird ebenfalls zeitnah besprochen. Einen niedrigen Quick ohne Gerinnungshemmer klärt der Hausarzt ab, meist mit Leberwerten und weiteren Gerinnungstests.

Sofort den Notruf 112 wählen oder die Notaufnahme aufsuchen sollte, wer unter Gerinnungshemmern Blut erbricht, schwarzen Teerstuhl oder deutlich blutigen Urin bemerkt, Nasenbluten hat, das sich nicht stillen lässt, oder plötzlich stärkste Kopfschmerzen, Lähmungen oder Sprachstörungen bekommt. Auch ein Sturz auf den Kopf gehört unter Gerinnungshemmern ärztlich beurteilt, selbst wenn zunächst keine Beschwerden bestehen.

Der Quick-Wert selbst verursacht keine Beschwerden

Spürbar wird nur die Ursache. Ist die Gerinnung deutlich herabgesetzt, zeigen sich blaue Flecken ohne erinnerlichen Stoß, Zahnfleischbluten, lange nachblutende kleine Schnitte oder stärkere Monatsblutungen. Liegt der INR-Wert unter Marcumar zu niedrig, bemerkt der Patient meist gar nichts, bis ein Gerinnsel Beschwerden macht.

Häufige Fragen zu Quick-Wert und INR

Gehört der Quick-Wert zum großen Blutbild?

Nein, der Quick-Wert gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild. Er wird aus Citratplasma bestimmt und braucht deshalb ein eigenes Citratröhrchen, das bis zur Markierung gefüllt sein muss. Der Arzt muss ihn gesondert anfordern, häufig zusammen mit der aPTT.

Warum steigt die INR, wenn der Quick sinkt?

Beide Angaben beruhen auf derselben gemessenen Gerinnungszeit. Der Quick drückt sie in Prozent eines Normalplasmas aus, eine längere Zeit ergibt also weniger Prozent. Die INR setzt die Zeit ins Verhältnis zur Normalzeit, eine längere Zeit ergibt deshalb eine größere Zahl.

Welcher INR-Wert ist unter Marcumar richtig?

Das hängt vom Grund der Behandlung ab und wird vom Arzt festgelegt. Bei Vorhofflimmern, Thrombose und Lungenembolie liegt der Zielbereich meist bei 2 bis 3. Bei mechanischen Herzklappen kann er höher liegen.

Sagt der Quick-Wert unter Xarelto oder Eliquis etwas aus?

Rivaroxaban (Xarelto) und Apixaban (Eliquis) verändern den Quick nur unzuverlässig, abhängig vom Einnahmezeitpunkt und vom Laborreagenz. Zur Steuerung dieser Mittel ist der Quick nicht geeignet. Wenn die Wirkung gemessen werden muss, veranlasst der Arzt einen Spezialtest.

Kann man die INR selbst messen?

Ja, mit einem Messgerät und Teststreifen, auf die ein Blutstropfen aus der Fingerkuppe kommt. Voraussetzung ist eine Schulung, danach genügen seltenere Kontrollen in der Praxis. Ob die Selbstmessung passt, entscheidet der behandelnde Arzt.

Was kostet die Messung des Quick-Werts?

Im Labor ist der Quick-Wert als Einfachbestimmung in der GOÄ-Ziffer 3607 mit 50 Punkten enthalten, das sind 2,91 Euro im einfachen Satz und 3,35 Euro beim üblichen Faktor 1,15. Die Doppelbestimmung nach Ziffer 3960 kostet 4,08 Euro beziehungsweise 4,69 Euro, eine Sofortmessung in der eigenen Praxis (Ziffer 3530) 6,99 Euro beziehungsweise 8,04 Euro. Bei medizinischem Anlass, etwa unter Marcumar, zahlt die gesetzliche Krankenkasse, als Wunschleistung ohne Anlass ist die Messung eine IGeL.

Der Quick ergänzt die aPTT, die das zweite große Teilsystem der Gerinnung prüft. Bei Verdacht auf ein Gerinnsel kommen die D-Dimere hinzu, und zu wenige Blutplättchen erklärt der Artikel Thrombozyten niedrig. Alle Werte des Blutbilds stehen in der Blutwerte-Tabelle.

Quellen