fT3 und fT4: Normwerte der freien Schilddrüsenhormone

fT3 und fT4 sind die wirksamen freien Schilddrüsenhormone. Übliche Bereiche in pmol/l und ng/dl, das Muster mit dem TSH und wann der Arzt sie bestimmt.

Metalltablett mit Stauschlauch, Tupfern, Pflaster und Röhrchen für die Blutabnahme
Material für die Blutabnahme, Symbolbild. Foto: Myriams-Fotos / Pixabay.

TL;DR: fT4 (freies Thyroxin) und fT3 (freies Trijodthyronin) sind die ungebundenen, im Körper wirksamen Anteile der Schilddrüsenhormone. Üblich sind bei Erwachsenen etwa 0,9 bis 1,7 ng/dl fT4, das entspricht etwa 12 bis 22 pmol/l, und etwa 2,0 bis 4,4 pg/ml fT3, das entspricht etwa 3,1 bis 6,8 pmol/l. Hohe Werte sprechen für eine Überfunktion durch Knoten, Morbus Basedow oder zu viel Hormon aus Tabletten, niedrige für eine Unterfunktion, meist durch eine Hashimoto-Thyreoiditis. Der Arzt bestimmt beide meist erst, wenn das TSH auffällig ist. Beide Werte gehören nicht zum kleinen oder großen Blutbild und werden separat angefordert. Stand: 25. September 2026.

Die Schilddrüse bildet vor allem Thyroxin (T4), ein Vorratshormon mit einer Halbwertszeit von etwa 8 Tagen. Das stärker wirksame Trijodthyronin (T3) entsteht größtenteils außerhalb der Schilddrüse, wenn Körpergewebe ein Jodatom von T4 abspalten. Nur etwa ein Fünftel des T3 im Blut stammt direkt aus der Schilddrüse. Im Blut sind fast alle Hormonmoleküle an Transporteiweiße gebunden, vor allem an das thyroxinbindende Globulin (TBG). Frei und damit wirksam sind nur etwa 0,03 Prozent des T4 und 0,3 Prozent des T3. Diese freien Anteile misst das Labor als fT4 und fT3.

Die Einheiten unterscheiden sich von Labor zu Labor

Für fT4 sind drei Schreibweisen verbreitet: ng/dl, ng/l (gleichbedeutend mit pg/ml) und pmol/l. fT3 steht meist in pg/ml oder pmol/l auf dem Befund. Die Tabelle zeigt übliche Bereiche für Erwachsene, gemessen mit einem verbreiteten Immunoassay.

Angabe üblicher Bereich Einheit
fT4 etwa 0,9 bis 1,7 ng/dl
fT4 etwa 9,3 bis 17 ng/l (pg/ml)
fT4 etwa 12 bis 22 pmol/l
fT3 etwa 2,0 bis 4,4 pg/ml (ng/l)
fT3 etwa 3,1 bis 6,8 pmol/l

Umrechnen lässt sich einfach: fT4 in ng/dl mal 12,87 ergibt pmol/l, ein fT4 von 1,2 ng/dl entspricht also etwa 15,4 pmol/l. fT3 in pg/ml mal 1,536 ergibt pmol/l. Für Neugeborene und Kinder gelten eigene, altersabhängige Bereiche. Maßgeblich ist immer der Referenzbereich, den das eigene Labor auf dem Befund abdruckt, denn die Grenzen hängen stark von der Messmethode ab.

fT3 und fT4 werden meist erst nach einem auffälligen TSH bestimmt

Der erste Schritt der Schilddrüsendiagnostik ist das TSH aus der Hirnanhangdrüse, weil es auf Veränderungen am empfindlichsten reagiert. Ein normales TSH schließt eine Über- oder Unterfunktion in den meisten Fällen aus, dann braucht es keine freien Hormone. Weicht das TSH ab, folgt das fT4. Das fT3 kommt vor allem bei Verdacht auf Überfunktion hinzu, wenn das TSH unterdrückt ist und das fT4 normal ausfällt. So entdeckt der Arzt die T3-Hyperthyreose, bei der nur das T3 erhöht ist. Diese Form macht etwa 5 bis 10 Prozent der Überfunktionen aus.

Bei Erkrankungen der Hirnanhangdrüse kann das TSH trotz Unterfunktion normal oder niedrig ausfallen, weil die Steuerzentrale selbst gestört ist. In diesem Fall gehört das fT4 von Anfang an dazu.

Das Muster mit dem TSH trennt latente von manifesten Störungen

Latent heißt eine Funktionsstörung, wenn nur das TSH außerhalb der Norm liegt und fT3 und fT4 noch normal sind. Manifest heißt sie, wenn auch die freien Hormone abweichen. Diese Unterscheidung entscheidet oft darüber, ob der Arzt behandelt oder zunächst kontrolliert.

Kombination häufige Richtung der Abklärung
TSH erhöht, fT4 normal latente Unterfunktion, Kontrolle, TPO-Antikörper
TSH erhöht, fT4 erniedrigt manifeste Unterfunktion, Behandlung wird besprochen
TSH erniedrigt, fT3 und fT4 normal latente Überfunktion, Kontrolle, Suche nach Knoten
TSH erniedrigt, fT4 oder fT3 erhöht manifeste Überfunktion, TRAK und TPO-Antikörper, Ultraschall
TSH erniedrigt, fT4 normal, fT3 erhöht T3-Hyperthyreose
TSH normal oder erniedrigt, fT4 erniedrigt Störung der Hirnanhangdrüse, Überweisung zum Endokrinologen
TSH erniedrigt, fT3 und fT4 erhöht, keine Beschwerden Biotin als Messstörung prüfen

Bei schweren Allgemeinerkrankungen sinkt das fT3 oft, ohne dass die Schilddrüse krank ist, etwa bei Sepsis, nach einem Herzinfarkt, bei schweren Verbrennungen, Leberzirrhose oder längerem Fasten. Ärzte sprechen vom Euthyroid-Sick-Syndrom oder Low-T3-Syndrom. Schilddrüsenhormone helfen hier nicht, die Werte normalisieren sich, wenn die Grunderkrankung behandelt ist.

Erhöhte freie Hormone sprechen für eine Überfunktion

  • Schilddrüsenautonomie mit Knoten, die unabhängig vom TSH Hormon bilden, in Deutschland die häufigste Ursache
  • Morbus Basedow, eine Autoimmunerkrankung, oft mit TSH-Rezeptor-Antikörpern (TRAK)
  • zu hoch dosierte Schilddrüsentabletten
  • eine Schilddrüsenentzündung in der Anfangsphase
  • große Jodmengen, etwa durch Amiodaron
  • Furosemid in therapeutischer Tagesdosis, das erhöhte fT4-Werte vortäuschen kann
  • hochdosiertes Biotin, das fT3 und fT4 falsch hoch erscheinen lässt

Erniedrigte freie Hormone sprechen für eine Unterfunktion

  • Hashimoto-Thyreoiditis als häufigste Ursache
  • Zustand nach Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie
  • Medikamente wie Lithium, Amiodaron oder bestimmte Krebsmedikamente (Checkpoint-Hemmer)
  • selten eine Störung der Hirnanhangdrüse, bei der das TSH nicht wie erwartet steigt
  • ein niedriges fT3 bei schweren Erkrankungen oder unter Kortison und Betablockern, ohne echte Schilddrüsenstörung

Schwangerschaft, Tabletten und Biotin beeinflussen die Messung

In der Schwangerschaft und unter östrogenhaltigen Präparaten wie der Pille bildet die Leber mehr TBG. Das Gesamthormon steigt dadurch an, die freien Hormone bleiben aussagekräftig. Labore empfehlen in der Schwangerschaft deshalb, neben TSH ausschließlich die freien Werte zu bestimmen.

Wer Schilddrüsentabletten nimmt, lässt das Blut morgens und vor der Tabletteneinnahme abnehmen, bei Kontrollen möglichst immer unter denselben Bedingungen. So bleiben die Werte von Termin zu Termin vergleichbar.

Biotin stört viele Immunoassays. Bei den Tests für fT3 und fT4 kann es zu falsch hohen Werten führen, beim TSH zu falsch niedrigen. Das Deutsche Ärzteblatt beschrieb 2025 einen Fall, in dem die eigenmächtige Einnahme von täglich 10 mg Biotin gegen Haarausfall zu stark erhöhten fT3- und fT4-Werten führte, obwohl die Schilddrüse normal arbeitete. Labore raten bei Tagesdosen über 5 mg, das Blut frühestens 8 Stunden nach der letzten Einnahme abzunehmen.

Warnzeichen führen noch am selben Tag zum Arzt

Ein einzelner grenzwertiger Wert ohne Beschwerden wird meist erst kontrolliert, bevor weitere Untersuchungen folgen. Deutlich erhöhte freie Hormone mit Herzrasen, Gewichtsverlust oder Unruhe gehören zeitnah in die Praxis, weil eine manifeste Überfunktion das Herz belastet. Hohes Fieber, sehr schneller Puls, Verwirrtheit und extreme Schwäche können eine thyreotoxische Krise anzeigen. Unterkühlung, zunehmende Benommenheit und Atemschwäche bei bekannter Unterfunktion deuten auf ein Myxödemkoma. Beides ist ein Notfall für den Notruf 112.

Die Beschwerden hängen an der Hormonwirkung im Körper

Die freien Hormone steuern den Grundumsatz fast aller Zellen. Zu viel davon beschleunigt den Körper: Schwitzen, Gewichtsabnahme trotz Appetit, schneller Puls, höherer Blutdruck, Händezittern, Muskelschwäche, innere Unruhe und Schlaflosigkeit. Zu wenig bremst ihn: Müdigkeit, Frieren, Verstopfung, trockene Haut, Wassereinlagerungen um die Augen, langsamer Puls und Konzentrationsprobleme. Bei der latenten Form fehlen Beschwerden oft ganz.

Häufige Fragen zu fT3 und fT4

Warum misst das Labor die freien Hormone und nicht das Gesamthormon?

Über 99 Prozent der Schilddrüsenhormone sind an Eiweiße gebunden, und deren Menge schwankt, etwa in der Schwangerschaft oder unter der Pille. Das Gesamthormon ändert sich dann, ohne dass sich an der Schilddrüse etwas ändert. Die freien Werte zeigen dagegen den wirksamen Anteil und sind deshalb verlässlicher.

Wann reicht fT4 allein und wann braucht es fT3?

Bei Verdacht auf Unterfunktion genügt meist das fT4 zusammen mit dem TSH. Das fT3 wird vor allem bei Verdacht auf Überfunktion bestimmt, besonders wenn das TSH unter 0,1 mU/l liegt und das fT4 normal ist. So fällt eine T3-Hyperthyreose auf, die sonst übersehen würde.

Wie rechnet man fT4 von ng/dl in pmol/l um?

Der Wert in ng/dl wird mit 12,87 multipliziert, 1,0 ng/dl entsprechen also 12,87 pmol/l. Steht der Wert in ng/l oder pg/ml, lautet der Faktor 1,287. Für fT3 gilt: pg/ml mal 1,536 ergibt pmol/l.

Gehören fT3 und fT4 zum großen Blutbild?

Nein, das große Blutbild erfasst nur Blutzellen, Schilddrüsenhormone gehören nicht dazu. Der Arzt fordert fT3 und fT4 separat an, sie werden aus einer Serumprobe gemessen. Oft reicht dafür dieselbe Blutentnahme wie für das Blutbild.

Was kostet die Messung von fT3 und fT4?

Die GOÄ führt fT3 unter Ziffer 4022.H4 und fT4 unter Ziffer 4023.H4 mit je 250 Punkten, das sind je 14,57 Euro im einfachen Satz und 16,76 Euro beim üblichen Laborfaktor 1,15. Beide zusammen kosten damit 29,14 Euro oder 33,52 Euro, für alle H4-Schilddrüsenwerte zusammen gilt ein Höchstwert von 550 Punkten (Ziffer 3633.H), also 32,06 Euro oder 36,87 Euro, das TSH zählt nicht dazu. Bei medizinischem Anlass zahlt die gesetzliche Krankenkasse, als Wunschleistung ohne Anlass ist es eine Selbstzahlerleistung (IGeL).

Den Suchtest, mit dem die Abklärung beginnt, erklärt der Artikel TSH-Wert: Normbereich und was Abweichungen bedeuten. Alle Laborwerte im Überblick stehen in der Blutwerte-Tabelle, die Kosten des Blutbilds selbst im Artikel Was kostet ein großes Blutbild?.

Quellen