Alkalische Phosphatase: Normwerte, Leber und Knochen

Die alkalische Phosphatase (AP) stammt vor allem aus Leber, Gallenwegen und Knochen. Normwerte für Erwachsene und Kinder, Ursachen und GOÄ-Kosten.

Röntgenaufnahme beider Kniegelenke mit Oberschenkelknochen und Schienbein
Röntgenbild der Kniegelenke, Symbolbild. Foto: Taokinesis / Pixabay.

TL;DR: Die alkalische Phosphatase (AP) ist eine Gruppe von Enzymen, die im Blut vor allem aus Leber und Gallenwegen sowie aus den Knochen stammt. Bei Erwachsenen liegt sie üblich bei etwa 40 bis 130 U/l für Männer und 35 bis 105 U/l für Frauen, bei Kindern im Wachstum und bei Schwangeren im letzten Drittel deutlich höher. Erhöhte Werte entstehen vor allem durch einen Gallenstau oder einen verstärkten Knochenumbau, etwa bei Vitamin-D-Mangel, heilenden Knochenbrüchen oder Knochenmetastasen. Die AP gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild, der Arzt fordert sie separat an. Stand: 25. September 2026.

Alkalische Phosphatasen spalten Phosphatgruppen von Molekülen ab. Es gibt mehrere Formen, sogenannte Isoenzyme: eine Knochen-AP, eine Dünndarm-AP, eine Plazenta-AP und eine gewebeunspezifische Form, die in Leber, Niere und Knochen vorkommt. In der Leber sitzt die AP vor allem an den Gallengängen, deshalb steigt sie, wenn der Gallenfluss gestört ist. Im Knochen bilden sie die Zellen, die neue Knochensubstanz aufbauen. Wo Knochen wächst oder umgebaut wird, steigt die AP im Blut. Das Labor misst in der Routine die Summe aller Formen, ihre Halbwertszeit im Blut beträgt etwa drei bis sieben Tage.

Erwachsene haben üblich eine AP zwischen 35 und 130 U/l

Die Bereiche hängen stark von Alter und Geschlecht ab. Sie gelten für die heute übliche Messung nach IFCC-Standard bei 37 °C.

Angabe üblicher Bereich Einheit
Männer etwa 40 bis 130 U/l
Frauen bis 49 Jahre etwa 35 bis 105 U/l
Frauen ab 50 Jahren etwa 40 bis 130 U/l
Kinder von 1 bis 9 Jahren etwa 145 bis 420 U/l
Mädchen von 9 bis 13 und Jungen von 9 bis 15 Jahren Obergrenze etwa 420 bis 560 U/l
Schwangere am Termin bis etwa das Zwei- bis Dreifache des Normalwerts U/l

Einige Labore setzen für alle Erwachsenen einen gemeinsamen Bereich von etwa 38 bis 126 U/l an. Tabellen aus der Zeit vor April 2003 nennen deutlich höhere Grenzen, für Männer etwa 70 bis 175 U/l, weil die Labore damals eine andere Methode verwendeten. Maßgeblich ist der Referenzbereich auf dem eigenen Befund, bei Kindern immer der für die passende Altersgruppe.

Wachstum und Schwangerschaft erhöhen die AP ohne Krankheit

Bei Kindern und Jugendlichen liegt die AP wegen des Knochenwachstums um ein Mehrfaches über dem Wert Erwachsener. Die höchsten Werte zeigen sich in den Wachstumsschüben der Pubertät: Nach der Referenztabelle von SYNLAB liegen sie bei Mädchen zwischen 9 und 13 Jahren am höchsten, bei Jungen zwischen 11 und 15 Jahren. Danach sinkt die AP und erreicht bis zum Alter von etwa 19 Jahren das Niveau Erwachsener.

In der Schwangerschaft bildet die Plazenta eine eigene AP, die ab dem zweiten Trimester im Blut nachweisbar ist. Laut MSD Manual steigt die AP im dritten Trimester kontinuierlich an und kann am Termin das Zwei- bis Dreifache des Normalwerts erreichen, während die übrigen Leberwerte normal bleiben. Anders ist es bei starkem Juckreiz am ganzen Körper im zweiten oder dritten Trimester: Er kann auf eine Schwangerschaftscholestase hinweisen, einen Gallestau in der Leber. Weil die AP in der Schwangerschaft ohnehin steigt, stützt sich der Arzt dann auf weitere Werte wie die Gallensäuren.

Ein Gallenstau oder ein verstärkter Knochenumbau steckt hinter den meisten Erhöhungen

Aus Leber und Gallenwegen:

  • Gallenstau durch Gallensteine oder Tumoren; laut MSD Manual steigt die AP ein bis zwei Tage nach Beginn eines Verschlusses auf das Vierfache der Norm oder mehr
  • chronische Gallenwegsentzündungen wie die primär biliäre Cholangitis (PBC) und die primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
  • Lebermetastasen, Leberzirrhose und Virushepatitis
  • Medikamente, darunter Antiepileptika, das Schilddrüsenmittel Thiamazol, Chlorpromazin sowie Östrogene und Gestagene
  • Sarkoidose und Pfeiffersches Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus)

Aus dem Knochen:

  • Vitamin-D-Mangel mit Rachitis bei Kindern oder Knochenerweichung (Osteomalazie) bei Erwachsenen
  • heilende Knochenbrüche
  • Morbus Paget, eine Erkrankung mit überstürztem Knochenumbau
  • Knochenmetastasen von Tumoren
  • Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus)

Die Gamma-GT verrät, ob die AP aus Leber oder Knochen kommt

Die Gamma-GT kommt in den Gallenwegen vor, im Knochen dagegen nicht. Laut MSD Manual dient sie deshalb als Bestätigungstest, wenn geklärt werden soll, ob eine erhöhte AP aus der Leber stammt. Bleibt die Herkunft unklar, trennt das Labor die AP per Elektrophorese in ihre Isoenzyme auf oder misst die knochenspezifische AP direkt mit einem immunologischen Test.

Kombination häufige Richtung der Abklärung
AP erhöht, Gamma-GT erhöht Quelle Leber oder Gallenwege, Ultraschall
AP erhöht, Gamma-GT normal Quelle eher Knochen, Calcium, Phosphat, Vitamin D und Parathormon
AP, Gamma-GT und Bilirubin erhöht, Gelbsucht Gallenstau, zeitnahe Bildgebung
AP erhöht bei Kind oder Jugendlichem, sonst unauffällig Wachstum, meist keine weitere Abklärung
AP deutlich erhöht, Transaminasen nur leicht erhöht, IgM erhöht primär biliäre Cholangitis, Test auf antimitochondriale Antikörper

Eine zu niedrige AP ist selten, hat aber Bedeutung

Anders als bei GOT, GPT und Gamma-GT hat bei der AP auch ein zu niedriger Wert eine Aussage. Mögliche Ursachen sind:

  • Hypophosphatasie, eine seltene angeborene Störung mit Mangel an alkalischer Phosphatase, die den Knochenaufbau beeinträchtigt
  • Zink- oder Magnesiummangel
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Morbus Wilson, eine angeborene Kupferspeicherkrankheit
  • schwerer Vitamin-C-Mangel und Blutarmut
  • hormonelle Verhütungsmittel und der Zustand nach Bypass-Operationen

Eine erhöhte AP wird nach Herkunft und Beschwerden abgeklärt

Eine leicht erhöhte AP bei normaler Gamma-GT und ohne Beschwerden kontrolliert der Arzt meist und bestimmt dazu Calcium, Phosphat und Vitamin D. Ist die Gamma-GT mit erhöht, folgt ein Ultraschall, der zeigt, ob die Gallengänge erweitert sind. Knochenschmerzen, die nachts auftreten, ungewollter Gewichtsverlust oder eine bekannte Krebserkrankung führen zu einer zeitnahen Abklärung, weil Knochenmetastasen möglich sind.

Sofort ärztlich gesehen werden muss, notfalls in der Notaufnahme, wer eine Gelbsucht mit Fieber, Schüttelfrost und Schmerzen im rechten Oberbauch entwickelt, ein Zeichen einer Gallengangsentzündung. Schwangere mit starken Schmerzen im rechten Oberbauch, Kopfschmerzen, Sehstörungen oder hohem Blutdruck gehören ebenfalls sofort in die Klinik, weil ein HELLP-Syndrom dahinterstecken kann, eine gefährliche Komplikation der Präeklampsie.

Die AP selbst verursacht keine Beschwerden

Symptome stammen von der Ursache. Ein Gallenstau zeigt sich durch Juckreiz, dunklen Urin, hellen Stuhl und Gelbsucht, eine primär biliäre Cholangitis oft zuerst durch Müdigkeit und Juckreiz. Knochenursachen machen sich durch Knochenschmerzen, Verformungen oder Brüche bei geringer Belastung bemerkbar, bei Kindern mit Rachitis auch durch Wachstumsstörungen.

Häufige Fragen zur alkalischen Phosphatase

Warum ist die alkalische Phosphatase bei Kindern so hoch?

Bei Kindern bauen die Knochen ständig neue Substanz auf, dabei bilden die knochenaufbauenden Zellen viel AP. Die Werte liegen deshalb um ein Mehrfaches über denen Erwachsener, in der Pubertät nach der Referenztabelle von SYNLAB bei bis zu etwa 560 U/l. Ein hoher Wert bei einem gesunden Kind ist deshalb meist normal, maßgeblich ist der altersgerechte Referenzbereich.

Ist eine erhöhte AP in der Schwangerschaft normal?

Ja, im dritten Trimester steigt die AP durch die Plazenta kontinuierlich an und kann am Termin das Zwei- bis Dreifache des Normalwerts erreichen. Die übrigen Leberwerte bleiben dabei normal. Starker Juckreiz oder erhöhte Transaminasen gehören dagegen ärztlich abgeklärt.

Wie unterscheidet der Arzt Leber-AP und Knochen-AP?

Am einfachsten über die Gamma-GT: Ist sie mit erhöht, stammt die AP meist aus Leber oder Gallenwegen, ist sie normal, eher aus dem Knochen. Bleibt die Frage offen, trennt das Labor die Isoenzyme auf oder misst die Knochen-AP immunologisch. Die Isoenzym-Auftrennung per Elektrophorese wird nach GOÄ-Ziffer 3785 berechnet, mit 17,49 Euro im einfachen Satz und 20,11 Euro beim Faktor 1,15.

Ist eine zu niedrige alkalische Phosphatase gefährlich?

Eine zu niedrige AP ist deutlich seltener als eine erhöhte. Wiederholt niedrige Werte können auf eine Hypophosphatasie, einen Zink- oder Magnesiummangel oder eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen und werden abgeklärt. Hormonelle Verhütungsmittel und eine Blutarmut senken den Wert ebenfalls.

Was kostet die Messung der alkalischen Phosphatase?

Die AP wird nach Ziffer 3587.H1 der GOÄ mit 40 Punkten abgerechnet. Das ergibt 2,33 Euro im einfachen Satz und 2,68 Euro beim im Labor üblichen Faktor 1,15. Bei medizinischem Anlass zahlt die gesetzliche Krankenkasse, als Wunschleistung ohne Anlass ist die Messung eine Selbstzahlerleistung (IGeL).

Die AP wird meist zusammen mit der Gamma-GT und dem Bilirubin bestimmt. Bei Verdacht auf eine Knochenursache ergänzt der Arzt Calcium und Vitamin D.

Quellen