Was bedeutet eine zu hohe Leukozytenzahl?
Erhöhte Leukozyten zeigen meist ein aktiviertes Immunsystem. Häufige Ursachen, Normbereich und die Einordnung mit dem Differenzialblutbild.

TL;DR: Eine zu hohe Leukozytenzahl bedeutet, dass das Immunsystem aktiviert ist und mehr weiße Blutzellen im Blut zirkulieren als üblich. Der verbreitete Normbereich liegt bei etwa 4.000 bis 10.000 Zellen pro Mikroliter Blut bei Erwachsenen. Die häufigste Ursache ist eine Infektion, weitere Ursachen sind Entzündungen, Stress, Rauchen, manche Medikamente und selten Erkrankungen der Blutbildung. Die Art der Erhöhung zeigt erst das Differenzialblutbild, das die weißen Blutzellen in ihre fünf Untergruppen aufschlüsselt und das große Blutbild ergänzt. Stand: 20. September 2026.
Leukozyten sind die weißen Blutzellen. Sie sind die Zellen des Immunsystems und wehren Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten ab. Die Gesamtzahl der Leukozyten wird im kleinen Blutbild gemessen. Das große Blutbild ergänzt das Differenzialblutbild, das die Leukozyten in ihre fünf Untergruppen aufschlüsselt: Neutrophile, Lymphozyten, Monozyten, Eosinophile und Basophile.
4.000 bis 10.000 Leukozyten pro Mikroliter Blut sind der übliche Bereich
Die genauen Grenzwerte legt jedes Labor selbst fest, weil sie von Messgerät und Methode abhängen. Die verbreiteten Bereiche liegen dicht beieinander.
| Gruppe | häufiger Normbereich laut Labor | Einheit | |---|---|---| | Erwachsene | etwa 4.000 bis 10.000 | Zellen pro Mikroliter | | Kinder | eigene, altersabhängige Bereiche | nach Laborangabe | | Schwangere | leicht erhöhte Bereiche | nach Laborangabe |
Der Wert auf dem Befund gilt immer zusammen mit dem Referenzbereich, den dasselbe Labor auf demselben Bogen abdruckt. Ein Wert knapp oberhalb der Grenze ist allein noch kein Krankheitszeichen, der Arzt beurteilt ihn zusammen mit dem Differenzialblutbild, Beschwerden und dem Verlauf.
Infektionen sind die häufigste Ursache
Eine Erhöhung der Leukozyten heißt in der Medizin Leukozytose. Sie entsteht, weil das Knochenmark auf ein Aktivierungssignal hin mehr weiße Zellen ins Blut schickt oder weil Zellen aus ihren Randlagern in die Blutbahn ausgeschüttet werden.
- bakterielle Infekte wie Lungenentzündung, Blasenentzündung oder eitrige Hautinfektionen, typischerweise mit erhöhten Neutrophilen
- Virusinfekte, teils mit erhöhten Lymphozyten, teils trotz Infekt mit niedrigen Gesamtleukozyten
- Entzündungen ohne Infektionserreger, etwa Rheuma oder eine Darmentzündung
- Gewebezerstörung nach Herzinfarkt, Operationen, Verletzungen oder Verbrennungen
- Stress, körperliche Belastung, Schwangerschaft und Rauchen, alles ohne Krankheitswert mögliche Auslöser
- Medikamente, vor allem Kortisonpräparate
- selten Erkrankungen der Blutbildung, etwa Leukämien
Das Differenzialblutbild zeigt, welche Zellgruppe erhöht ist
Die Gesamtzahl der Leukozyten nennt die Richtung, nicht die Ursache. Die Aufschlüsselung in die fünf Untergruppen lenkt die Diagnose.
| Erhöhte Zellgruppe | häufige Richtung der Abklärung | |---|---| | Neutrophile | bakterieller Infekt, Entzündung, Stress, Rauchen | | Lymphozyten | Virusinfekt, etwa Pfeiffersches Drüsenfieber oder Keuchhusten | | Eosinophile | Allergie, Parasitenbefall, Nebenwirkung von Medikamenten | | Monozyte | chronische Infekte und Entzündungen | | Basophile | sehr selten, meist hematologische Erkrankungen |
Das Differenzialblutbild kostet nach GOÄ 1,17 Euro zusätzlich zum kleinen Blutbild (Ziffer 3551, einfacher Satz). Die Abrechnungswege stehen im Artikel zum Preis des großen Blutbilds.
Rauchen und Kortison erhöhen die Leukozyten ohne Infekt
Bei starken Rauchern liegt die Leukozytenzahl dauerhaft leicht erhöht, weil der Körper die Reizungen der Atemwege mit einer ständigen leichten Abwehrreaktion beantwortet. Kortisonpräparate schütten Neutrophile aus den Randlagern ins Blut aus, der Anstieg setzt innerhalb von Stunden ein und ist kein Infektzeichen. Auch starker emotionaler oder körperlicher Stress, etwa ein Marathonlauf oder ein operativer Eingriff, kann die Zahl kurzfristig deutlich anheben. Der Arzt fragt deshalb vor jeder weiteren Abklärung nach Rauchen, Medikamenten und aktuellen Belastungen.
Der Arzt beurteilt den Wert mit Beschwerden und Verlauf
Ein isolierter leicht erhöhter Wert ohne Beschwerden wird meist kontrolliert, oft genügt eine Wiederholung nach einigen Tagen bis Wochen. Eine deutlich erhöhte Zahl mit Fieber gehört zeitnah abgeklärt, weil dann eine behandlungsbedürftige Infektion wahrscheinlich ist. Eine sehr hohe Zahl, die über Tage anhält, oder eine Erhöhung zusammen mit Nachtschweiß und Gewichtsverlust führt zur Überweisung zum Hämatologen. Blutbildkontrollen im Abstand von Tagen bis Wochen zeigen, ob der Wert sinkt, und gehören bei jeder unklaren Erhöhung dazu.
Beschwerden einer Erhöhung kommen meist von der Ursache
Die Leukozyten selbst verursachen in mäßiger Erhöhung keine Beschwerden. Die Beschwerden stammen von der zugrundeliegenden Ursache: Fieber und Schmerzen bei einem Infekt, Gelenkbeschwerden bei Rheuma, Husten bei einer Lungenentzündung. Bei extrem hohen Zellzahlen, wie sie bei Leukämien vorkommen, kann das Blut zähflüssiger werden, das zeigt sich an Schwindel, Sehstörungen oder Verwirrtheit, ein Zustand, der als Notfall in eine Notaufnahme gehört.
Häufige Fragen zur zu hohen Leukozytenzahl
Sind die Leukozyten im großen Blutbild enthalten?
Die Gesamtzahl der Leukozyten gehört zum kleinen Blutbild, das große Blutbild ergänzt das Differenzialblutbild mit den fünf Untergruppen. Für die Frage, welche Zellgruppe erhöht ist, braucht es das große Blutbild. Die Blutentnahme läuft für beide über dieselbe Probe.
Kann Stress die Leukozyten dauerhaft erhöhen?
Körperlicher und emotionaler Stress erhöht die Leukozyten kurzfristig, weil Stresshormone Zellen aus den Randlagern ins Blut ausschütten. Nach der Entspannung normalisiert sich der Wert innerhalb von Stunden. Chronischer Stress kann den Wert dauerhaft leicht anheben, deutliche Erhöhungen haben aber fast immer eine andere Ursache.
Wie schnell sinken die Leukozyten nach einem Infekt?
Die Leukozyten normalisieren sich nach einem abklingenden Infekt meist innerhalb von wenigen Tagen bis zwei Wochen. Der Wert kann am Ende der Erkrankung kurz unter den Normbereich fallen, weil verbrauchte Zellen abgebaut werden. Eine Kontrolle nach Abschluss der Heilung zeigt den Ausgangswert.
Bedeutet eine dauerhaft leicht erhöhte Leukozytenzahl Leukämie?
Eine dauerhaft leicht erhöhte Leukozytenzahl hat als häufigste Ursachen Rauchen, chronische Entzündungen oder Medikamente, nicht Leukämie. Eine Leukämie zeigt sich meist in deutlich erhöhten oder erniedrigten Werten, oft zusammen mit auffälligen jungen Zellen im Differenzialblutbild, Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Die Einordnung liegt beim Arzt, gelegentlich mit Überweisung zum Hämatologen.
Was kostet die Messung der Leukozyten?
Die Leukozytenzahl ist in der Ziffer 3550 der GOÄ enthalten, dem kleinen Blutbild. Im einfachen Satz kostet die Messung 3,50 Euro als Laborleistung, das Differenzialblutbild kommt mit 1,17 Euro hinzu. Blutentnahme und ärztliche Beratung werden separat abgerechnet.
Alle Blutwerte des großen Blutbilds mit ihren Bedeutungen stehen in der Blutwerte-Tabelle, die GOÄ-Kosten der Messung im Artikel Was kostet ein großes Blutbild?.