LDL-Cholesterin: Zielwerte nach Risiko und Ursachen

LDL-Cholesterin ist der wichtigste Blutfettwert für das Herzinfarktrisiko. Zielwerte laut ESC-Leitlinie, berechnet oder gemessen, erbliche Form, Kosten.

Farbiges anatomisches Herzmodell auf einem Ständer, dahinter unscharf weitere Organmodelle
Anatomisches Herzmodell, Symbolbild. Foto: StockSnap / Pixabay.

TL;DR: LDL-Cholesterin misst das Cholesterin in den Low-Density-Lipoproteinen, die Cholesterin zu den Geweben bringen und sich in der Gefäßwand ablagern können. Als Orientierung für Erwachsene ohne Risikofaktoren gilt ein Wert unter etwa 130 mg/dl (3,4 mmol/l), der persönliche Zielwert hängt aber vom Herz-Kreislauf-Risiko ab und reicht laut ESC/EAS-Leitlinie von unter 116 mg/dl (3,0 mmol/l) bei niedrigem bis unter 55 mg/dl (1,4 mmol/l) bei sehr hohem Risiko. Erhöhte Werte entstehen durch Veranlagung, darunter die familiäre Hypercholesterinämie, durch Ernährung, Bewegungsmangel, Schilddrüsenunterfunktion, Nierenerkrankungen und Medikamente. LDL gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild und wird als Teil des Lipidprofils separat angefordert. Stand: 25. September 2026.

LDL steht für Low-Density-Lipoprotein, auf Deutsch Lipoprotein niedriger Dichte. Diese Transportteilchen tragen als Eiweiß das Apolipoprotein B und enthalten viel Cholesterin. Die Leber gibt Cholesterin in VLDL-Teilchen an das Blut ab, aus denen dort LDL entsteht und das Cholesterin zu den Zellen bringt. Ist zu viel LDL unterwegs, lagert es sich in der Arterienwand ab, löst dort eine Entzündung aus und bildet Plaques. Die europäische Leitlinie bezeichnet LDL deshalb als direkte Ursache der Arteriosklerose. Je höher der Wert und je länger er hoch bleibt, desto größer das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Unter 130 mg/dl gilt LDL ohne Risikofaktoren als unauffällig

Laborbefunde nennen für LDL einen allgemeinen Orientierungswert oder Zielwerte nach Risikokategorie. Ohne Kenntnis des persönlichen Risikos gilt:

Angabe üblicher Bereich Einheit
Orientierungswert für Erwachsene unter 130 bzw. unter 3,36 mg/dl bzw. mmol/l
Wunschwert laut EAS/EFLM-Laborempfehlung unter 115 bzw. unter 3,0 mg/dl bzw. mmol/l
Hinweis auf familiäre Hypercholesterinämie bei Erwachsenen über 190 bzw. über 4,9 mg/dl bzw. mmol/l

Zum Umrechnen teilt man mg/dl durch 38,67. Der Referenzbereich auf dem eigenen Befund gilt, weil Labore unterschiedliche Verfahren und Bewertungsschemata nutzen.

Die ESC/EAS-Leitlinie koppelt den Zielwert an das Gesamtrisiko

Gültig ist die Leitlinie der European Society of Cardiology und der European Atherosclerosis Society von 2019 mit dem Focused Update von 2025. Die Zielwerte hat das Update unverändert übernommen, eine neuere Fassung gibt es mit Stand September 2026 nicht.

Risikokategorie LDL-Zielwert Einheit
niedrig unter 116 bzw. unter 3,0 mg/dl bzw. mmol/l
mittel unter 100 bzw. unter 2,6 mg/dl bzw. mmol/l
hoch unter 70 bzw. unter 1,8, zusätzlich mindestens 50 Prozent Senkung mg/dl bzw. mmol/l
sehr hoch unter 55 bzw. unter 1,4, zusätzlich mindestens 50 Prozent Senkung mg/dl bzw. mmol/l
extrem, etwa erneute Gefäßereignisse trotz maximal verträglicher Statintherapie unter 40 bzw. unter 1,0 (kann erwogen werden) mg/dl bzw. mmol/l

Welche Kategorie gilt, ergibt sich aus Vorerkrankungen und dem Punktesystem SCORE2, das bei Menschen von 40 bis 89 Jahren ohne Herzerkrankung das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall in zehn Jahren schätzt.

  • sehr hohes Risiko: bekannte Gefäßerkrankung wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Schaufensterkrankheit, Diabetes mit Organschäden, schwere Nierenerkrankung, SCORE2 ab 20 Prozent
  • hohes Risiko: LDL über 190 mg/dl, Gesamtcholesterin über 310 mg/dl oder Blutdruck ab 180/110 mmHg, familiäre Hypercholesterinämie ohne weitere Risikofaktoren, Diabetes seit mindestens 10 Jahren ohne Organschäden, mittelschwere Nierenerkrankung, SCORE2 von 10 bis unter 20 Prozent
  • mittleres Risiko: junge Menschen mit kurz bestehendem Diabetes, SCORE2 von 2 bis unter 10 Prozent
  • niedriges Risiko: SCORE2 unter 2 Prozent

Zusätzliche Merkmale können die Einstufung erhöhen, etwa eine frühe Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Familie (bei Männern vor 55, bei Frauen vor 60 Jahren), ein Lipoprotein(a) über 50 mg/dl oder ein dauerhaft erhöhtes hochsensitives CRP. Wie der Zielwert erreicht wird, legt der Arzt nach dem Gesamtrisiko und dem unbehandelten LDL-Wert fest. Die Grundlage ist in jeder Kategorie die Lebensweise.

Berechnetes und gemessenes LDL können voneinander abweichen

Viele Labore messen LDL nicht direkt und berechnen es mit der Friedewald-Formel: Gesamtcholesterin minus HDL minus ein Fünftel der Triglyceride, alles in mg/dl. Bei 240 mg/dl Gesamtcholesterin, 50 mg/dl HDL und 150 mg/dl Triglyceriden ergibt das 160 mg/dl LDL.

Die Formel hat Grenzen. Über 400 mg/dl (4,5 mmol/l) Triglyceride ist sie nicht anwendbar. Nach Mahlzeiten mit Chylomikronen im Blut unterschätzt sie das LDL, bei ungewöhnlichen Lipoproteinen wie der Typ-III-Hyperlipoproteinämie rechnet sie ungenau. Außerdem steckt im LDL-Wert, berechnet wie direkt gemessen, das Cholesterin aus Lipoprotein(a) mit. Die Martin-Hopkins-Formel ersetzt den festen Teiler 5 durch einen Faktor aus einer Tabelle und schätzt bei erhöhten Triglyceriden zuverlässiger.

Direkt gemessen wird LDL mit speziellen Testverfahren im Analysegerät. Das lohnt vor allem bei hohen Triglyceriden. Auf dem Befund steht meist, ob das LDL "berechnet" oder "direkt" bestimmt wurde. Für Verlaufskontrollen ist es sinnvoll, bei derselben Methode zu bleiben.

Die familiäre Hypercholesterinämie beginnt in der Kindheit

Bei der familiären Hypercholesterinämie ist das LDL von Geburt an erhöht, weil die Leber LDL schlecht aus dem Blut aufnimmt. In 85 bis 90 Prozent der Fälle liegt der Fehler im Gen für den LDL-Rezeptor, seltener in den Genen APOB oder PCSK9. Die Störung wird überwiegend autosomal-dominant vererbt: Jedes Kind eines betroffenen Elternteils trägt ein Risiko von 50 Prozent.

  • Häufigkeit: etwa 0,2 bis 0,5 Prozent aller Menschen, die schwere Form mit zwei veränderten Genen etwa 1 von 250.000 bis 1 von 1 Million
  • LDL bei der häufigen Form meist 200 bis 450 mg/dl, bei der schweren Form 400 bis 1.000 mg/dl
  • Verdacht bei Erwachsenen ab einem LDL über 190 mg/dl (4,9 mmol/l), bei Kindern unter 16 Jahren laut DocCheck schon ab 155 mg/dl
  • Zeichen: Knoten an Sehnen, besonders der Achillessehne, und ein Hornhautring vor dem 45. Lebensjahr
  • Folgen ohne Behandlung: Die Hälfte der betroffenen Männer erleidet vor dem 60. Lebensjahr einen Herzinfarkt, Frauen etwa 7 bis 10 Jahre später

Die Diagnose stützt sich auf LDL-Wert, Familiengeschichte und Befund, ein Gentest kann sie bestätigen. Das IQWiG rät von einem Blutfett-Screening aller Kinder ab und schlägt vor, ein Kaskadenscreening zu prüfen, bei dem gezielt die Angehörigen von Betroffenen untersucht werden.

Ernährung, Schilddrüse und Nieren treiben das LDL zusätzlich nach oben

Neben der Veranlagung erhöhen diese Faktoren das LDL:

  • Ernährung mit vielen gesättigten Fetten und Transfetten, Bewegungsmangel, Übergewicht
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • chronische Nierenerkrankungen, besonders das nephrotische Syndrom, und schlecht eingestellter Diabetes
  • Lebererkrankungen mit Gallestau
  • Medikamente wie Kortisonpräparate, Gestagene, Retinoide, Ciclosporin oder einige HIV-Medikamente

Ein LDL unter 50 mg/dl (1,3 mmol/l) ohne Behandlung ist ungewöhnlich. Ursachen sind Schilddrüsenüberfunktion, Mangelernährung, Aufnahmestörungen im Darm, Krebs oder selten eine erbliche Hypobetalipoproteinämie.

Der Arzt ordnet das LDL mit den Nachbarwerten ein

Das LDL allein zeigt die Höhe des Risikos, die Nachbarwerte zeigen die Ursache.

Kombination im Befund häufige Richtung der Abklärung
LDL über 190 mg/dl, früher Herzinfarkt in der Familie Verdacht auf familiäre Hypercholesterinämie, Untersuchung der Angehörigen
LDL erhöht, TSH erhöht Schilddrüsenunterfunktion als Ursache
LDL berechnet, Triglyceride über 400 mg/dl direkte LDL-Messung oder Wiederholung nüchtern
LDL im Ziel, trotzdem frühe Gefäßerkrankung Lipoprotein(a) bestimmen, Gesamtrisiko neu bewerten

Mahlzeiten verändern das LDL kaum, akute Krankheiten senken es

Nach einer normalen Mahlzeit verändert sich das LDL laut EAS/EFLM um höchstens etwa 8 mg/dl. Nüchternheit wird wichtig, wenn das LDL berechnet wird und die Triglyceride hoch sind. Während eines fiebrigen Infekts fallen die Cholesterinwerte vorübergehend, nach einem Herzinfarkt schwanken sie etwa 30 Tage.

Ein LDL über 190 mg/dl gehört zeitnah in ärztliche Abklärung

Ein leicht erhöhter Wert ohne weitere Risikofaktoren wird im Rahmen der Vorsorge besprochen und kontrolliert. Ein LDL über 190 mg/dl ordnet die Leitlinie schon allein als hohes Risiko ein, dann lohnt die Suche nach einer familiären Form.

Notfallzeichen sind Folgen der Gefäßverkalkung: Brustschmerz oder Engegefühl länger als fünf Minuten, Atemnot, kalter Schweiß, plötzliche Lähmung, Sprachstörung oder hängender Mundwinkel. Dann sofort den Notruf 112 wählen.

LDL-Cholesterin verursacht keine Beschwerden

Ein hohes LDL ist nicht spürbar. Nur bei sehr hohen Werten zeigen sich manchmal gelbe Flecken an den Augenlidern, Sehnenknoten oder ein grauweißer Hornhautring. Beschwerden entstehen erst durch verengte Gefäße: Brustenge bei Belastung, Schmerzen in den Waden beim Gehen, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Häufige Fragen zum LDL-Cholesterin

Ist berechnetes LDL so zuverlässig wie gemessenes?

Bei normalen Triglyceriden liegt das mit der Friedewald-Formel berechnete LDL nahe am gemessenen Wert. Über 400 mg/dl Triglyceride ist die Formel nicht anwendbar, schon darunter kann sie das LDL unterschätzen. Dann ist eine direkte Messung genauer.

Welcher LDL-Zielwert gilt ohne Vorerkrankung?

Ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung bestimmt der Arzt die Risikokategorie mit SCORE2 und weiteren Merkmalen. Bei niedrigem Risiko liegt das Ziel unter 116 mg/dl, bei mittlerem unter 100 mg/dl. Diabetes, Nierenerkrankungen oder eine familiäre Hypercholesterinämie verschieben das Ziel nach unten.

Kann das LDL zu niedrig sein?

Ohne Behandlung ist ein LDL unter 50 mg/dl ungewöhnlich und wird auf Ursachen wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder Mangelernährung untersucht. Die sehr niedrigen Zielwerte bei hohem Risiko setzt die Leitlinie bewusst, weil ein niedrigeres LDL mit weniger Herzinfarkten und Schlaganfällen einhergeht.

Was kostet die Messung des LDL-Cholesterins?

Das LDL-Cholesterin steht in der GOÄ unter Ziffer 3564.H1 mit 40 Punkten, das sind 2,33 Euro im einfachen Satz und 2,68 Euro beim 1,15-fachen Satz. Ein nur mit der Formel berechnetes LDL darf nach den Allgemeinen Bestimmungen der GOÄ nicht gesondert berechnet werden. Bei medizinischem Anlass und im Check-up zahlt die Krankenkasse, als Wunschleistung ist die Messung eine IGeL. Blutentnahme und Beratung werden separat abgerechnet.

Das LDL ist ein Teil des Gesamtcholesterins, sein Gegenspieler ist das HDL-Cholesterin. Ob ein erblich erhöhtes Lipoprotein(a) das Risiko steigert, klärt eine einmalige Messung, hohe Triglyceride verfälschen die LDL-Berechnung.

Quellen