Bilirubin: Normwerte, Gilbert-Syndrom und Gelbsucht

Bilirubin entsteht beim Abbau roter Blutkörperchen. Normwerte für gesamtes, direktes und indirektes Bilirubin, Morbus Meulengracht, Gelbsucht und Kosten.

Person in weißem Kittel hält ein Röhrchen mit gelblicher Flüssigkeit über Probengestellen
Probenvorbereitung im Labor, Symbolbild. Foto: jarmoluk / Pixabay.

TL;DR: Bilirubin ist der gelbe Farbstoff, der beim Abbau des roten Blutfarbstoffs entsteht und über Leber und Galle ausgeschieden wird. Das Gesamtbilirubin liegt bei Erwachsenen üblich bis etwa 1,2 mg/dl (etwa 20 µmol/l), das direkte Bilirubin bis etwa 0,2 bis 0,3 mg/dl. Häufige Ursachen erhöhter Werte sind das harmlose Gilbert-Syndrom (Morbus Meulengracht), ein verstärkter Zerfall roter Blutkörperchen, Lebererkrankungen und ein Gallenstau; ab etwa 2 bis 3 mg/dl wird eine Gelbsucht sichtbar. Bilirubin gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild, der Arzt fordert es separat an. Stand: 25. September 2026.

Rote Blutkörperchen werden nach einigen Monaten abgebaut, ihr Farbstoff Hämoglobin wird dabei zu Bilirubin umgewandelt. Dieses sogenannte indirekte oder unkonjugierte Bilirubin löst sich nicht in Wasser. Es wird deshalb an das Bluteiweiß Albumin gebunden zur Leber transportiert. Dort koppelt ein Enzym, die UDP-Glucuronyltransferase, Glucuronsäure an das Bilirubin und macht es wasserlöslich. Dieses direkte oder konjugierte Bilirubin gibt die Leber mit der Galle in den Darm ab. Ausgeschieden wird Bilirubin zum größten Teil über den Stuhl, zu einem kleineren Teil über den Urin.

Das Gesamtbilirubin liegt bei Erwachsenen üblich bis etwa 1,2 mg/dl

Labore messen das Gesamtbilirubin und auf Anforderung das direkte Bilirubin. Das indirekte Bilirubin ist ein Rechenwert: Gesamtbilirubin minus direktes Bilirubin. Zur Umrechnung gilt: 1 mg/dl entspricht etwa 17,1 µmol/l.

Angabe üblicher Bereich Einheit
Gesamtbilirubin, Erwachsene bis etwa 1,1 bis 1,2 mg/dl
Gesamtbilirubin, Erwachsene bis etwa 20 µmol/l
Gesamtbilirubin, Kinder ab 1 Monat bis etwa 1,0 mg/dl
Direktes (konjugiertes) Bilirubin bis etwa 0,2 bis 0,3 mg/dl
Direktes (konjugiertes) Bilirubin bis etwa 3,4 bis 5,1 µmol/l
Indirektes (unkonjugiertes) Bilirubin bis etwa 0,75 bis 0,8 mg/dl

Manche Labore geben geschlechtsabhängige Grenzen an. Die Deutsche Leberhilfe nennt für das Gesamtbilirubin bei Männern bis 1,4 mg/dl (24 µmol/l) und bei Frauen bis 0,9 mg/dl (15 µmol/l). Bei Neugeborenen gelten eigene Grenzen, die in den ersten Lebenstagen von Tag zu Tag steigen. Maßgeblich ist immer der Referenzbereich auf dem eigenen Befund.

Die beiden Formen zeigen, wo die Störung liegt

Ist vor allem das indirekte Bilirubin erhöht, fällt mehr Bilirubin an, als die Leber verarbeiten kann, oder die Leber nimmt es zu langsam auf und koppelt es zu langsam. Ist vor allem das direkte Bilirubin erhöht, verarbeitet die Leber zwar, aber die Leberzellen sind geschädigt oder die Galle fließt nicht richtig ab. Die Aufteilung hilft vor allem, wenn das Bilirubin allein erhöht ist und die übrigen Leberwerte normal sind.

Vor allem indirektes Bilirubin erhöht:

  • Gilbert-Syndrom (Morbus Meulengracht), die häufigste Ursache
  • verstärkter Zerfall roter Blutkörperchen (Hämolyse), etwa bei Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, Thalassämie oder Kugelzellanämie (Sphärozytose)
  • Gelbsucht bei Neugeborenen
  • Herzschwäche, bei der die Leber Bilirubin schlechter aufnimmt

Vor allem direktes Bilirubin erhöht:

  • akute und chronische Virushepatitis, alkoholbedingte Leberentzündung, Fettlebererkrankung und Leberzirrhose
  • Gallenstau durch Gallensteine oder Tumoren an Gallengängen oder Bauchspeicheldrüse
  • Medikamente, die die Leber schädigen oder den Gallenfluss hemmen
  • seltene angeborene Störungen wie das Dubin-Johnson- und das Rotor-Syndrom

Zu niedrige Bilirubinwerte haben keine Krankheitsbedeutung.

Das Gilbert-Syndrom ist die häufigste Ursache eines allein erhöhten Bilirubins

Beim Gilbert-Syndrom, in Deutschland meist Morbus Meulengracht genannt, arbeitet das Enzym, das Bilirubin in der Leber wasserlöslich macht, wegen einer Veränderung im Gen UGT1A1 mit weniger als der Hälfte der üblichen Aktivität. Nach Angaben der Internisten im Netz betrifft das etwa 10 Prozent der Bevölkerung, das MSD Manual nennt 3 bis 10 Prozent. Auffällig wird es häufig bei jungen Männern zwischen 15 und 30 Jahren.

Typisch ist ein erhöhtes indirektes Bilirubin bei sonst normalen Leberwerten, normalem Blutbild und ohne Bilirubin im Urin. Der Wert schwankt und liegt laut MSD Manual meist zwischen etwa 2 und 5 mg/dl. Er steigt bei Fasten, kalorienarmen Diäten, Stress, Infekten und nach Alkohol, in solchen Phasen können Augen und Haut leicht gelb werden. Den Verdacht bestätigt ein Gentest oder ein Fastentest. Eine Behandlung ist nicht nötig, die Leber ist gesund.

Bedeutung hat das Syndrom bei einigen Medikamenten, die über dasselbe Enzym abgebaut werden oder es hemmen, etwa beim Krebsmittel Irinotecan und den HIV-Mitteln Atazanavir und Indinavir. Menschen mit Morbus Meulengracht nennen die Diagnose deshalb vor jeder neuen Therapie.

Der Arzt ordnet das Bilirubin über die Nachbarwerte ein

Kombination häufige Richtung der Abklärung
indirektes Bilirubin erhöht, übrige Leberwerte und Blutbild normal Gilbert-Syndrom, Kontrolle bei normaler Ernährung
indirektes Bilirubin erhöht, Hämoglobin niedrig, LDH und Retikulozyten erhöht Hämolyse, Abklärung der roten Blutkörperchen
direktes Bilirubin erhöht, GOT und GPT stark erhöht Hepatitis, Leberschaden durch Medikamente oder Gifte
direktes Bilirubin erhöht, AP und Gamma-GT stark erhöht Gallenstau, Ultraschall der Gallenwege
Bilirubin erhöht, Quick und Albumin erniedrigt eingeschränkte Leberfunktion, etwa bei Zirrhose

Bei einer bekannten Leberzirrhose ist ein steigendes Bilirubin laut Deutscher Leberhilfe ein Warnzeichen, dass die Leberfunktion nachlässt.

Fasten und Licht verändern den Wert ohne Krankheit

Menschen mit Gilbert-Syndrom haben nach einigen Tagen Fasten oder einer strengen Diät höhere Werte, die sich bei normaler Ernährung wieder zurückbilden. Vor einer Kontrolle isst man deshalb normal. Licht zersetzt Bilirubin in der Probe, Labore lagern die Röhrchen daher lichtgeschützt und zentrifugieren sie innerhalb einer Stunde. Bei Neugeborenen ist ein Anstieg in der ersten Lebenswoche normal: Laut MSD Manual bekommt etwas mehr als die Hälfte aller Neugeborenen eine Gelbsucht, meist ab dem zweiten oder dritten Lebenstag.

Eine neue Gelbsucht wird zeitnah abgeklärt, manche sofort

Ist nur das Bilirubin leicht erhöht und sind Blutbild und übrige Leberwerte normal, steckt oft ein Gilbert-Syndrom dahinter. Der Arzt schließt dann über das Blutbild eine Hämolyse aus und kontrolliert den Wert. Eine neu aufgetretene Gelbsucht gehört zeitnah ärztlich abgeklärt, möglichst am selben oder am nächsten Tag.

Sofort in ärztliche Behandlung, notfalls in die Notaufnahme, gehört:

  • Gelbsucht mit Fieber, Schüttelfrost und Schmerzen im rechten Oberbauch
  • Gelbsucht mit Verwirrtheit, starker Schläfrigkeit oder Blutungszeichen wie Blutergüssen, Blut im Erbrochenen oder schwarzem Stuhl
  • bei Neugeborenen eine Gelbsucht am ersten Lebenstag, Trinkschwäche, Schläfrigkeit oder Fieber

Hält eine Gelbsucht beim Neugeborenen länger als zwei Wochen an, klärt der Kinderarzt sie ebenfalls ab.

Gelbe Augen sind oft das erste sichtbare Zeichen

Ab etwa 2 bis 3 mg/dl (34 bis 51 µmol/l) wird eine Gelbsucht sichtbar, zuerst im Augenweiß, bei höheren Werten auch an der Haut. Ist das direkte Bilirubin erhöht, scheiden die Nieren es aus, der Urin wird dunkel, der Stuhl oft hell, dazu kommt häufig Juckreiz. Beim Gilbert-Syndrom enthält der Urin dagegen kein Bilirubin, weil das indirekte Bilirubin nicht wasserlöslich ist. Weitere Beschwerden hängen von der Ursache ab, etwa Müdigkeit und Blässe bei einer Blutarmut durch Hämolyse.

Häufige Fragen zum Bilirubin

Ist Morbus Meulengracht gefährlich?

Nein, das Gilbert-Syndrom gilt als harmlos und braucht keine Behandlung, die Leber ist gesund. Es kann in Phasen von Fasten, Stress oder Infekten zu einer leichten Gelbfärbung der Augen führen. Wichtig ist der Hinweis an den Arzt vor bestimmten Medikamenten wie Irinotecan, Atazanavir oder Indinavir.

Was ist der Unterschied zwischen direktem und indirektem Bilirubin?

Indirektes Bilirubin ist die Form vor der Verarbeitung in der Leber, es ist nicht wasserlöslich und an Albumin gebunden. Direktes Bilirubin hat die Leber mit Glucuronsäure gekoppelt, es ist wasserlöslich und wird mit der Galle ausgeschieden. Ein erhöhtes indirektes Bilirubin weist eher auf Gilbert-Syndrom oder Hämolyse, ein erhöhtes direktes eher auf eine Leberschädigung oder einen Gallenstau.

Ab welchem Bilirubinwert wird man gelb?

Eine Gelbsucht wird ab etwa 2 bis 3 mg/dl (34 bis 51 µmol/l) sichtbar. Zuerst färbt sich das Augenweiß, bei höheren Werten auch die Haut. Wie schnell der Arzt handelt, hängt von der Ursache und den Begleitbeschwerden ab.

Kann Fasten den Bilirubinwert erhöhen?

Ja, vor allem bei Menschen mit Gilbert-Syndrom steigt das indirekte Bilirubin beim Fasten und bei kalorienarmen Diäten an. Mit ausreichender und ausgewogener Ernährung sinkt es wieder. Vor einer Kontrollmessung sollte man deshalb nicht fasten.

Was kostet die Messung des Bilirubins?

Das Gesamtbilirubin wird nach Ziffer 3581.H1 der GOÄ mit 40 Punkten abgerechnet, das sind 2,33 Euro im einfachen Satz und 2,68 Euro beim Faktor 1,15. Das direkte Bilirubin hat die Ziffer 3582 mit 70 Punkten, also 4,08 Euro und 4,69 Euro, das indirekte wird errechnet und nicht gesondert berechnet. Bei medizinischem Anlass zahlt die gesetzliche Krankenkasse, als Wunschleistung ohne Anlass ist die Messung eine Selbstzahlerleistung (IGeL).

Bei Verdacht auf einen Zerfall roter Blutkörperchen gehören Hämoglobin, Retikulozyten und LDH zur Abklärung, bei Verdacht auf einen Gallenstau die alkalische Phosphatase.

Quellen