TSH-Wert: Normbereich und was Abweichungen bedeuten
TSH ist der erste Suchtest für die Schilddrüse. Üblicher Bereich, Ursachen hoher und niedriger Werte, die Störung durch Biotin und Grenzen im Alter.

TL;DR: TSH, das Thyreoidea-stimulierende Hormon, stammt aus der Hirnanhangdrüse und treibt die Schilddrüse an. Bei Erwachsenen bis 70 Jahre liegt der übliche Bereich bei etwa 0,4 bis 4,0 mU/l, im höheren Alter etwas darüber. Ein hoher Wert spricht meist für eine Unterfunktion, häufig durch eine Hashimoto-Thyreoiditis, ein niedriger Wert für eine Überfunktion durch Knoten, Morbus Basedow oder zu hoch dosierte Schilddrüsentabletten. Hochdosiertes Biotin kann einen falsch niedrigen Wert erzeugen. TSH gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild und wird separat angefordert. Stand: 25. September 2026.
TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon, auf Deutsch schilddrüsenanregendes Hormon. Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) schüttet es aus, damit die Schilddrüse ihre Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) bildet. Der Regelkreis arbeitet wie ein Thermostat: Sind viele Schilddrüsenhormone im Blut, bremst das die TSH-Bildung. Sinkt der Hormonspiegel, steigt das TSH. Weil die Hirnanhangdrüse schon auf kleine Veränderungen reagiert, zeigt sich eine Funktionsstörung am TSH früher als an den Schilddrüsenhormonen selbst. Deshalb misst der Arzt meist zuerst nur diesen einen Wert.
Bis 70 Jahre gelten etwa 0,4 bis 4,0 mU/l als unauffällig
Die Einheit mU/l steht für Milli-Units pro Liter. Manche Labore schreiben mIU/l oder µU/ml, die Zahlen bleiben dieselben. Die hausärztliche Leitlinie der DEGAM nennt altersabhängige Obergrenzen, weil das TSH mit den Jahren natürlicherweise steigt.
| Angabe | üblicher Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene 18 bis 70 Jahre | etwa 0,4 bis 4,0 | mU/l |
| über 70 bis 80 Jahre | Obergrenze etwa 5,0 | mU/l |
| über 80 Jahre | Obergrenze etwa 6,0 | mU/l |
| Schwangere | Obergrenze etwa 4,0 laut DEGAM, in manchen Laboren niedriger | mU/l |
Der Wert auf dem Befund gilt immer zusammen mit dem Referenzbereich, den dasselbe Labor abdruckt, denn die Messverfahren unterscheiden sich. Vergleichbar sind zwei TSH-Werte laut Leitlinie nur bei gleicher Methode und gleichen Bedingungen.
Ein hoher TSH-Wert zeigt meist eine nachlassende Schilddrüse
Liefert die Schilddrüse zu wenig Hormon, steigt das TSH. Ein erhöhter Wert ist deshalb das typische Zeichen einer Unterfunktion (Hypothyreose). In Deutschland haben etwa 5 von 100 Menschen eine Unterfunktion, Frauen und Ältere häufiger.
- Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunentzündung der Schilddrüse und in Deutschland die häufigste Ursache
- Zustand nach Schilddrüsenoperation, Radiojodtherapie oder Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich
- Medikamente wie Lithium und Amiodaron
- zu niedrig dosierte oder unregelmäßig eingenommene Schilddrüsentabletten
- die Erholungsphase nach schwerer Krankheit, weshalb die Leitlinie nach einem Klinikaufenthalt eine Kontrolle nach 4 Wochen vorsieht
- ausgeprägter Jodmangel, heute selten
- eine angeborene Unterfunktion, die bei etwa 1 von 3.400 Neugeborenen auftritt und im Neugeborenen-Screening auffällt
Ein niedriger TSH-Wert weist auf zu viel Schilddrüsenhormon hin
Bildet die Schilddrüse mehr Hormon als nötig, drosselt die Hirnanhangdrüse das TSH, oft bis unter die Nachweisgrenze. Umgekehrt schließt ein normaler TSH-Wert eine Überfunktion (Hyperthyreose) in der Regel aus.
- Schilddrüsenautonomie, also Knoten oder Gewebe, das unabhängig vom TSH Hormon bildet, in Deutschland die häufigste Ursache
- Morbus Basedow, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse
- zu hoch dosierte Schilddrüsentabletten
- eine Schilddrüsenentzündung in der Anfangsphase, wenn gespeichertes Hormon frei wird
- große Jodmengen, etwa durch das Herzmedikament Amiodaron
- Kortisonpräparate und manche Schmerzmittel, bei Schwerkranken auch Dopamin, die das TSH ohne Überfunktion senken
- die frühe Schwangerschaft, weil das Schwangerschaftshormon hCG die Schilddrüse ähnlich wie TSH anregt
- selten eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse, bei der auch das fT4 niedrig ist
Erst fT4 und fT3 zeigen, ob eine Störung latent oder manifest ist
Ist das TSH auffällig, bestimmt das Labor die freien Schilddrüsenhormone fT4 und bei Bedarf fT3. Latent bedeutet: Das TSH weicht ab, die Hormone liegen noch im Normbereich. Manifest bedeutet: Auch die Hormone liegen außerhalb. Von einer latenten Unterfunktion gehen pro Jahr etwa 2 bis 5 von 100 Betroffenen in eine manifeste über.
| Kombination | häufige Richtung der Abklärung |
|---|---|
| TSH erhöht, fT4 normal | latente Unterfunktion, Kontrolle, TPO-Antikörper als Hinweis auf Hashimoto |
| TSH erhöht, fT4 erniedrigt | manifeste Unterfunktion, Behandlung wird besprochen |
| TSH erniedrigt, fT3 und fT4 normal | latente Überfunktion, Kontrolle, bei Werten unter 0,1 mU/l genauere Suche |
| TSH erniedrigt, fT3 oder fT4 erhöht | manifeste Überfunktion, Antikörper (TRAK), Ultraschall, Szintigrafie |
| TSH normal oder erniedrigt, fT4 erniedrigt | Verdacht auf Störung der Hirnanhangdrüse, Überweisung |
| TSH erniedrigt, fT3 und fT4 erhöht, keine Beschwerden | Frage nach Biotin, Wiederholung nach Einnahmepause |
Ein TSH unter 0,1 mU/l ist mit einem höheren Risiko für Vorhofflimmern und Knochenschwund verbunden, auch wenn fT3 und fT4 noch normal sind.
Biotin und Tageszeit verschieben den Messwert
Viele Labortests für TSH, fT3 und fT4 nutzen Biotin und Streptavidin als Bindeglied. Nimmt jemand hochdosiertes Biotin ein, etwa 5 bis 10 mg täglich als Mittel für Haare und Nägel, kann das je nach Testverfahren die Messung stören: Das TSH fällt dann falsch niedrig aus, fT3, fT4 und die TSH-Rezeptor-Antikörper falsch hoch. Der Befund kann aussehen wie ein Morbus Basedow, obwohl die Schilddrüse gesund ist. Übliche Multivitaminpräparate mit 30 bis 60 µg Biotin stören nicht. Labore empfehlen bei Tagesdosen über 5 mg, das Blut frühestens 8 Stunden nach der letzten Einnahme abzunehmen, bei sehr hohen Dosen über 10 mg nach mindestens drei Tagen Pause, jeweils nach Rücksprache mit dem Arzt.
Das TSH folgt außerdem einem Tagesrhythmus mit dem Höchstwert in der Nacht und dem Tiefpunkt am Nachmittag. Für Verlaufskontrollen empfehlen Labore deshalb eine gleichbleibende Uhrzeit, morgens und vor der Einnahme von Schilddrüsentabletten.
Schwangerschaft und Alter verschieben die Grenzen
In der Schwangerschaft bindet das Hormon hCG am TSH-Rezeptor der Schilddrüse und regt sie schwach an. Die Obergrenze des TSH liegt deshalb etwa 0,5 bis 1,0 mU/l unter der von nicht schwangeren Frauen. Die DEGAM hält trotzdem an 4,0 mU/l fest, weil für eine Behandlung darunter kein Nutzen nachgewiesen ist. Einige Labore werten dagegen schon Werte über 2,5 mU/l als Anlass für einen Antikörpertest. Bei Schwangeren, die bereits Schilddrüsenhormon einnehmen, steigt das TSH ohne Anpassung der Dosis oft an, die Leitlinie sieht mindestens eine Kontrolle pro Schwangerschaftsdrittel vor. Ein routinemäßiges TSH-Screening bei Frauen mit Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft ohne bekannte Schilddrüsenerkrankung empfiehlt sie nicht.
Im Alter steigt das TSH, ohne dass die Schilddrüse krank sein muss. Deshalb gelten über 70 Jahre etwa 5,0 und über 80 Jahre etwa 6,0 mU/l als Obergrenze, damit ältere Menschen nicht unnötig behandelt werden.
Ein auffälliger Wert wird meist zuerst wiederholt
Ein leicht erhöhter TSH-Wert ohne Beschwerden und ohne bekannte Schilddrüsenerkrankung wird laut Leitlinie zunächst wiederholt, bevor weitere Tests folgen. Bestätigt sich der Wert, kommt das fT4 hinzu. Bei einer latenten Unterfunktion mit einem TSH bis 10 mU/l rät die DEGAM in der Regel von einer Hormonbehandlung ab und sieht Kontrollen nach 6 bis 12 Monaten vor. Liegt das TSH über 10 mU/l, bespricht der Arzt eine Behandlung. Ein niedriges TSH mit Herzrasen oder Gewichtsverlust gehört zeitnah in die Praxis.
Zwei Zustände sind Notfälle. Bei einer schweren Überfunktion zeigt sich die thyreotoxische Krise mit hohem Fieber, sehr schnellem Puls, Verwirrtheit und extremer Schwäche. Bei einer schweren Unterfunktion droht das Myxödemkoma mit Unterkühlung, Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen und Atemschwäche. Beide sind lebensbedrohlich und gehören über den Notruf 112 in eine Klinik.
Das TSH selbst verursacht keine Beschwerden
Beschwerden stammen von zu wenig oder zu viel Schilddrüsenhormon. Eine Unterfunktion zeigt sich an Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Verstopfung, trockener Haut, Haarausfall, langsamem Puls, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen und gedrückter Stimmung. Eine Überfunktion äußert sich mit Schwitzen, Gewichtsabnahme, Herzrasen, Händezittern, innerer Unruhe, Schlaflosigkeit und häufigerem Stuhlgang. Diese Zeichen sind unspezifisch, die Leitlinie misst ihnen für die Behandlungsentscheidung deshalb wenig Gewicht bei.
Häufige Fragen zum TSH-Wert
Gehört der TSH-Wert zum großen Blutbild?
Nein, das TSH gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild, die nur Blutzellen erfassen. Der Arzt fordert es als eigenen Wert an, meist aus derselben Blutprobe wie andere Laborwerte. Auf dem Befund steht es deshalb oft in einem eigenen Abschnitt für Hormone.
Wann sollte das Blut für den TSH-Wert abgenommen werden?
Am besten morgens und vor der Einnahme von Schilddrüsentabletten, bei Kontrollen immer zur gleichen Uhrzeit, weil das TSH im Tagesverlauf schwankt. Wer hochdosiertes Biotin einnimmt, sagt das vorher dem Arzt oder dem Labor.
Ab welchem TSH-Wert wird eine Unterfunktion behandelt?
Die hausärztliche Leitlinie der DEGAM sieht bei einem TSH bis 10 mU/l in der Regel Kontrollen ohne Hormonbehandlung vor. Über 10 mU/l bespricht der Arzt eine Behandlung abhängig von Alter, Beschwerden und Wunsch des Patienten, bei über 75-Jährigen ist ein Verzicht bis 20 mU/l möglich. Eine manifeste Unterfunktion mit niedrigem fT4 wird in der Regel behandelt.
Kann ein niedriger TSH-Wert harmlos sein?
Ja, in der frühen Schwangerschaft, unter Kortison oder durch hochdosiertes Biotin kann das TSH niedrig ausfallen, ohne dass eine Überfunktion vorliegt. Auch zu hoch dosierte Schilddrüsentabletten senken den Wert, das korrigiert der Arzt über die Dosis. Ob eine echte Überfunktion besteht, klären fT3, fT4 und bei Bedarf Antikörper.
Was kostet die Messung des TSH-Werts?
Die TSH-Bestimmung steht in der GOÄ unter Ziffer 4030 mit 250 Punkten. Das ergibt 14,57 Euro im einfachen Satz und 16,76 Euro beim im Labor üblichen Faktor 1,15, Blutentnahme und Beratung kommen hinzu. Bei medizinischem Anlass, etwa bei Beschwerden oder bekannter Schilddrüsenerkrankung, zahlt die gesetzliche Krankenkasse, ohne Anlass ist der Test eine Selbstzahlerleistung (IGeL).
Wie fT3 und fT4 das TSH ergänzen, beschreibt der Artikel fT3 und fT4. Welche Werte zum Blutbild gehören und welche separat angefordert werden, erklärt Kleines und großes Blutbild, eine Übersicht aller Werte bietet die Blutwerte-Tabelle.
Quellen
- DEGAM: S2k-Leitlinie Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis, Kurzversion 2023
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Schilddrüsenüberfunktion
- LADR Laborverbund: Labordiagnostik der Schilddrüse
- Labor 28 Berlin: Rote-Hand-Brief Biotin, Einfluss auf Laborergebnisse
- Gesetze im Internet: Gebührenordnung für Ärzte, Anlage Gebührenverzeichnis