Vitamin D im Blut: Grenzwerte, Mangel und Überdosierung
Der 25-OH-Vitamin-D-Wert zeigt die Vitamin-D-Versorgung. Grenzwerte nach DGE und RKI in nmol/l und ng/ml, Jahreszeit, Kassenleistung und GOÄ-Kosten.

TL;DR: Der Vitamin-D-Wert im Blut ist die Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin-D (25-OH-D), der Speicherform des Vitamins. Nach der Einteilung, die DGE, RKI und BfR verwenden, gilt die Versorgung ab 50 nmol/l (20 ng/ml) als ausreichend, zwischen 30 und 50 nmol/l (12 bis 20 ng/ml) als suboptimal und unter 30 nmol/l (12 ng/ml) als mangelhaft. Niedrige Werte entstehen vor allem durch wenig Sonne im Winterhalbjahr, höheres Alter, dunkle Haut, chronische Darm-, Leber- oder Nierenerkrankungen und einige Medikamente, sehr hohe Werte fast nur durch hochdosierte Präparate. Der Wert gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild und wird separat angefordert. Stand: 25. September 2026.
Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein, weil der Körper es selbst herstellen kann. Etwa 80 bis 90 Prozent der Versorgung stammen aus der Haut, die das Vitamin unter UVB-Strahlung bildet, der Rest kommt aus Lebensmitteln wie fettem Seefisch oder Pilzen. Die Leber wandelt es in 25-OH-D um, die Niere macht daraus bei Bedarf das aktive Hormon Calcitriol. Calcitriol steigert die Aufnahme von Calcium aus dem Darm und hält damit Knochen und Muskeln funktionsfähig. Das Labor misst die Vorstufe 25-OH-D, weil sie lange im Blut bleibt, keiner hormonellen Regelung unterliegt und deshalb zeigt, wie viel Vitamin D aus Haut und Nahrung ankommt. Calcitriol selbst bestimmt der Arzt nur bei speziellen Fragen, etwa bei angeborenen oder erworbenen Störungen des Vitamin-D-Stoffwechsels.
Ab 50 nmol/l gilt die Versorgung als ausreichend
Beim Vitamin D arbeiten DGE, RKI und BfR mit Bewertungsgrenzen, die das frühere Institute of Medicine der USA aus Studien zur Knochengesundheit abgeleitet hat. Die Labore geben den Wert in nmol/l oder in ng/ml an, 1 ng/ml entspricht 2,5 nmol/l.
| Einstufung | Bereich in nmol/l | Bereich in ng/ml |
|---|---|---|
| Mangel, Risiko für Osteomalazie und Rachitis | unter 30 | unter 12 |
| suboptimale Versorgung | 30 bis unter 50 | 12 bis unter 20 |
| ausreichende Versorgung | 50 und mehr | 20 und mehr |
| erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen | ab 125 | ab 50 |
Manche Labore setzen die untere Grenze höher an und werten schon Ergebnisse unter 75 nmol/l (30 ng/ml) als Unterversorgung. Ein Wert von 60 nmol/l kann deshalb auf dem Befund als zu niedrig markiert sein, obwohl er nach der Einteilung von DGE und BfR ausreicht. Maßgeblich bleiben der Referenz- oder Zielbereich, den das Labor auf demselben Befund abdruckt, und die Einordnung durch den Arzt.
Im Winter sinkt der Wert bei vielen Erwachsenen unter die Mangelgrenze
Die Haut bildet Vitamin D nur, wenn die Sonne hoch genug steht. In Deutschland ist das laut RKI etwa von März bis Oktober möglich. In dieser Zeit legt der Körper Reserven im Fett- und Muskelgewebe an, von denen er im Winterhalbjahr zehrt.
In der Studie DEGS1 des RKI mit knapp 7.000 Erwachsenen lagen in der ursprünglichen Auswertung 30,2 Prozent unter 30 nmol/l und nur 38,4 Prozent bei 50 nmol/l oder darüber. Nach einer späteren Standardisierung der Messwerte gegen eine Referenzmethode waren es 15,2 Prozent unter 30 nmol/l und 44,0 Prozent bei 50 nmol/l oder darüber. Stark schwankt der Wert mit der Jahreszeit: In der ursprünglichen Auswertung hatten im Sommer 8,3 Prozent einen Mangel, im Winter 52,0 Prozent. Der Arzt berücksichtigt deshalb, in welchem Monat das Blut entnommen wurde.
Wenig Sonne und chronische Erkrankungen senken den Wert
Ein niedriger Wert entsteht, wenn zu wenig Vitamin D gebildet oder aufgenommen wird oder wenn der Stoffwechsel des Vitamins gestört ist.
- Winterhalbjahr und seltener Aufenthalt im Freien, etwa bei Pflegebedürftigkeit oder eingeschränkter Mobilität
- Kleidung, die fast die gesamte Haut bedeckt, und konsequenter Sonnenschutz
- höheres Alter, weil die Haut weniger Vitamin D bildet
- dunkle Hautfarbe
- chronische Magen-Darm-, Leber- oder Nierenerkrankungen
- Medikamente, die den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinträchtigen, etwa bestimmte Antiepileptika oder Zytostatika
- Säuglingsalter, weil Muttermilch wenig Vitamin D enthält
Ein erhöhter Wert hat fast immer dieselbe Ursache: die Einnahme von Präparaten. Durch Sonnenlicht allein kommt es laut BfR zu keiner Überdosierung.
Überdosierung entsteht nur durch Präparate
Das BfR sieht ab etwa 125 nmol/l (50 ng/ml) ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen. Vor allem die langfristige Einnahme hochdosierter Präparate mit 100 Mikrogramm (4.000 IE) oder mehr pro Tag war in Studien mit Nachteilen verbunden, etwa einer stärkeren Abnahme der Knochendichte bei älteren Frauen, mehr Stürzen und einer schlechteren Herzfunktion bei Herzkranken.
Eine echte Vitamin-D-Vergiftung geht mit sehr hohen Werten einher, laut MSD Manual meist über 150 ng/ml (375 nmol/l). Das überschüssige Vitamin D treibt das Calcium im Blut nach oben. Typisch sind dann Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, starker Durst, viel Urin, Müdigkeit und Muskelschwäche. Hält die Hyperkalzämie länger an, drohen Nierensteine, eine Verkalkung der Nieren und ein bleibender Verlust der Nierenfunktion.
Der Arzt liest den Wert zusammen mit Calcium und Parathormon
Ob der Knochenstoffwechsel tatsächlich leidet, zeigt erst das Muster mehrerer Laborwerte.
| Kombination | häufige Richtung der Abklärung |
|---|---|
| 25-OH-D niedrig, Calcium und Parathormon normal | meist Jahreszeit oder Lebensweise, Einordnung nach Risikofaktoren |
| 25-OH-D niedrig, Parathormon erhöht | sekundärer Hyperparathyreoidismus, die Nebenschilddrüsen gleichen den Mangel aus |
| 25-OH-D niedrig, Phosphat niedrig, alkalische Phosphatase erhöht | Verdacht auf Osteomalazie, weitere Knochendiagnostik |
| 25-OH-D sehr hoch, Calcium erhöht | Vitamin-D-Vergiftung, Prüfung aller eingenommenen Präparate |
| 25-OH-D normal, Calcium erhöht | andere Ursache wie Nebenschilddrüse, Tumor oder Sarkoidose |
Bei einem erhöhten Calcium mit unauffälligem 25-OH-D misst der Arzt unter Umständen auch Calcitriol. Es kann bei Sarkoidose, Tuberkulose oder Lymphomen erhöht sein, weil dort Gewebe außerhalb der Niere das aktive Hormon bildet.
Jahreszeit, Präparate und Messmethode verschieben den Wert
Neben der Jahreszeit hebt jede Einnahme von Vitamin-D-Präparaten den Wert an, auch angereicherte Lebensmittel tragen bei. Die Messmethode spielt ebenfalls eine Rolle: Laut BfR unterscheiden sich die Ergebnisse zwischen Tests und Laboren. Die meisten automatisierten Immunoassays erfassen Vitamin D2 schlechter als Vitamin D3. Wer überwiegend D2-haltige Produkte verwendet, was bei pflanzlicher Ernährung vorkommt, erhält dadurch womöglich einen zu niedrigen Wert. Verlaufswerte lassen sich am ehesten vergleichen, wenn sie aus demselben Labor stammen.
Die Kasse zahlt den Test bei begründetem Verdacht
Die DGE rät, die Vitamin-D-Versorgung nur bei begründetem Verdacht auf einen Mangel oder bei Risikopersonen zu messen. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Bestimmung, wenn ein medizinischer Anlass besteht, den der Arzt dokumentiert. Typische Anlässe sind Knochenerkrankungen wie Osteoporose oder Osteomalazie, Störungen des Calciumhaushalts, chronische Darm- oder Nierenerkrankungen und Medikamente, die den Vitamin-D-Stoffwechsel stören. Eine Messung ohne solchen Anlass, etwa als Vorsorge bei beschwerdefreien Erwachsenen, ist eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und wird selbst bezahlt.
Starke Abweichungen gehören zeitnah zum Arzt
Ein Wert im suboptimalen Bereich ohne Beschwerden ist vor allem im Winter häufig und wird beim nächsten Termin besprochen. Ein Wert unter 30 nmol/l gehört ärztlich eingeordnet, besonders bei Knochen- oder Muskelschmerzen, Muskelschwäche oder Knochenbrüchen nach geringem Anlass. Der Arzt prüft dann meist Calcium, Phosphat, alkalische Phosphatase und Parathormon und legt eine Behandlung fest. Ein sehr hoher Wert unter Präparaten wird ebenfalls zeitnah besprochen, am besten mit allen Packungen im Gepäck.
Ein Notfall liegt vor, wenn nach der Einnahme hochdosierter Präparate Verwirrtheit, anhaltendes Erbrechen, starker Durst mit sehr viel Urin, Herzrhythmusstörungen oder ausgeprägte Schwäche auftreten. Dann gehört die Person noch am selben Tag in eine Notaufnahme, weil eine schwere Hyperkalzämie lebensbedrohlich werden kann.
Ein Mangel zeigt sich an Knochen und Muskeln
Ein Wert zwischen 30 und 50 nmol/l bedeutet laut BfR ein erhöhtes Risiko einer suboptimalen Versorgung, heißt aber nicht, dass die betreffende Person tatsächlich unterversorgt ist. Ein länger bestehender echter Mangel kann bei Erwachsenen zu einer Osteomalazie führen, einer Knochenerweichung. Sie äußert sich durch Muskel- und Gliederschmerzen, Muskelschwäche und eine erhöhte Neigung zu Knochenbrüchen, bei älteren Menschen etwa zu Hüftbrüchen nach leichten Stürzen. Bei Kindern verursacht der Mangel eine Rachitis mit weichen Schädelknochen, verzögerter motorischer Entwicklung und Verformungen wie O- oder X-Beinen.
Häufige Fragen zu Vitamin D im Blut
Gehört Vitamin D zum großen Blutbild?
Nein, das große Blutbild umfasst nur die Blutzellen, also rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen und die zugehörigen Kennwerte. Der 25-OH-D-Wert ist ein eigener Laborwert, den der Arzt gezielt anfordert. Für die Messung genügt eine Serumprobe aus derselben Blutentnahme.
Was kostet die Messung von Vitamin D?
Die Bestimmung von 25-OH-D steht in der GOÄ unter Ziffer 4138 mit 480 Punkten, das sind 27,98 Euro im einfachen und 32,17 Euro im 1,15-fachen Satz. Manche Labore verlangen von Selbstzahlern 18,65 Euro, das sind zwei Drittel der einfachen Gebühr, die die GOÄ bei einer Einfach- statt der vorgeschriebenen Doppelbestimmung erlaubt. Bei begründetem Verdacht auf einen Mangel oder einer passenden Erkrankung zahlt die gesetzliche Kasse, als Vorsorge ohne Anlass ist der Test eine IGeL. Blutentnahme und ärztliche Beratung werden gesondert abgerechnet.
Wie werden ng/ml in nmol/l umgerechnet?
Der Wert in ng/ml wird mit 2,5 multipliziert, um nmol/l zu erhalten, umgekehrt wird durch 2,5 geteilt. 20 ng/ml entsprechen also 50 nmol/l, 12 ng/ml entsprechen 30 nmol/l.
Warum ist der Vitamin-D-Wert im Winter niedriger?
Im Winterhalbjahr reicht die UVB-Strahlung in Deutschland nicht aus, damit die Haut nennenswert Vitamin D bildet. Der Körper greift dann auf die Reserven aus dem Sommer zurück, die nach und nach schrumpfen. In der RKI-Studie DEGS1 hatten nach der ursprünglichen Auswertung im Winter 52,0 Prozent der Erwachsenen einen Mangel, im Sommer 8,3 Prozent.
Ab welchem Wert ist Vitamin D zu hoch?
Ab etwa 125 nmol/l (50 ng/ml) sieht das BfR ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen. Eine Vergiftung mit erhöhtem Calcium tritt meist erst bei Werten über 150 ng/ml (375 nmol/l) auf. Solche Werte entstehen durch hochdosierte Präparate, durch Sonnenlicht allein kommt es nicht dazu.
Wie Vitamin D und Calcium zusammenwirken, erklärt der Artikel zum Calciumwert im Blut. Ein weiterer häufig gemessener Vitaminwert ist Vitamin B12, alle Blutwerte im Überblick stehen in der Blutwerte-Tabelle.
Quellen
- DGE: FAQ Vitamin D
- BfR: Vitamin D, Sonne und Bewegung fördern eine gute Versorgung (FAQ vom 30. Dezember 2025)
- BfR: Hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D können langfristig die Gesundheit beeinträchtigen (Stellungnahme 065/2023)
- RKI, Journal of Health Monitoring: Vitamin-D-Status in Deutschland
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Vitamin-D-Intoxikation
- Bundesministerium der Justiz: Gebührenordnung für Ärzte, Anlage (Abschnitt M)