HbA1c: Normwerte und Grenzwerte beim Langzeitblutzucker

Der HbA1c zeigt den mittleren Blutzucker der letzten 8 bis 12 Wochen. Grenzwerte der DDG in Prozent und mmol/mol, Therapieziele und Störfaktoren.

Hand im blauen Handschuh hält vier Blutröhrchen mit violetten Verschlüssen
EDTA-Blutröhrchen im Labor, Symbolbild. Foto: AhmadArdity / Pixabay.

TL;DR: Der HbA1c gibt an, welcher Anteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin mit Zucker verbunden ist, und spiegelt den mittleren Blutzucker der letzten 8 bis 12 Wochen. Ohne Diabetes liegt er unter 5,7 Prozent (39 mmol/mol). Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) wertet 5,7 bis 6,4 Prozent (39 bis 47 mmol/mol) als Graubereich mit erhöhtem Risiko und ab 6,5 Prozent (48 mmol/mol) als diabetischen Wert. Erhöht ist er vor allem bei Diabetes, verfälscht wird er durch Blutarmut, Hämoglobinvarianten, fortgeschrittene Nierenkrankheiten, Blutverlust und Transfusionen. Der HbA1c gehört nicht zum Blutbild und wird separat angefordert, nüchtern muss dafür niemand sein. Stand: 25. September 2026.

Hämoglobin ist der Farbstoff in den roten Blutkörperchen, der den Sauerstoff transportiert. Zucker aus dem Blut lagert sich ohne Zutun eines Enzyms fest an das Hämoglobin an, der Fachbegriff dafür lautet Glykierung. Je höher und je länger der Blutzucker erhöht war, desto größer wird der Anteil dieses verzuckerten Hämoglobins. Weil rote Blutkörperchen einige Monate im Blut kreisen, bildet der HbA1c den Blutzucker der vergangenen 8 bis 12 Wochen ab. Ärzte nutzen den Wert zur Diagnose eines Diabetes und bei bekanntem Diabetes, um den Verlauf der Behandlung zu beurteilen.

Ohne Diabetes liegt der HbA1c unter 5,7 Prozent

Labore geben den HbA1c in zwei Einheiten an: in Prozent und in Millimol pro Mol Hämoglobin (mmol/mol), der international standardisierten Einheit.

Angabe üblicher Bereich Einheit
HbA1c ohne Diabetes unter etwa 5,7 Prozent
HbA1c ohne Diabetes unter etwa 39 mmol/mol

Der Wert steigt auch bei Gesunden mit dem Alter, laut DDG um absolut 0,4 bis 0,7 Prozentpunkte (4 bis 8 mmol/mol). Die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes nennt dazu Referenzbereiche aus zwei großen deutschen Untersuchungen an Erwachsenen ohne Diabetes:

Alter Roth und Kollegen, 2016 Masuch und Kollegen, 2019
unter 40 Jahre 4,6 bis 5,9 % (27 bis 41 mmol/mol) 4,0 bis 6,0 % (20 bis 42 mmol/mol)
40 bis unter 60 Jahre 4,8 bis 6,2 % (29 bis 44 mmol/mol) 4,1 bis 6,2 % (21 bis 44 mmol/mol)
ab 60 Jahre 5,0 bis 6,4 % (31 bis 46 mmol/mol) 4,4 bis 6,6 % (25 bis 49 mmol/mol)

Bei Menschen ab 60 hat ein Wert knapp über der Diagnosegrenze deshalb weniger Gewicht. Der Befund gilt immer zusammen mit dem Referenzbereich des eigenen Labors.

Ab 6,5 Prozent spricht die DDG von einem diabetischen Wert

Einordnung laut DDG HbA1c in Prozent HbA1c in mmol/mol
kein Diabetes unter 5,7 unter 39
Graubereich mit erhöhtem Risiko 5,7 bis 6,4 39 bis 47
Diabetes ab 6,5 ab 48

Den Graubereich ordnen Ärzte zunehmend als Prädiabetes ein. Für die Diagnose verlangen DDG und Nationale VersorgungsLeitlinie zwei unabhängige auffällige Messgrößen, etwa HbA1c und Nüchternglukose. Eine zweite HbA1c-Messung zur Bestätigung eines erhöhten HbA1c halten die Autoren der DDG-Empfehlung nicht für sinnvoll. Ein Wert unter 6,5 Prozent schließt Diabetes nicht aus: Bei mehr als einem Drittel der Menschen mit diabetischem Zuckerbelastungstest lag der HbA1c darunter.

Für die Diagnose ungeeignet ist der HbA1c bei Schwangeren und bis etwa zwei Monate nach der Geburt, bei Neugeborenen, nach Bluttransfusionen, Blutspenden oder größeren Blutungen, bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und wenn zuckersteigernde Medikamente wie Kortison seit weniger als zwei Monaten eingenommen werden.

Das Therapieziel wird individuell vereinbart

Einen HbA1c-Zielwert für alle Menschen mit Diabetes gibt es nicht. Die Leitlinien nennen Korridore, in denen Arzt und Patient gemeinsam ein Ziel festlegen:

  • Typ-2-Diabetes: Die Nationale VersorgungsLeitlinie (2023) nennt einen Zielkorridor von 6,5 bis 8,5 Prozent (48 bis 69 mmol/mol). Ein höheres Ziel passt eher bei geringer Lebenserwartung, mehreren Begleiterkrankungen, hohem Unterzuckerrisiko und langer Diabetesdauer.
  • Die beteiligten Fachgesellschaften gewichten das unterschiedlich. DDG und die Gesellschaften für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie sehen 6,5 bis 7,5 Prozent (48 bis 58 mmol/mol) als Korridor, für multimorbide ältere Menschen unter 8,0 Prozent (64 mmol/mol). Die hausärztliche Fachgesellschaft DEGAM und die Arzneimittelkommission sehen bei Menschen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung eine medikamentöse Senkung erst ab 7,5 Prozent (58 mmol/mol) vor, mit einem Ziel von 7,0 bis 8,0 Prozent (53 bis 64 mmol/mol).
  • Typ-1-Diabetes: Die S3-Leitlinie empfiehlt Erwachsenen einen Wert von höchstens 7,5 Prozent (58 mmol/mol), solange keine problematischen Unterzuckerungen auftreten. Für die meisten ergibt sich ein Korridor von 6,5 bis 7,5 Prozent.

Blutarmut, Hämoglobinvarianten und Nierenkrankheiten verfälschen den HbA1c

Weil der HbA1c am Hämoglobin hängt, verändert alles, was Lebensdauer und Neubildung der roten Blutkörperchen beeinflusst, den Wert. Leben die Zellen länger, sammeln sie mehr Zucker an. Werden sie schneller ersetzt, fällt der Wert zu niedrig aus.

Falsch hohe Werte entstehen unter anderem durch:

  • Blutarmut durch Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure
  • Entfernung der Milz
  • höheres Lebensalter
  • Medikamente wie hohe Dosen ASS oder Mittel, die das Immunsystem unterdrücken, etwa nach einer Organtransplantation

Falsch niedrige Werte entstehen unter anderem durch:

  • Zerfall roter Blutkörperchen (hämolytische Anämie), etwa bei einem angeborenen Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel
  • Blutverlust, Blutspende und Bluttransfusionen
  • die Behandlung einer Eisen- oder Vitaminmangelanämie, Eisenpräparate und Erythropoetin
  • schwere Nieren- oder Leberschwäche mit verkürzter Lebensdauer der roten Blutkörperchen
  • Schwangerschaft, Leistungssport und Aufenthalt in großen Höhen

Hämoglobinvarianten wie HbS, HbC, HbD oder HbE stören je nach Messmethode und können den Wert falsch hoch oder falsch niedrig ausfallen lassen. Bei reinerbigen Formen wie HbSS oder bei zwei Varianten wie HbSC fehlt normales Hämoglobin A ganz, ein HbA1c lässt sich dann gar nicht bestimmen. Bei fortgeschrittener Nierenerkrankung (Stadium G4 bis G5) nehmen Genauigkeit und Präzision der Messung ab, bei Dialysepatienten ist sie wenig zuverlässig. Einen besser geeigneten Kontrollwert gibt es laut DDG trotzdem nicht. Die DDG empfiehlt, zum HbA1c einen aktuellen Hämoglobinwert aus dem Blutbild vorliegen zu haben, vor allem wenn der Wert zur Diagnose dient.

Der Arzt liest den HbA1c zusammen mit Blutzucker und Blutbild

Widersprechen sich HbA1c und Glukose, sieht die DDG einen Zuckerbelastungstest vor.

Kombination häufige Richtung der Abklärung
HbA1c ab 6,5 %, Nüchternglukose ab 126 mg/dl Diabetes gilt als gesichert, Therapieplanung
HbA1c 5,7 bis 6,4 %, Nüchternglukose 100 bis 125 mg/dl Prädiabetes, Lebensstil, Kontrolle
HbA1c erhöht, Glukose normal, Hämoglobin niedrig Eisenmangel als Störfaktor prüfen, Zuckerbelastungstest
HbA1c niedrig trotz hoher Blutzuckerwerte Blutverlust, Zerfall roter Blutkörperchen, Transfusion oder Nierenerkrankung prüfen
HbA1c unplausibel oder nicht bestimmbar Suche nach einer Hämoglobinvariante

Ein HbA1c ab 6,5 Prozent wird zeitnah mit einem zweiten Wert überprüft

Ein Wert im Graubereich führt zu einer Glukosemessung, einer Kontrolle und zu einem Gespräch über Risikofaktoren. Ein Wert ab 6,5 Prozent wird mit einer zweiten Messgröße bestätigt, laut DDG zeitnah innerhalb von ein bis zwei Wochen. Bei bekanntem Diabetes zeigt ein steigender HbA1c, dass Arzt und Patient die Behandlung überprüfen sollten. Eine kleine deutsche Beobachtungsstudie, die die Typ-1-Leitlinie zitiert, fand Beschwerden durch hohen Zucker etwa ab einem HbA1c von 10 Prozent.

Der HbA1c selbst ist kein Notfallwert, er beschreibt Wochen. Akut gefährlich sind die aktuellen Zuckerwerte. Starker Durst, häufiges Wasserlassen, Übelkeit und Schwindel bei hohem Blutzucker gehören noch am selben Tag ärztlich beurteilt. Benommenheit oder Bewusstseinstrübung sind ein Fall für den Notruf 112, ebenso eine Unterzuckerung mit Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit.

Der HbA1c verursacht keine Beschwerden

Der HbA1c ist ein Messwert und macht selbst keine Beschwerden. Hohe Blutzuckerwerte zeigen sich an starkem Durst, großen Trinkmengen, häufigem Wasserlassen, ungewolltem Gewichtsverlust und Müdigkeit. Über Jahre erhöhte Werte begünstigen Folgeerkrankungen an Herz und Gefäßen, Nieren, Nerven und Augen.

Häufige Fragen zum HbA1c

Gehört der HbA1c zum großen Blutbild?

Nein, der HbA1c ist kein Bestandteil des kleinen oder großen Blutbilds und muss eigens angefordert werden. Das Labor kann ihn aber aus EDTA-Blut bestimmen, also aus derselben Röhrchenart wie das Blutbild.

Muss man für die HbA1c-Messung nüchtern sein?

Nein, der HbA1c ist unabhängig von Tageszeit, Nüchternzustand und Muskelarbeit. Er schwankt von Tag zu Tag nur wenig, weil er den Durchschnitt mehrerer Wochen abbildet. Wird gleichzeitig der Nüchternblutzucker bestimmt, gelten für diesen 8 bis 12 Stunden ohne Essen.

Warum kann der HbA1c bei Eisenmangel zu hoch sein?

Bei einer Blutarmut durch Eisen-, Vitamin-B12- oder Folsäuremangel werden weniger neue rote Blutkörperchen gebildet, die vorhandenen Zellen sind im Schnitt älter und tragen mehr gebundenen Zucker. Der HbA1c fällt dann höher aus, als es dem Blutzucker entspricht. Wird der Mangel behandelt, entstehen viele junge Zellen und der Wert sinkt, auch ohne dass sich der Blutzucker ändert.

Wie rechnet man den HbA1c von Prozent in mmol/mol um?

Im Alltag helfen die Wertepaare aus den Leitlinien: 5,7 Prozent entsprechen 39 mmol/mol, 6,5 Prozent 48, 7,0 Prozent 53, 7,5 Prozent 58, 8,0 Prozent 64 und 8,5 Prozent 69 mmol/mol. Ein halber Prozentpunkt entspricht damit etwa 5 bis 6 mmol/mol.

Was kostet die Messung des HbA1c?

Der HbA1c wird nach GOÄ-Ziffer 3561 abgerechnet (200 Punkte): 11,66 Euro im einfachen Satz, 13,41 Euro beim üblichen Faktor 1,15. Bei Verdacht auf Diabetes und zur Verlaufskontrolle eines bekannten Diabetes zahlt die Krankenkasse. Zum Gesundheits-Check-up gehört der HbA1c nicht, als Wunschleistung ohne Anlass ist er eine Selbstzahlerleistung (IGeL).

Den Blutzucker im Moment der Blutabnahme behandelt der Artikel zur Glukose. Weil eine Blutarmut den HbA1c verfälscht, helfen die Artikel Hämoglobin zu niedrig und MCV, MCH und MCHC bei der Einordnung. Alle Werte stehen in der Blutwerte-Tabelle.

Quellen