HDL-Cholesterin: Normwerte, niedrige und hohe Werte

HDL-Cholesterin bringt Cholesterin zur Leber zurück. Übliche Werte für Frauen und Männer, Ursachen niedriger Werte und warum sehr hohe nicht besser sind.

Beine eines Läufers in Laufschuhen auf einer Landstraße unter bewölktem Himmel
Joggen auf der Landstraße, Symbolbild. Foto: kinkate / Pixabay.

TL;DR: HDL-Cholesterin misst das Cholesterin in den High-Density-Lipoproteinen, die überschüssiges Cholesterin aus Geweben und Gefäßwänden zur Leber zurückbringen. Üblich sind bei Frauen Werte über etwa 50 mg/dl (1,3 mmol/l), bei Männern über etwa 40 mg/dl (1,0 mmol/l). Niedrige Werte entstehen vor allem durch Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, Typ-2-Diabetes und hohe Triglyceride. Sehr hohe Werte über etwa 80 mg/dl schützen nicht zusätzlich und gehen in Studien wieder mit höherer Sterblichkeit einher. HDL gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild und wird als Teil des Lipidprofils separat angefordert. Stand: 25. September 2026.

HDL steht für High-Density-Lipoprotein, auf Deutsch Lipoprotein hoher Dichte. Diese Transportteilchen tragen als Haupteiweiß das Apolipoprotein A-I und nehmen überschüssiges Cholesterin aus Zellen auf, etwa aus Fresszellen in der Gefäßwand. Die Teilchen bringen es zur Leber, die es über die Galle ausscheidet. Daneben wirken HDL-Teilchen entzündungshemmend und schützen die Gefäßinnenwand. Etwa ein Viertel bis ein Drittel des Gesamtcholesterins im Blut steckt in HDL. Das Labor misst allerdings nur den Cholesterinanteil, der etwa ein Viertel der Masse eines HDL-Teilchens ausmacht. Über die Funktion der Teilchen sagt der Wert deshalb wenig.

Frauen haben üblicherweise höhere HDL-Werte als Männer

Die Grenzen für einen niedrigen Wert unterscheiden sich nach Geschlecht. Nach oben gibt es keinen Normbereich im engeren Sinn, wohl aber Hinweise, ab wann ein höherer Wert keinen Vorteil mehr bringt.

Angabe üblicher Bereich Einheit
Frauen ab 18 Jahren über 50 bzw. über 1,3 mg/dl bzw. mmol/l
Männer ab 18 Jahren über 40 bzw. über 1,0 mg/dl bzw. mmol/l
kein weiterer Vorteil für das Herz nachweisbar ab etwa 60 bzw. ab etwa 1,6 mg/dl bzw. mmol/l
sehr hoch, in Studien wieder ungünstig über 80 bzw. über 2,1 mg/dl bzw. mmol/l

Zum Umrechnen teilt man mg/dl durch 38,67. Die Grenzwerte schwanken je nach Labor und Fachgesellschaft um einige mg/dl, entscheidend ist der Referenzbereich auf dem eigenen Befund.

Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen senken das HDL

Ein niedriges HDL ist meist Teil eines Musters: Bauchfett, hohe Triglyceride, erhöhter Blutzucker und Bluthochdruck treten oft gemeinsam auf.

  • Bewegungsmangel
  • starkes Übergewicht, besonders am Bauch
  • Zigarettenrauchen
  • Typ-2-Diabetes, metabolisches Syndrom und hohe Triglyceride
  • chronische Leber- und Nierenerkrankungen, besonders das nephrotische Syndrom
  • HIV-Infektion
  • Medikamente wie Betablocker, Anabolika und manche hormonellen Verhütungsmittel
  • sehr fettarme Ernährung, die neben dem LDL auch das HDL senkt
  • sehr selten erbliche Störungen wie der LCAT-Mangel

Sehr hohe HDL-Werte sind nicht automatisch besser

Lange galt beim HDL der Satz "je höher, desto besser". Neuere Studien zeichnen ein anderes Bild. Oberhalb von etwa 60 mg/dl lässt sich keine weitere Verbesserung der Prognose nachweisen. Werte über 80 mg/dl gehen mit einer höheren Gesamt- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit einher. Der Zusammenhang verläuft U-förmig, mit erhöhtem Risiko an beiden Enden.

Die Ursachen für sehr hohes HDL erklären einen Teil davon:

  • erbliche Formen wie der CETP-Mangel oder die familiäre Hyperalphalipoproteinämie
  • regelmäßiger Alkoholkonsum
  • schwere körperliche Arbeit und Leistungssport
  • Schilddrüsenüberfunktion und die primär biliäre Cholangitis der Leber
  • einige Medikamente, laut MSD Manual etwa Insulin oder Phenytoin

Bei den erblichen Formen schützt der hohe HDL-Spiegel laut MSD Manual möglicherweise nicht vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch Medikamente, die das HDL gezielt anheben, haben in Studien Herz-Kreislauf-Ereignisse nicht verlässlich verhindert. Das HDL gilt deshalb heute eher als Anzeiger für den Zustand des Stoffwechsels.

Ausdauersport und Rauchstopp heben ein niedriges HDL an

Regelmäßiger Ausdauersport hebt das HDL laut dem Sportmediziner Martin Halle von der Lipid-Liga um etwa 5 bis 10 Prozent. Am besten wirkt Belastung im niedrigen Intensitätsbereich, "Laufen ohne zu Schnaufen", jeweils mindestens 20 Minuten lang. Als untere Grenze der Wirksamkeit nennt er etwa dreimal 30 Minuten pro Woche. Gewichtsabnahme und der Verzicht auf Zigaretten verbessern das HDL zusätzlich und senken das Herz-Kreislauf-Risiko unabhängig vom Laborwert.

Alkohol hebt das HDL ebenfalls an. Als Schutz taugt das nicht, denn Alkohol treibt die Triglyceride nach oben und schadet der Leber.

Der Arzt liest das HDL nur zusammen mit LDL und Triglyceriden

Ein HDL-Wert allein ist wenig aussagekräftig. Der Arzt betrachtet ihn im Lipidprofil und mit den übrigen Risikofaktoren.

Kombination im Befund häufige Richtung der Abklärung
HDL niedrig, Triglyceride hoch, großer Bauchumfang metabolisches Syndrom, Blutzucker und HbA1c prüfen
HDL niedrig, LDL erhöht ungünstiges Gesamtbild, Risikobewertung mit SCORE2
HDL niedrig, Eiweiß im Urin, Wassereinlagerungen Nierenerkrankung, etwa nephrotisches Syndrom
HDL sehr hoch, Gamma-GT erhöht Alkoholkonsum erfragen, Leber untersuchen
HDL sehr hoch ohne erkennbare Ursache erbliche Form, Gesamtrisiko trotzdem bewerten

Mahlzeiten ändern das HDL praktisch nicht

Eine normale Mahlzeit verändert das HDL laut EAS/EFLM kaum, eine Nüchternmessung ist für diesen Wert nicht nötig. Bei akuten Erkrankungen wie einem fiebrigen Infekt sinken die Cholesterinwerte, dann ist eine Kontrolle nach der Genesung aussagekräftiger. Die Einnahme von Östrogenen hebt das HDL an, Betablocker und Anabolika senken es. Leistungssport und schwere körperliche Arbeit heben das HDL ebenfalls an.

Ein niedriges HDL führt zur Suche nach Stoffwechselrisiken

Ein einmalig niedriger Wert bei sonst guten Blutfetten wird meist kontrolliert. Liegt das HDL wiederholt niedrig, prüft der Arzt Blutzucker, HbA1c, Blutdruck, Bauchumfang, Leber- und Nierenwerte. Ein sehr hohes HDL führt zur Frage nach Alkohol, Schilddrüse und Medikamenten. Die Behandlung richtet sich nach dem Gesamtrisiko, das der Arzt aus allen Werten und Risikofaktoren ermittelt.

Notfallzeichen entstehen durch die Folgen einer Gefäßverkalkung: Brustschmerz oder Engegefühl länger als fünf Minuten, Ausstrahlung in Arm oder Kiefer, Atemnot und kalter Schweiß, außerdem plötzliche Lähmung, Sprachstörung oder hängender Mundwinkel. Dann sofort den Notruf 112 wählen.

Das HDL selbst verursacht keine Beschwerden

Ein niedriges oder hohes HDL ist nicht spürbar. Beschwerden kommen von den Begleiterkrankungen, etwa Durst und häufiges Wasserlassen bei Diabetes oder Brustenge bei verengten Herzkranzgefäßen. Nur sehr seltene erbliche Formen fallen durch eigene Zeichen auf, beim LCAT-Mangel etwa durch Hornhauttrübungen, Blutarmut und Nierenschäden.

Häufige Fragen zum HDL-Cholesterin

Ist ein hoher HDL-Wert immer gut?

Bis etwa 60 mg/dl geht ein höheres HDL mit einem geringeren Herzrisiko einher, darüber bringt es keinen messbaren Zusatznutzen. Werte über 80 mg/dl sind in großen Studien mit einer höheren Sterblichkeit verbunden. Ein sehr hoher Wert ist deshalb ein Anlass, nach Ursachen wie Alkohol oder einer erblichen Form zu fragen.

Wie stark hebt Sport das HDL-Cholesterin?

Regelmäßiger Ausdauersport hebt das HDL um etwa 5 bis 10 Prozent. Günstig sind mindestens drei Einheiten von 30 Minuten pro Woche in einem Tempo, bei dem ein Gespräch noch möglich ist. Der Nutzen für Herz und Gefäße geht über den Laborwert hinaus.

Muss man für die HDL-Messung nüchtern sein?

Für das HDL allein ist Nüchternheit nicht nötig, eine Mahlzeit verändert den Wert kaum. Werden im selben Termin Triglyceride oder Blutzucker gemessen, bittet der Arzt meist um 8 Stunden ohne Essen.

Ist der LDL/HDL-Quotient noch aussagekräftig?

Der früher oft angegebene LDL/HDL-Quotient gilt in der Labormedizin heute als überholt. Weil ein sehr hohes HDL nicht schützt, kann der Quotient ein Risiko schönrechnen. Maßgeblich sind das LDL-Cholesterin und das Gesamtrisiko.

Was kostet die Messung des HDL-Cholesterins?

Das HDL-Cholesterin steht in der GOÄ unter Ziffer 3563.H1 mit 40 Punkten, das sind 2,33 Euro im einfachen Satz und 2,68 Euro beim 1,15-fachen Satz. Bei medizinischem Anlass und im Gesundheits-Check-up zahlt die gesetzliche Krankenkasse, als Wunschleistung ohne Anlass ist die Messung eine IGeL. Blutentnahme und Beratung werden separat abgerechnet.

Wie sich das HDL in das Gesamtcholesterin einfügt und welche Zielwerte für das LDL-Cholesterin gelten, erklären eigene Artikel. Niedriges HDL tritt oft zusammen mit hohen Triglyceriden auf, alle Blutfette im Überblick zeigt die Blutwerte-Tabelle.

Quellen