Cholesterin: Normwerte und was der Gesamtwert aussagt
Gesamtcholesterin ist die Summe aller Cholesterinanteile im Blut. Übliche Werte in mg/dl und mmol/l, warum erst LDL und HDL ihn deuten, und die Kosten.

TL;DR: Das Gesamtcholesterin misst die Summe des Cholesterins in allen Transportteilchen des Blutes, vor allem in LDL und HDL. Als wünschenswert gilt bei Erwachsenen ein Wert unter etwa 200 mg/dl (5,2 mmol/l), die europäische Laborempfehlung setzt die Grenze bei 190 mg/dl (5,0 mmol/l). Erhöhte Werte entstehen durch Veranlagung, eine Ernährung mit vielen gesättigten Fetten, Bewegungsmangel, Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, Nierenerkrankungen und einige Medikamente. Aussagekraft bekommt der Wert erst zusammen mit LDL- und HDL-Cholesterin. Cholesterin gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild und wird als Teil des Lipidprofils separat angefordert. Stand: 25. September 2026.
Cholesterin ist ein fettähnlicher Stoff, den jede Körperzelle für ihre Zellhülle braucht. Aus ihm bildet der Körper Gallensäuren für die Fettverdauung, Geschlechts- und Stresshormone sowie Vitamin D. Die Leber stellt bis zu 700 mg am Tag selbst her, dazu kommt Cholesterin aus tierischen Lebensmitteln. Weil Cholesterin sich im Blut nicht löst, reist es in Transportteilchen aus Fett und Eiweiß, den Lipoproteinen. LDL bringt Cholesterin von der Leber zu den Geweben, HDL holt überschüssiges Cholesterin zur Leber zurück. Das Gesamtcholesterin auf dem Befund zählt alle diese Anteile zusammen.
Unter 200 mg/dl gilt das Gesamtcholesterin als wünschenswert
Fachgesellschaften teilen das Gesamtcholesterin in Risikostufen ein. Das MSD Manual unterscheidet bei Erwachsenen drei Stufen, die europäische Fachempfehlung für Laborbefunde nennt einen etwas strengeren Wunschwert.
| Angabe | üblicher Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| wünschenswert, geringeres Risiko | unter 200 bzw. unter 5,2 | mg/dl bzw. mmol/l |
| grenzwertig erhöht | 200 bis 239 bzw. 5,2 bis 6,2 | mg/dl bzw. mmol/l |
| hoch | ab 240 bzw. ab 6,2 | mg/dl bzw. mmol/l |
| Wunschwert laut EAS/EFLM-Laborempfehlung | unter 190 bzw. unter 5,0 | mg/dl bzw. mmol/l |
| auffällig niedrig | unter 120 bzw. unter 3,1 | mg/dl bzw. mmol/l |
Deutsche Labore berichten meist in mg/dl, viele europäische in mmol/l. Zum Umrechnen teilt man den Wert in mg/dl durch 38,67: 200 mg/dl ergeben so 5,17 mmol/l. Maßgeblich bleibt der Referenzbereich, den das eigene Labor auf dem Befund abdruckt, weil Messverfahren und Bewertungsschema sich unterscheiden.
Erst LDL und HDL machen das Gesamtcholesterin aussagekräftig
Das Gesamtcholesterin vermischt zwei gegensätzliche Anteile. Etwa ein Viertel bis ein Drittel steckt in den HDL-Teilchen, der größte Teil des Rests in LDL und ein kleinerer in triglyceridreichen Teilchen. Ein hoher Gesamtwert kann deshalb von viel LDL stammen oder von viel HDL.
Ein Rechenbeispiel zeigt den Unterschied. Zwei Menschen haben jeweils 230 mg/dl Gesamtcholesterin. Bei der ersten Person liegen HDL bei 85 mg/dl und die Triglyceride bei 100 mg/dl, nach der Friedewald-Formel ergibt das ein LDL von etwa 125 mg/dl. Bei der zweiten Person liegen HDL bei 35 mg/dl und die Triglyceride bei 150 mg/dl, das LDL beträgt dann etwa 165 mg/dl. Gleicher Gesamtwert, deutlich verschiedenes Risiko.
Die europäische Leitlinie von ESC und EAS richtet ihre Behandlungsziele deshalb am LDL-Cholesterin aus. Für die Risikoberechnung mit dem Punktesystem SCORE2 nutzt sie das Nicht-HDL-Cholesterin, also Gesamtcholesterin minus HDL. Dieser Wert erfasst alle Teilchen, die Gefäßablagerungen fördern. Als wünschenswert gilt laut EAS/EFLM ein Nicht-HDL-Cholesterin unter 145 mg/dl nüchtern und unter 150 mg/dl nicht nüchtern.
Veranlagung, Lebensweise und Stoffwechselkrankheiten erhöhen das Cholesterin
Wie stark die Ernährung das Cholesterin verändert, ist zum großen Teil erblich festgelegt. Manche schlanken Menschen haben hohe Werte, manche Menschen mit Übergewicht niedrige.
- erbliche Veranlagung, darunter die familiäre Hypercholesterinämie, die etwa 0,2 bis 0,5 Prozent aller Menschen betrifft
- bewegungsarme Lebensweise mit vielen Kalorien, gesättigten Fetten und Transfetten
- schlecht eingestellter Diabetes und chronische Nierenerkrankungen, etwa das nephrotische Syndrom
- Schilddrüsenunterfunktion
- Lebererkrankungen mit Gallestau, etwa die primär biliäre Cholangitis
- Medikamente, die den Fettstoffwechsel verschieben, etwa Thiazid-Entwässerungsmittel, Betablocker, Retinoide, Kortisonpräparate, Ciclosporin, Tacrolimus, Gestagene und einige HIV-Medikamente
Sehr niedrige Werte weisen auf eine andere Erkrankung hin
Von einem auffällig niedrigen Wert spricht das MSD Manual bei einem Gesamtcholesterin unter 120 mg/dl (3,1 mmol/l) oder einem LDL unter 50 mg/dl (1,3 mmol/l). Der niedrige Wert selbst verursacht selten Probleme, er lenkt den Blick aber auf die Ursache.
- Schilddrüsenüberfunktion
- Unterernährung und Aufnahmestörungen im Darm
- Krebserkrankungen und chronische Virusinfektionen wie Hepatitis C
- Blutarmut (Anämie)
- selten erbliche Störungen wie die Abetalipoproteinämie oder die Hypobetalipoproteinämie
Unter einer cholesterinsenkenden Behandlung sind niedrige Werte gewollt und kein Grund zur Sorge.
Der Arzt deutet das Gesamtcholesterin im Muster des Lipidprofils
Das Lipidprofil besteht aus Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyceriden. Erst die Kombination zeigt, welche Störung vorliegt.
| Kombination im Lipidprofil | häufige Richtung der Abklärung |
|---|---|
| Gesamtcholesterin hoch, LDL hoch, HDL normal | Risikoeinschätzung, bei LDL über 190 mg/dl Frage nach familiärer Hypercholesterinämie |
| Gesamtcholesterin hoch, HDL hoch, LDL im Zielbereich | hoher Wert durch HDL, Einordnung über LDL und Nicht-HDL |
| Gesamtcholesterin hoch, Triglyceride hoch, HDL niedrig | gemischte Fettstoffwechselstörung, Blutzucker, Leber, Alkohol |
| Gesamtcholesterin hoch, TSH erhöht | Schilddrüsenunterfunktion als Ursache |
| Gesamtcholesterin sehr niedrig ohne Behandlung | Schilddrüse, Ernährungszustand, Leber, Darm |
Mahlzeiten verändern den Wert kaum, akute Infekte senken ihn
Eine normale Mahlzeit verschiebt das Gesamtcholesterin laut EAS/EFLM um höchstens etwa 8 mg/dl. Nüchtern zu sein ist deshalb für diesen Wert nicht zwingend nötig. Viele Ärzte bitten trotzdem darum, weil im selben Röhrchen oft Blutzucker oder Triglyceride bestimmt werden, dann gelten 8 Stunden ohne Essen, nur stilles Wasser ist erlaubt. Auch bei Gesunden schwankt das Gesamtcholesterin von einer Messung zur nächsten um etwa 10 Prozent.
Bei einer akuten Erkrankung wie einem fiebrigen Infekt sinken die Cholesterinwerte vorübergehend. Nach einem Herzinfarkt schwanken sie rund 30 Tage lang. Eine Messung zur Beurteilung des Fettstoffwechsels verschiebt der Arzt deshalb meist auf die Zeit nach der Genesung. Medikamente aus der Liste oben verändern den Wert ebenfalls, ohne dass eine eigenständige Fettstoffwechselstörung vorliegt.
Ein erhöhter Wert führt zur Einschätzung des Gesamtrisikos
Ein einzelner erhöhter Cholesterinwert ist noch keine Diagnose. Der Arzt bestimmt das vollständige Lipidprofil und bezieht Alter, Geschlecht, Blutdruck, Rauchen, Diabetes, Nierenfunktion und Herzinfarkte in der Familie ein. Bei Menschen zwischen 40 und 89 Jahren ohne bekannte Herzerkrankung schätzt er das 10-Jahres-Risiko mit SCORE2 oder SCORE2-OP. Ein Gesamtcholesterin über 310 mg/dl (8 mmol/l) stuft die Leitlinie schon allein als hohes Risiko ein. Welche Behandlung nötig ist, legt der Arzt nach diesem Gesamtrisiko fest, die Grundlage bleibt immer die Lebensweise.
Gesetzlich Versicherte haben ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf den Gesundheits-Check-up, dabei werden auch die Blutfette bestimmt. Zwischen 18 und 34 Jahren gibt es den Check-up einmal, Blutwerte gehören dann nur bei Risikofaktoren dazu.
Zum Notfall werden die Folgen einer jahrelangen Gefäßverkalkung. Drückende Brustschmerzen länger als fünf Minuten, Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Oberbauch, Atemnot und kalter Schweiß können einen Herzinfarkt anzeigen. Eine plötzliche Lähmung, ein hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen deuten auf einen Schlaganfall. In beiden Fällen gilt: sofort den Notruf 112 wählen.
Cholesterin verursacht selbst keine Beschwerden
Ein hoher Cholesterinspiegel ist nicht spürbar. Bei sehr hohen Werten über viele Jahre können sichtbare Zeichen entstehen: gelbliche Knoten an Sehnen wie der Achillessehne (Sehnenxanthome), gelbe Flecken an den Augenlidern (Xanthelasmen) und ein grauweißer Ring am Rand der Hornhaut (Arcus corneae). Die eigentlichen Beschwerden entstehen durch die Gefäßverkalkung, etwa Brustenge bei Belastung, Wadenschmerzen beim Gehen oder ein Schlaganfall.
Häufige Fragen zum Cholesterin
Muss man für die Cholesterinmessung nüchtern sein?
Für das Gesamtcholesterin allein ist Nüchternheit nicht nötig, weil eine Mahlzeit den Wert nur um wenige mg/dl verschiebt. Werden im selben Termin Triglyceride oder Blutzucker gemessen, bittet der Arzt oft um 8 Stunden ohne Essen. Wasser ohne Kohlensäure ist erlaubt.
Gehört Cholesterin zum großen Blutbild?
Nein, das Blutbild zählt Blutzellen und enthält keine Blutfette. Cholesterin wird als eigener Laborwert angefordert, meist zusammen mit LDL, HDL und Triglyceriden als Lipidprofil. Für die Blutentnahme genügt trotzdem ein Termin.
Wie rechnet man Cholesterin von mg/dl in mmol/l um?
Der Wert in mg/dl geteilt durch 38,67 ergibt mmol/l. Aus 240 mg/dl werden so 6,2 mmol/l. Für LDL und HDL gilt derselbe Faktor, Triglyceride in mg/dl teilt man durch 88,57.
Kann ein zu niedriges Cholesterin schaden?
Ein niedriger Wert macht selten selbst Probleme, weist aber manchmal auf eine Schilddrüsenüberfunktion, Mangelernährung oder eine schwere Erkrankung hin. Liegt das Gesamtcholesterin ohne Behandlung unter etwa 120 mg/dl, sucht der Arzt nach der Ursache. Unter cholesterinsenkender Therapie sind niedrige Werte beabsichtigt.
Was kostet die Messung des Cholesterins?
Die GOÄ führt Cholesterin unter Ziffer 3562.H1 mit 40 Punkten, das sind 2,33 Euro im einfachen Satz und 2,68 Euro beim im Labor üblichen 1,15-fachen Satz. Das komplette Lipidprofil aus den Ziffern 3562 bis 3565 kostet 9,33 Euro beziehungsweise 10,72 Euro. Bei medizinischem Anlass und im Check-up zahlt die gesetzliche Krankenkasse, als Wunschleistung ohne Anlass ist die Messung eine IGeL. Blutentnahme und Beratung werden separat abgerechnet.
Wie das Cholesterin weiter aufgeschlüsselt wird, erklären die Artikel zum LDL-Cholesterin und zum HDL-Cholesterin. Den vierten Wert des Lipidprofils behandelt der Artikel über Triglyceride, den erblichen Zusatzfaktor der Artikel über Lipoprotein(a).
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): LDL-Cholesterin
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Dyslipidämie
- MSD Manual Ausgabe für Patienten: Hypolipidämie
- DocCheck Flexikon: Cholesterin
- DGK/ESC: Pocket-Leitlinie Dyslipidämien, Focused Update 2025 (PDF)
- EFLM: First EAS-EFLM consensus guideline on non-fasting lipid testing and reporting (PDF)