Folsäure im Blut: Normwerte und was ein Mangel bedeutet

Folsäure wird im Serum oder in den roten Blutkörperchen gemessen. Grenzwerte, Ursachen eines Mangels, der Bezug zum MCV und die Kosten nach GOÄ.

Viele Blutröhrchen mit violetten Verschlusskappen dicht nebeneinander in einem Ständer
Blutröhrchen im Laborständer, Symbolbild. Foto: manduretorre / Pixabay.

TL;DR: Die Folsäure, genauer das Folat, wird meist im Serum gemessen, seltener in den roten Blutkörperchen. Labore geben für das Serum zum Beispiel Werte über 8,8 nmol/l (etwa 3,9 ng/ml) als unauffällig an, Werte unter etwa 7 nmol/l (3 ng/ml) sprechen laut MSD Manual für einen Mangel. Häufige Ursachen eines Mangels sind einseitige Ernährung, Alkohol, der Mehrbedarf in Schwangerschaft und Stillzeit, Darmerkrankungen und Medikamente wie Methotrexat oder bestimmte Antiepileptika, hohe Werte stammen fast immer von Präparaten. Ein Mangel vergrößert die roten Blutkörperchen, das MCV im großen Blutbild steigt. Die Folsäure selbst gehört nicht zum Blutbild und wird separat angefordert. Stand: 25. September 2026.

Folat ist ein B-Vitamin, das in mehreren chemischen Formen natürlich in Lebensmitteln vorkommt, vor allem in grünem Gemüse. Folsäure heißt streng genommen nur die synthetische Form in Präparaten und angereicherten Lebensmitteln, auf Laborbefunden steht der Begriff aber meist für beides. Der Körper braucht Folat für die Bildung der Erbsubstanz und damit für jede Zellteilung. Besonders viel verbraucht das Knochenmark, das täglich Milliarden neuer Blutzellen herstellt. Die Leber speichert Folat nur für wenige Monate. Ein Mangel entsteht deshalb deutlich schneller als bei Vitamin B12, dessen Vorräte mehrere Jahre reichen.

Das Serumfolat reagiert schnell, das Erythrozytenfolat zeigt die Speicher

Die Folsäure im Serum spiegelt die Versorgung gut wider, solange sich die Zufuhr in letzter Zeit nicht verändert hat. Wer kurz vor der Blutentnahme mehr gegessen oder ein Präparat genommen hat, erhält einen höheren Wert, obwohl die Speicher noch leer sein können. Das Folat in den roten Blutkörperchen, das Erythrozytenfolat, entspricht besser dem Gehalt im Gewebe und wird bei solchen Fragen zusätzlich bestimmt.

Angabe Bereich Einheit
Folsäure im Serum, unauffällig über etwa 8,8 nmol/l
Folsäure im Serum, unauffällig über etwa 3,9 ng/ml
Folsäure im Serum, Mangel wahrscheinlich unter etwa 7 nmol/l
Folsäure im Serum, Mangel wahrscheinlich unter etwa 3 ng/ml
Folsäure in Erythrozyten, unzureichende Versorgung unter etwa 305 nmol/l
Folsäure in Erythrozyten, unzureichende Versorgung unter etwa 140 ng/ml

1 ng/ml entspricht etwa 2,27 nmol/l. Eine obere Grenze geben viele Labore nicht an, weil erhöhte Werte keinen Krankheitswert haben. Zwischen der unteren Grenze und einem sicheren Mangel liegt ein Graubereich: Das Uniklinikum Ulm schätzt, dass die Grenze zum Mangel oberhalb von 4 nmol/l liegt, wahrscheinlich eher über 10 nmol/l. Es gilt immer der Referenzbereich, den das eigene Labor auf den Befund druckt.

Ernährung, Alkohol und Medikamente senken den Wert

Ein niedriger Wert entsteht, wenn zu wenig Folat aufgenommen wird, der Bedarf steigt oder Medikamente den Stoffwechsel stören.

  • einseitige Ernährung mit wenig Gemüse, häufig bei älteren Menschen und bei Menschen mit Alkohol- oder Drogenabhängigkeit
  • chronischer Alkoholkonsum, weil Alkohol Aufnahme, Verwertung und Ausscheidung von Folat stört
  • Schwangerschaft und Stillzeit mit deutlich erhöhtem Bedarf
  • Darmerkrankungen mit gestörter Aufnahme, etwa Zöliakie
  • Dialyse bei Nierenversagen
  • Medikamente wie Methotrexat, Trimethoprim, Triamteren, Metformin, 5-Fluorouracil und die Antiepileptika Phenytoin und Phenobarbital

Hohe Werte entstehen fast immer durch Folsäurepräparate oder angereicherte Lebensmittel. Eine Vergiftung durch Folsäure ist nicht beschrieben.

Methotrexat bremst den Folatstoffwechsel gezielt

Methotrexat wird in niedriger Dosis bei Rheuma und Schuppenflechte eingesetzt, in hoher Dosis bei Krebserkrankungen. Es wirkt, indem es den Folatstoffwechsel hemmt, und gehört damit zu den Folsäure-Gegenspielern. Zugleich stört es die Messung: Methotrexat und das Gegenmittel Leucovorin reagieren im Test teilweise mit und verfälschen das Ergebnis. Ein Folsäurewert unter dieser Behandlung ist deshalb schwer zu deuten, der behandelnde Arzt ordnet ihn im Zusammenhang mit der Therapie ein.

Ein Folsäuremangel vergrößert die roten Blutkörperchen

Fehlt Folat, kann das Knochenmark die Erbsubstanz der Vorläuferzellen nicht schnell genug verdoppeln. Die Zellen wachsen, teilen sich aber zu selten, es entstehen übergroße Vorstufen, die Megaloblasten. Im Blutbild zeigt sich das als erhöhtes MCV, bei einer megaloblastären Anämie meist über 100 Femtoliter, oft zusammen mit übersegmentierten Neutrophilen. Ein Vitamin-B12-Mangel erzeugt genau dasselbe Bild. Deshalb bestimmt der Arzt bei großen roten Blutkörperchen beide Vitamine zusammen.

Kombination häufige Richtung der Abklärung
MCV erhöht, Folsäure niedrig, B12 normal Folsäuremangel, Fragen nach Ernährung, Alkohol und Medikamenten
MCV erhöht, B12 niedrig B12-Mangel, Abklärung vor jeder Folsäuregabe
MCV etwa 100 bis 105 Femtoliter, Folsäure normal häufig chronischer Alkoholkonsum ohne Folsäuremangel
Folsäure niedrig, Homocystein erhöht, Methylmalonsäure normal Folsäuremangel, B12-Mangel unwahrscheinlich

Die Methylmalonsäure hilft bei der Unterscheidung: Sie steigt bei einem B12-Mangel, bleibt bei einem reinen Folsäuremangel aber normal.

In der Schwangerschaft zählen die ersten Wochen

Eine unzureichende Folatversorgung in den ersten vier Wochen der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Neuralrohrdefekte wie den offenen Rücken (Spina bifida). In dieser Zeit wissen viele Frauen noch nicht, dass sie schwanger sind. Die DGE empfiehlt Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, deshalb zusätzlich zur Ernährung ein Folsäurepräparat, beginnend mindestens vier Wochen vor der Empfängnis und fortgeführt bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels. Die Versorgung in der Bevölkerung ist knapp: Laut Nationaler Verzehrsstudie nehmen Frauen im Mittel 184 Mikrogramm Folat-Äquivalent pro Tag auf, Männer 207 Mikrogramm, beide Werte liegen unter dem Referenzwert von 300 Mikrogramm.

Präparate, Hämolyse und Biotin verfälschen den Wert

Weil das Serumfolat schnell auf die Zufuhr reagiert, hebt schon eine kurz zuvor eingenommene Folsäuretablette den Wert an. Zerfallen bei der Blutentnahme rote Blutkörperchen, eine sogenannte Hämolyse, gelangt ihr Folat ins Serum und täuscht einen höheren Wert vor. Hochdosiertes Biotin kann manche Immuntests stören, bei mehr als 5 mg pro Tag empfiehlt das Uniklinikum Ulm einen Abstand von mindestens acht Stunden zwischen letzter Einnahme und Blutentnahme.

Vor einer Folsäuregabe wird ein B12-Mangel ausgeschlossen

Ein leicht erniedrigter Wert ohne Blutbildveränderung wird meist nach Klärung von Ernährung und Medikamenten kontrolliert. Ein niedriger Wert mit erhöhtem MCV oder Blutarmut gehört ärztlich abgeklärt, einschließlich der Frage nach einer Darmerkrankung. Die Reihenfolge zählt: Bei einer megaloblastären Anämie muss der Arzt einen B12-Mangel ausschließen, bevor er Folsäure gibt. Folsäure kann die Blutarmut bessern, während ein unerkannter B12-Mangel die Nerven weiter schädigt. Ein Notfall liegt vor bei Atemnot in Ruhe, Brustschmerz, Herzrasen oder Ohnmacht, weil dann eine ausgeprägte Blutarmut möglich ist.

Die Beschwerden stammen von der Blutarmut und den Schleimhäuten

Ein Folsäuremangel macht sich oft erst durch die Blutarmut bemerkbar: Müdigkeit, Blässe, Leistungsschwäche und Atemnot bei Belastung. Hinzu kommen laut MSD Manual eine entzündete, gerötete Zunge, Durchfall, depressive Verstimmung und Verwirrtheit. Viele dieser Zeichen sind unspezifisch und passen auch zu anderen Ursachen, weshalb erst die Laborwerte die Richtung weisen.

Häufige Fragen zur Folsäure im Blut

Gehört Folsäure zum großen Blutbild?

Nein, die Folsäure ist ein eigener Laborwert, den der Arzt gezielt anfordert. Das große Blutbild liefert aber einen Hinweis, wenn das MCV erhöht ist. Die Messung erfolgt aus einer Serumprobe derselben Blutentnahme, für das Erythrozytenfolat braucht das Labor zusätzlich Vollblut.

Was kostet die Messung von Folsäure?

Die Folsäure wird nach GOÄ-Ziffer 4140 abgerechnet, die laut Wortlaut für Folsäure und/oder Vitamin B12 gilt: 250 Punkte, also 14,57 Euro im einfachen und 16,76 Euro im 1,15-fachen Satz. Werden beide Vitamine zusammen bestimmt, spricht der Wortlaut für eine einmalige Berechnung, in Laborpreislisten steht die Ziffer dann aber oft für jedes Vitamin einzeln. Bei medizinischem Anlass wie einer Blutarmut mit großen Zellen zahlt die gesetzliche Kasse, als Wunschleistung ohne Anlass ist die Messung eine IGeL. Blutentnahme und Beratung kommen gesondert hinzu.

Warum misst der Arzt Folsäure und Vitamin B12 meist zusammen?

Beide Mangelzustände erzeugen dasselbe Blutbild mit vergrößerten roten Blutkörperchen. Nur die gemeinsame Messung zeigt, welches Vitamin fehlt. Eine alleinige Folsäuregabe bei unerkanntem B12-Mangel könnte die Blutarmut bessern und die Nervenschäden verdecken.

Ist ein hoher Folsäurewert gefährlich?

Ein hoher Messwert hat keinen Krankheitswert und entsteht meist durch Präparate oder angereicherte Lebensmittel. Eine Vergiftung ist nicht beschrieben. Für synthetische Folsäure aus Präparaten und angereicherten Lebensmitteln hat die EFSA dennoch eine Obergrenze der täglichen Zufuhr festgelegt.

Wann ist das Erythrozytenfolat aussagekräftiger?

Das Erythrozytenfolat hilft, wenn sich die Zufuhr kurz vor der Messung verändert hat, etwa durch eine Ernährungsumstellung oder ein neu begonnenes Präparat. Das Serumfolat steigt dann rasch, obwohl die Speicher noch nicht aufgefüllt sind. Der Wert in den roten Blutkörperchen entspricht besser dem Gehalt im Gewebe.

Wie der Arzt vergrößerte rote Blutkörperchen einordnet, erklärt der Artikel zu MCV, MCH und MCHC. Den zweiten Vitaminwert hinter diesem Blutbild beschreibt der Beitrag zu Vitamin B12, alle Werte im Überblick stehen in der Blutwerte-Tabelle.

Quellen