GOT (AST): Normwerte und was erhöhte Werte bedeuten

Die GOT (AST) ist ein Enzym aus Leber, Herz und Muskeln. Normwerte für Frauen und Männer, Ursachen erhöhter Werte, De-Ritis-Quotient und Kosten.

Hände in blauen Handschuhen halten ein Gestell mit Blutröhrchen mit violetten Verschlüssen
Blutproben im Labor, Symbolbild. Foto: AhmadArdity / Pixabay.

TL;DR: Die GOT, auch AST oder ASAT genannt, ist ein Enzym aus Leberzellen, Herzmuskel und Skelettmuskulatur, das bei Zellschäden ins Blut übertritt. Bei der heute üblichen Messung bei 37 °C liegt sie bei Männern bis etwa 50 U/l, bei Frauen bis etwa 35 U/l. Erhöhte Werte kommen am häufigsten von Fettleber, Alkohol, Virushepatitis und Medikamenten, außerdem von Muskelschäden nach hartem Training, einem Herzinfarkt oder einer Hämolyse in der Blutprobe. Die GOT gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild, der Arzt fordert sie separat an, meist zusammen mit GPT und Gamma-GT. Stand: 25. September 2026.

GOT steht für Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, international heißt das Enzym Aspartat-Aminotransferase (AST oder ASAT). Es überträgt im Eiweißstoffwechsel Aminogruppen von einem Molekül auf ein anderes. Die größten Mengen stecken in Leber, Herzmuskel und Skelettmuskulatur, kleinere in Nieren, Gehirn, Bauchspeicheldrüse und roten Blutkörperchen. In den Zellen liegen etwa 20 Prozent der GOT gelöst im Zellplasma, rund 80 Prozent sind an die Mitochondrien gebunden, die Kraftwerke der Zelle. Bei einer leichten Schädigung tritt zuerst der gelöste Anteil ins Blut über, bei einer schweren Schädigung auch der mitochondriale. Im Blut hat die GOT eine Halbwertszeit von etwa 17 Stunden.

Männer haben üblich eine GOT bis 50 U/l, Frauen bis 35 U/l

Deutsche Labore messen die GOT seit dem 1. April 2003 nach dem Standard der IFCC bei 37 °C. Vorher wurde bei 25 °C gemessen, die Obergrenze für Männer lag damals bei etwa 19 U/l. Tabellen mit solchen Werten kursieren noch im Internet und lassen sich mit heutigen Befunden nicht vergleichen.

Angabe üblicher Bereich Einheit
Männer bis etwa 50 U/l
Frauen bis etwa 35 U/l
Kinder im ersten Lebensjahr bis etwa 90 U/l
Kinder und Jugendliche von 1 bis 17 Jahren je nach Alter bis etwa 40 bis 70 U/l
De-Ritis-Quotient (GOT geteilt durch GPT) etwa 0,6 bis 0,8 ohne Einheit

Maßgeblich ist immer der Referenzbereich, den das eigene Labor auf dem Befund abdruckt. Die GOT schwankt außerdem: Nach Angaben der Deutschen Leberhilfe kann sie innerhalb eines Tages um 10 bis 15 Prozent steigen oder fallen. Ein Wert knapp über der Grenze ist deshalb für sich allein wenig aussagekräftig.

Die meisten Erhöhungen stammen aus der Leber, ein Teil aus Muskeln und Herz

Die GOT steigt, wenn Zellen, die das Enzym enthalten, geschädigt werden oder zugrunde gehen. Weil sie in mehreren Organen vorkommt, weist sie weniger gezielt auf die Leber hin als die GPT.

  • nicht alkoholbedingte Fettleber, heute als MASLD bezeichnet (metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung, früher NAFLD), meist mit Werten unter 300 U/l
  • Alkohol: Bei alkoholbedingten Leberschäden bleibt die GOT meist unter 300 U/l, liegt aber oft mehr als doppelt so hoch wie die GPT
  • akute Virushepatitis mit Werten von 400 bis über 1.000 U/l, oft schon bevor eine Gelbsucht auftritt
  • chronische Hepatitis B oder C, Autoimmunhepatitis und Leberzirrhose
  • Medikamente, pflanzliche Präparate, Tees und Nahrungsergänzungsmittel
  • Gallenstau und Entzündungen der Gallenwege
  • Herzinfarkt mit einem Anstieg auf etwa 100 bis 200 U/l, am höchsten 16 bis 48 Stunden nach dem Ereignis
  • Rechtsherzschwäche mit Blutstau in der Leber, dabei teils über 1.000 U/l
  • Muskelerkrankungen, Muskelverletzungen und schwere körperliche Arbeit
  • Hämolyse, also der Zerfall roter Blutkörperchen im Körper oder in der Blutprobe

Zur Diagnose eines Herzinfarkts misst die Klinik heute Troponin, die GOT wird dafür nicht mehr genutzt. Werte über dem Hundertfachen der Obergrenze kommen bei akuten Ereignissen vor: einer schweren Virushepatitis, einer Vergiftung mit Paracetamol oder Knollenblätterpilzen oder einem Kreislaufversagen, das die Leber nicht mehr ausreichend durchblutet. Ein zu niedriger GOT-Wert hat keine Krankheitsbedeutung. Unter dem Antibiotikum Metronidazol misst das Labor mitunter falsch niedrige Werte.

Der De-Ritis-Quotient zeigt, welche Transaminase stärker steigt

Der De-Ritis-Quotient teilt die GOT durch die GPT. Beim Gesunden liegt er bei etwa 0,6 bis 0,8. Bei den meisten Lebererkrankungen, etwa bei Fettleber oder Virushepatitis, steigt die GPT stärker als die GOT, der Quotient bleibt unter 1. Nach der Fachinformation des LADR-Laborverbunds deutet ein Wert unter 0,7 eher auf eine Entzündung, ein Wert über 1 eher auf einen ausgeprägteren Schaden mit untergehenden Leberzellen. Liegt der Quotient über 2 und ist zugleich die Gamma-GT erhöht, spricht das für einen alkoholbedingten Leberschaden oder eine fortgeschrittene Vernarbung der Leber (Fibrose).

Der Quotient hat Grenzen. Liegen GOT und GPT im Normbereich, sagt ein auffälliger Quotient nichts aus. Die GPT hat mit etwa 47 Stunden eine fast dreimal so lange Halbwertszeit wie die GOT, deshalb verschiebt sich das Verhältnis, wenn eine Erhöhung abklingt. Muskelschäden treiben den Quotienten ebenfalls nach oben, ohne dass die Leber betroffen ist.

Kombination häufige Richtung der Abklärung
GOT und GPT leicht erhöht, GPT höher als GOT Fettleber, Virushepatitis, Medikamente
GOT mehr als doppelt so hoch wie GPT, Gamma-GT erhöht Alkohol, fortgeschrittener Leberschaden
GOT erhöht, CK stark erhöht, Gamma-GT normal Muskel als Quelle, etwa nach Training oder bei Muskelerkrankung
GOT erhöht, LDH und Bilirubin erhöht, Hämoglobin niedrig Zerfall roter Blutkörperchen, Blutbild und Retikulozyten
GOT und GPT über 1.000 U/l akute Leberzellschädigung, Abklärung am selben Tag

Training, Hämolyse und Makro-GOT verfälschen den Befund

Hartes Training hebt die GOT an, weil Muskelzellen das Enzym freisetzen. Nach ungewohntem Krafttraining blieben GOT und GPT in einer Studie mindestens eine Woche erhöht, während die Gamma-GT normal blieb. Wer vor einer Blutentnahme intensiv trainiert hat, sagt das dem Arzt, der dann die CK mitbestimmt.

Rote Blutkörperchen enthalten etwa 40-mal mehr GOT als das Blutserum. Platzen sie bei einer schwierigen Blutentnahme oder weil die Probe zu lange liegt, bevor sie zentrifugiert wird, steigt der gemessene Wert, ohne dass Leber oder Muskeln betroffen sind. Eine Hämolyse vermerkt das Labor auf dem Befund, der Arzt wiederholt die Messung dann.

Selten bindet sich die GOT im Blut an Antikörper und bildet große Komplexe, die der Körper langsamer abbaut. Diese Makro-GOT hält den Wert über Jahre erhöht, ohne dass eine Krankheit dahintersteckt. Bei dauerhaft allein erhöhter GOT ohne erkennbare Ursache weist ein Speziallabor sie nach.

Ein erstmals leicht erhöhter Wert wird kontrolliert, ein stark oder dauerhaft erhöhter abgeklärt

Liegt die GOT erstmals leicht erhöht und gibt es keine Warnzeichen, kontrolliert der Arzt sie meist nach einigen Wochen bis drei Monaten. Laut MSD Manual normalisiert sich etwa ein Drittel solcher leichten Erhöhungen von selbst. Eine gezielte Suche nach der Ursache empfiehlt der LADR-Laborverbund, wenn die Erhöhung länger als sechs Monate besteht, der Wert über dem Dreifachen der Obergrenze liegt oder Beschwerden bestehen. Der Arzt fragt dann nach Alkohol, Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln und Training, untersucht die Leber per Ultraschall und lässt unter anderem Hepatitis B und C, die Eisenwerte und die CK bestimmen.

Sofort ärztlich gesehen werden muss, notfalls in der Notaufnahme, wer eines dieser Warnzeichen hat:

  • Gelbsucht mit Fieber und Schmerzen im rechten Oberbauch
  • Gelbsucht zusammen mit Verwirrtheit oder starker Schläfrigkeit
  • Erbrechen von Blut oder ein rasch anschwellender Bauch
  • Brustschmerz mit Atemnot, Übelkeit oder kaltem Schweiß
  • Verdacht auf eine Pilzvergiftung oder eine Überdosis Paracetamol

Die GOT selbst macht keine Beschwerden

Ein erhöhter Wert verursacht keine Symptome. Viele Lebererkrankungen bleiben lange unbemerkt, weil die Leber selbst keinen Schmerz meldet. Beschwerden kommen von der Ursache: Müdigkeit und Druck im rechten Oberbauch bei einer Fettleber, Appetitlosigkeit, dunkler Urin und Gelbsucht bei einer akuten Hepatitis, Muskelschmerzen oder Muskelschwäche bei einer Muskelursache, Brustschmerz bei einem Herzinfarkt.

Häufige Fragen zur GOT

Gehört die GOT zum großen Blutbild?

Nein, die GOT ist ein Wert der klinischen Chemie und gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild. Der Arzt kreuzt sie auf dem Laborauftrag gesondert an, meist zusammen mit GPT und Gamma-GT. Das Labor misst sie aus einem Serumröhrchen, das bei derselben Blutentnahme gefüllt werden kann.

Ist eine erhöhte GOT bei normaler GPT ein Grund zur Sorge?

Eine allein erhöhte GOT spricht häufig für eine Quelle außerhalb der Leber, etwa Muskeln nach hartem Training, eine Muskelverletzung oder eine Hämolyse in der Probe. Auch Alkohol hebt die GOT stärker an als die GPT. Der Arzt bestimmt dann meist CK und Gamma-GT und wiederholt die Messung nach mindestens einer Woche ohne hartes Training.

Was bedeutet ein De-Ritis-Quotient über 1?

Ein Quotient über 1 bedeutet, dass die GOT höher liegt als die GPT. Bei erhöhten Leberwerten spricht das eher für einen ausgeprägteren Leberschaden, ein Quotient über 2 mit erhöhter Gamma-GT für einen alkoholbedingten Schaden oder eine fortgeschrittene Vernarbung der Leber. Muskelschäden und ein Herzinfarkt erhöhen den Quotienten ebenfalls, bei normalen Werten hat er keine Aussagekraft.

Wie schnell sinkt eine erhöhte GOT wieder?

Die GOT hat im Blut eine Halbwertszeit von etwa 17 Stunden. Fällt die Ursache weg, sinkt der Wert deshalb innerhalb weniger Tage deutlich. Bei einer fortbestehenden Ursache wie einer Fettleber oder regelmäßigem Alkoholkonsum bleibt er dagegen erhöht.

Was kostet die Messung der GOT?

Die GOT wird nach Ziffer 3594.H1 der GOÄ mit 40 Punkten abgerechnet. Das ergibt 2,33 Euro im einfachen Satz und 2,68 Euro beim im Labor üblichen Faktor 1,15. Bei medizinischem Anlass zahlt die gesetzliche Krankenkasse, als Wunschleistung ohne Anlass ist die Messung eine Selbstzahlerleistung (IGeL). Blutentnahme und ärztliche Beratung werden separat abgerechnet.

Die GOT wird fast immer zusammen mit der GPT (ALT) und der Gamma-GT bestimmt, bei Verdacht auf eine Muskelursache mit der CK. Einen Überblick über alle gängigen Laborwerte gibt die Blutwerte-Tabelle.

Quellen