Triglyceride: Normwerte, Ursachen und Pankreatitis-Risiko
Triglyceride sind die Speicherfette im Blut. Normwerte nüchtern und nicht nüchtern, Einfluss von Alkohol und Zucker und ab wann eine Pankreatitis droht.

TL;DR: Triglyceride sind die Fette, mit denen der Körper Energie speichert und transportiert. Als normal gelten nüchtern Werte unter etwa 150 mg/dl (1,7 mmol/l), nicht nüchtern unter etwa 175 mg/dl (2,0 mmol/l). Häufigste Ursachen erhöhter Werte sind Alkohol, viel Zucker und süße Getränke, Übergewicht, Bewegungsmangel und Diabetes, seltener erbliche Störungen und Medikamente. Je nach Quelle ab etwa 500 bis 1.000 mg/dl (5,6 bis 11,3 mmol/l) droht eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung. Triglyceride gehören weder zum kleinen noch zum großen Blutbild und werden als Teil des Lipidprofils separat angefordert. Stand: 25. September 2026.
Triglyceride bestehen aus Glycerin und drei Fettsäuren. In dieser Form speichert der Körper Fett im Fettgewebe. Die Triglyceride im Blut stammen aus zwei Quellen. Fette aus der Nahrung gelangen vom Darm in großen Transportteilchen, den Chylomikronen, zu den Geweben und zur Leber. Die Leber bildet außerdem selbst Triglyceride, auch aus Zucker und anderen Kohlenhydraten, und gibt sie in VLDL-Teilchen ins Blut ab. Das Enzym Lipoproteinlipase spaltet die Triglyceride aus Chylomikronen und VLDL in Glycerin und freie Fettsäuren, die Organe verbrennen die Fettsäuren oder das Fettgewebe speichert sie.
Nüchtern gelten Triglyceride unter 150 mg/dl als normal
Anders als beim Cholesterin hängt der Triglyceridwert deutlich von der letzten Mahlzeit ab. Die Grenzwerte unterscheiden deshalb zwischen nüchtern und nicht nüchtern.
| Angabe | üblicher Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| nüchtern, normal | unter 150 bzw. unter 1,7 | mg/dl bzw. mmol/l |
| nicht nüchtern, wünschenswert | unter 175 bzw. unter 2,0 | mg/dl bzw. mmol/l |
| grenzwertig hoch | 150 bis 200 bzw. 1,7 bis 2,3 | mg/dl bzw. mmol/l |
| hoch | 200 bis 500 bzw. 2,3 bis 5,6 | mg/dl bzw. mmol/l |
| sehr hoch | über 500 bzw. über 5,6 | mg/dl bzw. mmol/l |
| Alarmwert mit Pankreatitis-Gefahr | über 880 bzw. über 10 | mg/dl bzw. mmol/l |
Zum Umrechnen teilt man mg/dl durch 88,57, der Faktor unterscheidet sich von dem für Cholesterin. Maßgeblich ist der Referenzbereich auf dem eigenen Befund, zusammen mit der Angabe, ob nüchtern Blut abgenommen wurde.
Die letzte Mahlzeit verschiebt vor allem die Triglyceride
Nach einer normalen Mahlzeit steigen die Triglyceride laut EAS/EFLM um bis zu etwa 25 mg/dl, nach sehr fettreichem Essen deutlich stärker. Die übrigen Blutfette ändern sich kaum. Seit 2016 empfehlen die europäischen Fachgesellschaften EAS und EFLM, das Lipidprofil routinemäßig ohne Nüchternheit zu bestimmen. Liegen die Triglyceride nicht nüchtern über etwa 400 bis 440 mg/dl (4,5 bis 5 mmol/l), wird in der Regel nüchtern wiederholt.
Soll nüchtern gemessen werden, gelten 8 Stunden ohne Essen, nur stilles Wasser ist erlaubt. Früher waren 12 Stunden üblich. Auch bei Gesunden schwanken die Triglyceride von einer Messung zur nächsten um bis zu 25 Prozent. Bei akuten Entzündungen steigen sie an, eine Bewertung des Fettstoffwechsels erfolgt deshalb besser nach der Genesung. Gegen Ende einer Schwangerschaft liegen die Triglyceride natürlicherweise höher.
Alkohol und Zucker treiben die Triglyceride am stärksten nach oben
Laut Lipid-Liga stehen ein Zuviel an Alkohol, an rasch verwertbaren Kohlenhydraten und an Nahrungsfett an erster Stelle der Ursachen. Alkohol fördert die Ausschüttung von Triglyceriden aus der Leber und verzögert ihren Abbau. Aus Haushalts- und Fruchtzucker bildet die Leber Fettsäuren.
- Alkohol
- Zucker, Fruchtzucker, Weißmehl, Limonaden, Cola, Energydrinks und Fruchtsäfte
- Übergewicht, besonders am Bauch, und Bewegungsmangel
- Rauchen
- Diabetes, vor allem wenn er schlecht eingestellt ist
- Schilddrüsenunterfunktion, Gicht, chronische Leber- und Nierenerkrankungen
- Medikamente wie Östrogene zum Einnehmen, hormonelle Verhütungsmittel, Kortisonpräparate, Retinoide, Betablocker, Thiazid-Entwässerungsmittel, Ciclosporin, Tacrolimus und einige HIV-Medikamente
- erbliche Formen: die familiäre Hypertriglyceridämie bei je nach Quelle etwa 0,2 bis 2 Prozent der Menschen, die familiär kombinierte Hyperlipidämie und sehr selten das familiäre Chylomikronämie-Syndrom
Viele Betroffene können ihre Triglyceride normalisieren oder deutlich senken, wenn sie weniger Alkohol und weniger schnell verwertbaren Zucker zu sich nehmen. Die Lipid-Liga weist darauf hin, alkoholische Getränke nicht durch Limonaden oder Fruchtsaft zu ersetzen.
Sehr hohe Triglyceride können die Bauchspeicheldrüse entzünden
Erhöhte Triglyceride steigern das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, unabhängig vom LDL-Cholesterin. Bei jedem dritten Herzinfarktpatienten finden sich laut Lipid-Liga erhöhte Triglyceride.
Bei sehr hohen Werten kommt eine akute Gefahr hinzu: die Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis). Die EAS/EFLM-Empfehlung rät, Werte über 880 mg/dl (10 mmol/l) auf dem Befund als Alarmwert zu kennzeichnen. Die Lipid-Liga nennt 1.000 mg/dl (11,3 mmol/l) als Schwelle, ab der sich zudem die Fließeigenschaften des Blutes verschlechtern. Das MSD Manual für Fachkreise hält eine Pankreatitis schon ab 500 mg/dl (5,65 mmol/l) für möglich. Eine solche Entzündung kann die insulinbildenden Zellen zerstören, deshalb ist Diabetes bei Menschen mit sehr hohen Triglyceriden nicht selten. Umgekehrt misst der Arzt bei einer akuten Pankreatitis die Triglyceride, weil sie die Ursache sein können.
Niedrige Triglyceride haben kaum Bedeutung
Erniedrigte Werte sind selten und medizinisch meist unbedeutend. Vorkommen können sie bei Unter- und Mangelernährung, bei einer Schilddrüsenüberfunktion und unter hoch dosierten lipidsenkenden Medikamenten.
Der Arzt ordnet die Triglyceride mit den Nachbarwerten ein
Hohe Triglyceride sind oft ein Hinweis auf eine andere Stoffwechselstörung. Die Nachbarwerte zeigen die Richtung.
| Kombination im Befund | häufige Richtung der Abklärung |
|---|---|
| Triglyceride hoch, Glukose oder HbA1c erhöht | Diabetes oder Vorstufe |
| Triglyceride hoch, Gamma-GT erhöht | Alkohol, Fettleber |
| Triglyceride hoch, HDL niedrig, großer Bauchumfang | metabolisches Syndrom |
| Triglyceride hoch, TSH erhöht | Schilddrüsenunterfunktion |
| Triglyceride hoch, Kreatinin erhöht | Nierenerkrankung |
| Triglyceride sehr hoch, Lipase erhöht, Bauchschmerzen | akute Pankreatitis, Notfall |
Starke Oberbauchschmerzen bei hohen Triglyceriden sind ein Notfall
Ein leicht erhöhter Wert wird meist nüchtern kontrolliert, oft nach einer Phase mit weniger Alkohol und Zucker. Werte über 500 mg/dl gehören zeitnah ärztlich abgeklärt, einschließlich der Suche nach Diabetes, Schilddrüsen-, Leber- und Nierenerkrankungen. Bei Werten über 1.000 mg/dl oder familiär gehäuft sehr hohen Werten kommt eine erbliche Form in Betracht. Welche Behandlung nötig ist, legt der Arzt nach dem Gesamtrisiko fest.
Plötzliche, heftige Schmerzen im Oberbauch, die gürtelförmig in den Rücken ziehen, mit Übelkeit, Erbrechen und Fieber, deuten auf eine akute Pankreatitis. Das gilt besonders, wenn sehr hohe Triglyceride bekannt sind. Dann sofort die Notaufnahme aufsuchen oder den Notruf 112 wählen. Brustschmerz, Atemnot oder Zeichen eines Schlaganfalls sind ebenfalls ein Fall für die 112.
Triglyceride verursachen erst bei extremen Werten Beschwerden
Erhöhte Werte bis einige hundert mg/dl bleiben unbemerkt. Bei sehr hohen Werten bilden sich manchmal gelbliche Hautknötchen an Rumpf, Rücken, Ellbogen, Gesäß oder Knien (eruptive Xanthome), Leber und Milz können anschwellen. Über 2.000 mg/dl sehen die Blutgefäße der Netzhaut bei der Augenuntersuchung cremig-weiß aus.
Häufige Fragen zu Triglyceriden
Wie lange muss man vor der Messung der Triglyceride nüchtern sein?
Für eine Nüchternmessung gelten 8 Stunden ohne Essen, stilles Wasser ist erlaubt. Für die Erstbestimmung im Lipidprofil ist Nüchternheit nach aktuellen europäischen Empfehlungen nicht zwingend. Liegen die Triglyceride dabei über etwa 400 bis 440 mg/dl, wird in der Regel nüchtern wiederholt.
Warum steigen die Triglyceride durch Zucker?
Die Leber kann aus überschüssigen Kohlenhydraten Fettsäuren bilden und sie als Triglyceride ins Blut abgeben. Besonders Haushalts- und Fruchtzucker aus Süßigkeiten, Limonaden und Säften tragen dazu bei. Deshalb raten Fachleute bei hohen Werten, zuckerhaltige Getränke durch Wasser zu ersetzen.
Ab welchem Triglyceridwert droht eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?
Die Schwelle liegt je nach Quelle zwischen 500 und 1.000 mg/dl. Europäische Fachgesellschaften kennzeichnen Werte über 880 mg/dl (10 mmol/l) als Alarmwert, die Lipid-Liga nennt 1.000 mg/dl. Je höher der Wert, desto größer die Gefahr.
Sind niedrige Triglyceride bedenklich?
Niedrige Triglyceride sind selten und haben kaum medizinische Bedeutung. Ursachen sind Mangelernährung, eine Schilddrüsenüberfunktion oder hoch dosierte Lipidsenker. Der Arzt klärt nur bei zusätzlichen Hinweisen weiter ab.
Was kostet die Messung der Triglyceride?
Die Triglyceride stehen in der GOÄ unter Ziffer 3565.H1 mit 40 Punkten, das sind 2,33 Euro im einfachen Satz und 2,68 Euro beim 1,15-fachen Satz. Bei medizinischem Anlass, etwa Bauchschmerzen oder Diabetes, und im Gesundheits-Check-up zahlt die gesetzliche Krankenkasse, als Wunschleistung ohne Anlass ist die Messung eine IGeL. Blutentnahme und Beratung werden separat abgerechnet.
Zusammen mit dem Gesamtcholesterin, dem HDL-Cholesterin und dem LDL-Cholesterin bilden die Triglyceride das Lipidprofil. Bei Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung ist die Lipase der wichtigste Laborwert.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Triglyceride
- DGFL (Lipid-Liga): Patientenratgeber Erhöhte Triglyzeride (PDF)
- European Heart Journal: Fasting is not routinely required for determination of a lipid profile, EAS/EFLM-Konsensus 2016
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Dyslipidämie
- Internisten im Netz: Fettstoffwechselstörung, Behandlung
- DGK/ESC: Pocket-Leitlinie Dyslipidämien, Focused Update 2025 (PDF)