Ferritin: Normwerte und was der Eisenspeicher verrät

Ferritin zeigt, wie voll die Eisenspeicher sind. Übliche Bereiche, Grenzen für Eisenmangel, warum Entzündungen täuschen und wann Eisenüberladung droht.

Gerenderte Darstellung vieler roter Blutkörperchen in einem Blutgefäß
Rote Blutkörperchen im Blutgefäß, Symbolbild. Bild: Johan_Benitez99co / Pixabay.

TL;DR: Ferritin ist das Eiweiß, in dem der Körper Eisen speichert, der Wert im Blut zeigt, wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind. Üblich sind bei Frauen vor den Wechseljahren etwa 15 bis 150 µg/l, bei Männern etwa 30 bis 400 µg/l, die Einheit µg/l ist gleichbedeutend mit ng/ml. Ein niedriger Wert zeigt einen Eisenmangel, häufig durch starke Regelblutungen, Schwangerschaft, Blutverluste im Magen-Darm-Trakt oder eisenarme Ernährung. Ein hoher Wert entsteht meist durch Entzündungen, Lebererkrankungen, Alkohol oder Übergewicht, seltener durch eine Eisenüberladung wie die Hämochromatose. Ferritin gehört nicht zum kleinen oder großen Blutbild und wird separat angefordert. Stand: 25. September 2026.

Ferritin ist ein kugelförmiges Speichereiweiß, das bis zu etwa 4.500 Eisenatome aufnehmen kann. Freies Eisen wäre für die Zellen giftig, im Ferritin ist es sicher verpackt. Die großen Vorräte liegen in Leberzellen, Milz und Knochenmark. Ein kleiner Teil des Ferritins gelangt ins Blut, und seine Menge dort spiegelt recht gut, wie viel Speichereisen der Körper hat. Deshalb gilt Ferritin als wichtigster Einzelwert, wenn der Arzt einen Eisenmangel vermutet.

Der Normbereich hängt von Geschlecht und Alter ab

Frauen haben durch die Monatsblutung meist kleinere Eisenspeicher als Männer, nach den Wechseljahren gleichen sich die Werte an. Die folgende Tabelle zeigt die Bereiche eines großen Labors.

Angabe üblicher Bereich Einheit
Frauen vor den Wechseljahren etwa 15 bis 150 µg/l (ng/ml)
Frauen nach den Wechseljahren etwa 15 bis 300 µg/l (ng/ml)
Männer etwa 30 bis 400 µg/l (ng/ml)
Kinder 1 bis 9 Jahre etwa 15 bis 70 µg/l (ng/ml)

Andere Quellen nennen etwas andere Zahlen, das IQWiG etwa 9 bis 140 µg/l für Frauen und 18 bis 360 µg/l für Männer. Maßgeblich ist der Referenzbereich, den das eigene Labor auf dem Befund abdruckt. Die untere Grenze des Referenzbereichs ist dabei nicht automatisch die Grenze für einen Eisenmangel.

Unter 30 µg/l sind die Eisenspeicher meist leer

Ein Ferritin unter 15 µg/l gilt als Beweis für einen Eisenmangel. Neuere Empfehlungen, etwa in der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), setzen die Grenze bei Erwachsenen unabhängig vom Geschlecht bei 30 µg/l an. Für Frauen im gebärfähigen Alter hält die Leitlinie mindestens 50 µg/l für wünschenswert, als Vorrat für eine mögliche Schwangerschaft.

Ein Eisenmangel entwickelt sich in drei Stufen. Zuerst leeren sich die Speicher, das Ferritin sinkt, der Hämoglobinwert bleibt normal. Dann fehlt den blutbildenden Zellen im Knochenmark Eisen. Erst zuletzt entsteht eine Blutarmut mit einem Hämoglobin unter 12 g/dl bei Frauen und unter 13 g/dl bei Männern. Ferritin zeigt den Mangel also früher als das Blutbild.

  • starke oder lange Regelblutungen, Blutspenden
  • Blutverluste im Magen-Darm-Trakt durch Geschwüre, Entzündungen oder Tumoren
  • erhöhter Bedarf in Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum und bei Ausdauersport
  • eisenarme Ernährung, etwa bei einseitiger Kost oder Essstörungen
  • gestörte Aufnahme im Darm bei Zöliakie, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Magenschleimhautentzündung oder unter Säureblockern

Bei Männern und bei Frauen nach den Wechseljahren ohne erkennbaren Blutverlust gehört zur Abklärung eine Untersuchung von Magen und Darm, weil sich dort eine unbemerkte Blutung verbergen kann.

Entzündungen können einen Eisenmangel verdecken

Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein. Bei Infektionen, Entzündungen, Tumoren und Lebererkrankungen bildet der Körper mehr davon, unabhängig vom Eisenvorrat. Ein normaler oder erhöhter Wert schließt einen Eisenmangel dann nicht aus. Der Arzt misst deshalb meist das CRP mit. Liegt es bei höchstens 5 mg/l, ist keine relevante Entzündung vorhanden und das Ferritin aussagekräftig. Bei einer bestehenden Entzündung passen Werte bis etwa 100 µg/l noch zu einem Eisenmangel. Bei Krebserkrankungen ist Ferritin zur Beurteilung des Eisenstatus laut DGHO in der Regel unbrauchbar. Dann helfen der lösliche Transferrinrezeptor und der daraus berechnete Ferritin-Index.

Hohe Ferritinwerte haben meist andere Gründe als zu viel Eisen

  • Infektionen und chronische Entzündungen, etwa Rheuma
  • Lebererkrankungen, Fettleber und metabolisches Syndrom
  • regelmäßiger, hoher Alkoholkonsum
  • Zelluntergang, Tumoren und Erkrankungen des blutbildenden Systems
  • Eisentabletten, Eiseninfusionen und Bluttransfusionen
  • die Hämochromatose, eine erbliche Eisenspeicherkrankheit

Ein erhöhtes Ferritin ohne gleichzeitig erhöhte Transferrinsättigung spricht gegen eine erbliche Hämochromatose. Die Suche richtet sich dann auf Leber, Entzündungen und Stoffwechsel.

Die Transferrinsättigung trennt Überladung von Entzündung

Bei der erblichen Hämochromatose nimmt der Darm dauerhaft zu viel Eisen auf. Es lagert sich in Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse und Gelenken ab. Die häufigste Form beruht auf der Genvariante C282Y im HFE-Gen, die bei Menschen nordeuropäischer Herkunft etwa 1 von 200 doppelt tragen. Nur ein kleiner Teil von ihnen erkrankt tatsächlich, je nach Quelle etwa 10 bis 25 Prozent. Typisch ist eine Transferrinsättigung über 45 Prozent zusammen mit einem erhöhten Ferritin ohne Entzündung, bei ausgeprägter Überladung oft über 1.000 µg/l. Werte über 1.000 µg/l gehen bei Betroffenen mit einem deutlich höheren Risiko für eine Leberzirrhose einher.

Kombination häufige Richtung der Abklärung
Ferritin niedrig, Hämoglobin normal Speichereisenmangel, Ursache suchen
Ferritin niedrig, Hämoglobin und MCV niedrig Eisenmangelanämie, Blutungsquelle suchen
Ferritin normal oder hoch, CRP erhöht, Transferrinsättigung niedrig Entzündungsanämie, eventuell mit verdecktem Eisenmangel
Ferritin hoch, Transferrinsättigung über 45 Prozent, CRP normal Verdacht auf Eisenüberladung, Wiederholung nüchtern, Gentest
Ferritin hoch, Transferrinsättigung normal, Leberwerte erhöht Fettleber, Alkohol oder andere Lebererkrankung

Niedrige Werte führen zur Ursachensuche, sehr hohe zum Spezialisten

Bei einem niedrigen Ferritin sucht der Arzt immer auch nach dem Grund für den Mangel. Bei jungen Frauen mit starker Regelblutung ist die Erklärung oft schnell gefunden, bei Männern und älteren Menschen sucht der Arzt gezielt nach einer Blutungsquelle. Ein leicht erhöhtes Ferritin mit normaler Transferrinsättigung ordnet er meist zusammen mit Leberwerten und CRP ein und kontrolliert es später erneut. Ein Ferritin über 1.000 µg/l oder eine wiederholt erhöhte Transferrinsättigung gehört zu einem Internisten oder Hämatologen.

Sofort ärztliche Hilfe braucht, wer schwarzen, teerartigen Stuhl bemerkt, Blut erbricht, bei geringer Belastung Atemnot oder Brustschmerzen bekommt oder kollabiert. Das können Zeichen einer akuten Blutung oder einer schweren Blutarmut sein, der Weg führt dann über den Notruf 112 in die Notaufnahme.

Beschwerden entstehen durch den Mangel oder durch die Ablagerungen

Ein leerer Eisenspeicher bleibt oft lange unbemerkt. Mit zunehmendem Mangel kommen Müdigkeit, Blässe, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, brüchige Nägel, Haarausfall, Atemnot bei Belastung und unruhige Beine hinzu. Manche Betroffene verspüren den Drang, Eiswürfel zu kauen. Eine Eisenüberladung macht anfangs ebenfalls unspezifische Beschwerden wie Schwäche und Gelenkschmerzen. Später können Leberschäden, Diabetes, eine dunklere Hautfarbe, Herzmuskelschäden und Potenzstörungen auftreten, meist nach dem 40. Lebensjahr und bei Männern früher als bei Frauen.

Häufige Fragen zum Ferritin

Gehört Ferritin zum großen Blutbild?

Nein, Ferritin ist ein Eiweiß im Blutserum und gehört nicht zum kleinen oder großen Blutbild, das die Blutzellen zählt. Der Arzt fordert es separat an, oft zusammen mit Blutbild, Eisen, Transferrin und CRP. Für die Messung genügt meist dieselbe Blutentnahme.

Ab welchem Ferritinwert spricht man von Eisenmangel?

Ein Wert unter 15 µg/l gilt als sicherer Beweis, neuere Empfehlungen setzen die Grenze bei Erwachsenen bei 30 µg/l. Bei einer gleichzeitigen Entzündung können auch Werte bis etwa 100 µg/l noch zu einem Eisenmangel passen. Die Einordnung übernimmt der Arzt zusammen mit CRP und Transferrinsättigung.

Warum kann das Ferritin trotz Eisenmangel normal sein?

Ferritin steigt bei Entzündungen, Infektionen, Tumoren und Lebererkrankungen als Teil der Abwehrreaktion an. Ein leerer Speicher kann so von einem entzündungsbedingt erhöhten Wert überdeckt werden. Das CRP zeigt, ob eine solche Verfälschung wahrscheinlich ist.

Ist ein hoher Ferritinwert gefährlich?

Meist ist ein hoher Wert ein Zeichen für eine Entzündung, eine Fettleber oder Alkoholkonsum und wird über diese Ursache behandelt. Gefährlich wird es bei einer echten Eisenüberladung, weil das Eisen über Jahre Leber, Herz und Bauchspeicheldrüse schädigt. Die Behandlung der Hämochromatose mit regelmäßigen Aderlässen verhindert diese Schäden, wenn sie früh beginnt.

Was kostet die Messung von Ferritin?

Ferritin steht in der GOÄ unter Ziffer 3742 mit 250 Punkten. Das ergibt 14,57 Euro im einfachen Satz und 16,76 Euro beim im Labor üblichen Faktor 1,15, Blutentnahme und Beratung kommen hinzu. Bei Verdacht auf Eisenmangel oder Eisenüberladung zahlt die gesetzliche Krankenkasse, ohne medizinischen Anlass ist die Messung eine Selbstzahlerleistung (IGeL).

Wie der Eisenwert im Blut zu lesen ist, erklärt der Artikel Eisenwert im Blut, die Berechnung der Sättigung der Artikel Transferrin und Transferrinsättigung. Was ein zu niedriger Hämoglobinwert bedeutet, steht unter Hämoglobin zu niedrig.

Quellen