Transferrin und Transferrinsättigung: Werte verstehen
Transferrin transportiert Eisen im Blut, die Sättigung zeigt seine Beladung. Normbereiche, Berechnung und die Abgrenzung von Eisenmangel und Entzündung.

TL;DR: Transferrin ist das Eiweiß, das Eisen im Blut transportiert, die Transferrinsättigung gibt an, wie viel Prozent seiner Bindungsstellen gerade mit Eisen besetzt sind. Üblich sind bei Erwachsenen etwa 2,0 bis 3,6 g/l Transferrin und eine Sättigung von etwa 16 bis 45 Prozent. Bei Eisenmangel steigt das Transferrin und die Sättigung sinkt, bei Entzündungen sinken beide. Eine Sättigung über 45 Prozent weist auf eine Eisenüberladung hin und ist der früheste Laborhinweis auf eine Hämochromatose. Die Sättigung wird aus Serumeisen und Transferrin berechnet. Beide Werte gehören nicht zum kleinen oder großen Blutbild und werden separat angefordert. Stand: 25. September 2026.
Transferrin wird in der Leber gebildet und macht etwa 4 Prozent der Eiweiße im Blutplasma aus. Jedes Molekül kann zwei Eisenatome binden, ein Gramm Transferrin nimmt so etwa 1,4 mg Eisen auf. Es holt Eisen aus dem Darm und aus den Speichern und bringt es vor allem zum Knochenmark, wo daraus Hämoglobin für neue rote Blutkörperchen entsteht. Normalerweise ist etwa ein Drittel der Bindungsstellen besetzt. Der Rest ist eine Reserve, die bei Bedarf zusätzliches Eisen aufnehmen kann.
Transferrin liegt bei Erwachsenen bei etwa 2,0 bis 3,6 g/l
Transferrin wird in g/l oder mg/dl angegeben, 1 g/l entspricht 100 mg/dl. Die Sättigung steht in Prozent auf dem Befund.
| Angabe | üblicher Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Transferrin, Erwachsene und Kinder ab 1 Jahr | etwa 2,0 bis 3,6 | g/l |
| Transferrin, Erwachsene und Kinder ab 1 Jahr | etwa 200 bis 360 | mg/dl |
| Transferrinsättigung, Erwachsene | etwa 16 bis 45 | Prozent |
| Transferrinsättigung, Kinder ab 1 Jahr | etwa 7 bis 46 | Prozent |
Bei Neugeborenen und Säuglingen gelten eigene Bereiche. Maßgeblich ist immer der Referenzbereich, den das eigene Labor auf dem Befund abdruckt.
Die Sättigung wird aus Eisen und Transferrin berechnet
Die Transferrinsättigung ist kein eigener Messwert. Das Labor berechnet sie aus Serumeisen und Transferrin derselben Blutprobe:
- Transferrinsättigung in Prozent = Serumeisen in µg/dl geteilt durch Transferrin in mg/dl, mal 70,9
- mit Transferrin in g/l lautet der Faktor 0,709 statt 70,9
- mit Serumeisen in µmol/l und Transferrin in g/l lautet der Faktor 3,98
Ein Beispiel: Bei einem Serumeisen von 80 µg/dl und einem Transferrin von 2,8 g/l, also 280 mg/dl, ergibt sich 80 geteilt durch 280 mal 70,9, das sind etwa 20 Prozent. Bei 40 µg/dl Eisen und 3,8 g/l Transferrin sind es nur etwa 7 Prozent, ein typisches Bild bei Eisenmangel. Bei 200 µg/dl Eisen und 2,0 g/l Transferrin liegt die Sättigung bei etwa 71 Prozent und damit weit über der Grenze von 45 Prozent.
Weil das Serumeisen im Tagesverlauf schwankt, schwankt auch die Sättigung. Die Blutentnahme erfolgt deshalb möglichst morgens und nüchtern, ohne vorherige Eisentablette. Hämolyse in der Probe hebt das Eisen und damit die Sättigung falsch an, deshalb wird die Probe zügig zentrifugiert.
Bei Eisenmangel steigt das Transferrin, bei Entzündung sinkt es
Fehlt Eisen, bildet die Leber mehr Transferrin, um jedes verfügbare Eisenatom einzufangen. Gleichzeitig sinkt die Sättigung. Unter 16 Prozent gilt sie als erniedrigt, bei 15 Prozent und darunter bekommen die blutbildenden Zellen zu wenig Eisen.
Bei Entzündungen verhält sich Transferrin umgekehrt. Es ist ein sogenanntes Anti-Akute-Phase-Protein, die Leber bildet bei Entzündungen weniger davon. Zugleich hält das Hormon Hepcidin Eisen in den Speichern fest, das Serumeisen fällt. Das Ergebnis ist die Entzündungsanämie mit niedrigem Transferrin, niedriger Sättigung und normalem bis hohem Ferritin.
Transferrin erhöht:
- Eisenmangel
- Schwangerschaft
Transferrin erniedrigt:
- akute und chronische Entzündungen, Infektionen, Rheuma
- Leberzirrhose, weil die Leber weniger Eiweiß bildet
- Eiweißverlust über den Darm und Tumorerkrankungen
- selten ein angeborener Transferrinmangel
| Kombination | häufige Richtung der Abklärung |
|---|---|
| Transferrin erhöht, Sättigung niedrig, Ferritin niedrig | Eisenmangel, Suche nach Blutverlust oder Aufnahmestörung |
| Transferrin niedrig, Sättigung niedrig, Ferritin normal oder hoch, CRP erhöht | Entzündungsanämie, Behandlung der Grunderkrankung |
| Sättigung niedrig, Ferritin unter 100 µg/l, CRP erhöht | Entzündung mit zusätzlichem Eisenmangel möglich |
| Sättigung über 45 Prozent, Ferritin erhöht, CRP normal | Verdacht auf Eisenüberladung, Wiederholung nüchtern, Gentest |
| Sättigung über 45 Prozent, Ferritin normal | mögliches Frühstadium einer Hämochromatose, Kontrolle, eventuell Gentest |
Eine Sättigung über 45 Prozent ist der früheste Hinweis auf Hämochromatose
Bei der erblichen Hämochromatose nimmt der Darm dauerhaft zu viel Eisen auf. Die Transferrinsättigung steigt dabei vor dem Ferritin an, oft auf über 60 Prozent, nicht selten auf 80 bis 100 Prozent. Deshalb ist sie der wichtigste Suchtest. Liegt die Sättigung unter 45 Prozent, spricht das mit einer Sicherheit von etwa 97 Prozent gegen eine Hämochromatose. Wiederholt über 45 Prozent macht sie eine Hämochromatose wahrscheinlich, über 60 Prozent sehr wahrscheinlich.
Ein erstmals erhöhter Wert wird durch eine zweite Messung im nüchternen Zustand bestätigt. Bleibt die Sättigung über 45 Prozent, folgt ein Gentest auf die Variante C282Y im HFE-Gen. Etwa 1 von 200 Menschen nordeuropäischer Herkunft trägt sie doppelt, aber nur ein Teil davon entwickelt eine Eisenüberladung. Auch hämolytische Anämien, viele Bluttransfusionen und Lebererkrankungen können die Sättigung erhöhen. Ab etwa 55 Prozent bildet sich im Blut freies Eisen, das nicht an Transferrin gebunden ist und Gewebe schädigen kann.
Auffällige Werte werden im Zusammenhang abgeklärt
Eine niedrige Sättigung mit hohem Transferrin führt zur Suche nach dem Grund des Eisenmangels. Bei Männern und bei Frauen nach den Wechseljahren gehört dazu eine Untersuchung von Magen und Darm. Eine niedrige Sättigung mit niedrigem Transferrin lenkt den Blick auf Entzündungen, Nieren oder Tumoren. Eine wiederholt erhöhte Sättigung gehört zu einem Internisten, Hepatologen oder Hämatologen, weil eine früh erkannte Hämochromatose gut behandelbar ist.
Sofort ärztliche Hilfe ist nötig bei schwarzem Teerstuhl, Bluterbrechen, Kreislaufschwäche oder Atemnot schon bei geringer Belastung. Das können Zeichen einer akuten Blutung oder einer schweren Blutarmut sein, dann gilt der Notruf 112.
Beschwerden gehen vom Eisenmangel oder von der Überladung aus
Transferrin selbst verursacht keine Beschwerden. Ein Eisenmangel zeigt sich an Müdigkeit, Blässe, Konzentrationsschwäche, brüchigen Nägeln und Atemnot bei Belastung. Eine Eisenüberladung beginnt mit unspezifischer Schwäche und Gelenkschmerzen. Später folgen Leberschäden bis zur Zirrhose, Diabetes, eine dunklere Hautfarbe und Herzmuskelschäden, meist nach dem 40. Lebensjahr.
Häufige Fragen zu Transferrin und Transferrinsättigung
Gehören Transferrin und Transferrinsättigung zum großen Blutbild?
Nein, beide gehören nicht zum kleinen oder großen Blutbild, das die Blutzellen erfasst. Der Arzt fordert Transferrin und Serumeisen separat an, die Sättigung berechnet das Labor daraus. Meist geschieht das zusammen mit Ferritin und CRP aus derselben Blutentnahme.
Wie wird die Transferrinsättigung berechnet?
Das Labor teilt das Serumeisen in µg/dl durch das Transferrin in mg/dl und multipliziert das Ergebnis mit 70,9. Bei 80 µg/dl Eisen und 280 mg/dl Transferrin ergibt das etwa 20 Prozent. Werte zwischen etwa 16 und 45 Prozent gelten bei Erwachsenen als üblich.
Was bedeutet eine Transferrinsättigung über 45 Prozent?
Eine Sättigung über 45 Prozent zeigt, dass mehr Eisen im Blut unterwegs ist als üblich, und ist der früheste Hinweis auf eine Hämochromatose. Der Arzt wiederholt die Messung nüchtern und bestimmt das Ferritin. Bleibt der Wert erhöht, folgt ein Gentest auf die HFE-Variante C282Y.
Warum ist Transferrin bei Entzündungen erniedrigt?
Bei Entzündungen stellt die Leber ihre Eiweißproduktion um und bildet weniger Transferrin, Fachleute sprechen von einem Anti-Akute-Phase-Protein. Zugleich hält das Hormon Hepcidin das Eisen in den Speichern fest. Transferrin und Sättigung sinken dann, obwohl die Eisenvorräte gefüllt sein können.
Was kostet die Messung von Transferrin und Transferrinsättigung?
Transferrin steht in der GOÄ unter Ziffer 3575 mit 100 Punkten, das sind 5,83 Euro im einfachen Satz und 6,70 Euro beim im Labor üblichen Faktor 1,15. Für die Sättigung kommt das Serumeisen nach Ziffer 3620 hinzu, zusammen also 8,16 Euro oder 9,38 Euro, die Berechnung selbst kostet nichts extra. Bei medizinischem Anlass zahlt die gesetzliche Krankenkasse, ohne Anlass ist die Messung eine Selbstzahlerleistung (IGeL).
Wie der Speicherwert zu lesen ist, erklärt der Artikel Ferritin, die Tagesschwankung des Serumeisens der Artikel Eisenwert im Blut. Wie sich ein Eisenmangel an den roten Blutkörperchen zeigt, beschreibt MCV, MCH und MCHC.
Quellen
- DocCheck Flexikon: Transferrin
- DocCheck Flexikon: Transferrinsättigung
- Labor Augsburg MVZ: Leistungsverzeichnis Transferrin
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Hereditäre Hämochromatose
- Limbach Gruppe, MVZ Labor Leipzig: LaborAktuell Hereditäre Hämochromatose
- Gesetze im Internet: Gebührenordnung für Ärzte, Anlage Gebührenverzeichnis