Gesamteiweiß und Albumin: Normwerte und Abweichungen

Gesamteiweiß und Albumin spiegeln Leberleistung, Eiweißverlust und Flüssigkeitshaushalt. Normwerte, Ursachen von Abweichungen und die Elektrophorese.

Behandschuhte Hand notiert Angaben neben einem Metalltablett mit weißen Probenbehältern
Erfassung von Laborproben, Symbolbild. Foto: hamiltonpaviana / Pixabay.

TL;DR: Das Gesamteiweiß misst alle Eiweiße im Blutserum, das Albumin den größten Einzelanteil davon, rund 60 Prozent. Bei Erwachsenen liegt das Gesamteiweiß üblich bei etwa 6,0 bis 8,3 g/dl (60 bis 83 g/l), das Albumin bei etwa 3,5 bis 5,2 g/dl (35 bis 52 g/l). Niedrige Werte entstehen bei schweren Lebererkrankungen, bei Eiweißverlust über Niere oder Darm, bei Mangelernährung und Entzündungen, hohe Werte vor allem bei Flüssigkeitsmangel, chronischen Entzündungen und selten bei einem Plasmozytom. Beide Werte gehören weder zum kleinen noch zum großen Blutbild und werden separat aus dem Serum bestimmt. Stand: 25. September 2026.

Im Blut kreisen viele verschiedene Eiweiße, die zusammen das Gesamteiweiß bilden. Den größten Anteil stellt das Albumin. Es wird in der Leber gebildet, hält als Wasserbinder die Flüssigkeit in den Blutgefäßen und transportiert Calcium, Magnesium, Zink, Bilirubin, Fettsäuren, Hormone und viele Medikamente. Den Rest bilden die Globuline: Antikörper der Immunabwehr, weitere Transporteiweiße, Enzyme und Gerinnungsfaktoren. Weil das Gesamteiweiß aus Serum gemessen wird, fehlt darin das Gerinnungseiweiß Fibrinogen, das bei der Gerinnung der Probe verbraucht wird.

Albumin macht rund 60 Prozent des Bluteiweißes aus

Die Labore geben Gesamteiweiß und Albumin in Gramm pro Deziliter (g/dl) oder Gramm pro Liter (g/l) an. Ein g/dl entspricht 10 g/l.

Angabe üblicher Bereich Einheit
Gesamteiweiß, Erwachsene etwa 6,0 bis 8,3 g/dl
Gesamteiweiß, Erwachsene etwa 60 bis 83 g/l
Albumin, Erwachsene etwa 3,5 bis 5,2 g/dl
Albumin, Erwachsene etwa 35 bis 52 g/l
Albumin-Anteil in der Elektrophorese etwa 54 bis 65 Prozent

Manche Labore setzen die Untergrenze des Gesamteiweißes etwas höher an, bei 6,2 oder 6,4 g/dl. Neugeborene und Kinder haben niedrigere Werte als Erwachsene. Maßgeblich ist der Referenzbereich, den das Labor auf dem eigenen Befund abdruckt.

Niedrige Werte kommen von Leber, Niere, Darm oder Ernährung

Ein zu niedriges Gesamteiweiß geht fast immer auf ein zu niedriges Albumin zurück. Dafür gibt es vier Hauptwege: Die Leber bildet zu wenig, der Körper verliert zu viel, es fehlt an Baumaterial oder das Blut ist verdünnt.

  • Leberzirrhose und andere schwere Lebererkrankungen, bei denen die Leber zu wenig Albumin herstellt
  • nephrotisches Syndrom, bei dem die Nieren mehr als 3 g Eiweiß pro Tag mit dem Urin verlieren
  • Eiweißverlust über den Darm und gestörte Aufnahme von Nährstoffen
  • großflächige Verbrennungen, über die Eiweiß aus der Wunde verloren geht
  • Mangelernährung, bei der dem Körper das Baumaterial für neues Eiweiß fehlt
  • akute und chronische Entzündungen, bei denen die Leber zugunsten von Abwehreiweißen weniger Albumin bildet
  • Überwässerung, zum Beispiel durch Infusionen, die das Blut verdünnen

Sinkt das Albumin stark, kann es die Flüssigkeit nicht mehr in den Gefäßen halten. Wasser tritt ins Gewebe über, es entstehen Schwellungen an Beinen und Augenlidern oder Wasser im Bauch. Beim nephrotischen Syndrom liegt das Albumin häufig unter 2,5 g/dl (25 g/l).

Hohe Werte zeigen meist Flüssigkeitsmangel oder vermehrte Globuline

Ein erhöhtes Gesamteiweiß ist seltener als ein erniedrigtes. Die häufigsten Gründe:

  • Flüssigkeitsmangel, etwa durch Durchfall, Erbrechen, Fieber oder zu wenig Trinken, bei dem alle Eiweiße konzentrierter vorliegen
  • chronische Entzündungen, bei denen der Körper vermehrt Antikörper bildet
  • monoklonale Gammopathien, bei denen eine einzelne Zellgruppe große Mengen eines einzigen Antikörpers herstellt, etwa beim Plasmozytom (multiples Myelom) oder beim Morbus Waldenström

Ein erhöhtes Albumin ist selten. Es entsteht meist durch Flüssigkeitsmangel und normalisiert sich, sobald der Körper wieder ausreichend Wasser hat.

Stauung, Körperhaltung und Muskelarbeit verfälschen den Wert

Gesamteiweiß und Albumin reagieren empfindlich auf die Umstände der Blutentnahme. Staut der Arzt den Arm länger als etwa drei Minuten, tritt Wasser aus dem Gefäß ins Gewebe, und große Moleküle wie Eiweiße reichern sich in der Probe an. Auch im Stehen oder Sitzen liegen die Werte höher als im Liegen, ebenso nach Muskelarbeit kurz vor der Entnahme. Umgekehrt verdünnt eine laufende Infusion das Blut. Labore empfehlen deshalb eine kurze Stauzeit von höchstens einer Minute.

Weil Gesamteiweiß und Hämatokrit gleichermaßen vom Wassergehalt des Blutes abhängen, prüft der Arzt bei auffälligen Werten oft den Hämatokrit mit. Steigen beide gemeinsam, spricht das für eine Eindickung durch Flüssigkeitsmangel.

Die Elektrophorese trennt das Eiweiß in fünf Fraktionen

Ist das Gesamteiweiß auffällig, folgt häufig eine Serumelektrophorese. Dabei wandern die Eiweiße in einem elektrischen Feld unterschiedlich schnell und trennen sich in fünf Gruppen: Albumin, Alpha-1-, Alpha-2-, Beta- und Gammaglobuline. Das Ergebnis ist eine Kurve mit fünf Gipfeln, deren Form typische Muster zeigt.

  • akute Entzündung: Albumin erniedrigt, Alphaglobuline erhöht
  • chronische Entzündung: Gammaglobuline breit erhöht
  • Antikörpermangel: Gammaglobuline erniedrigt oder kaum vorhanden
  • monoklonale Gammopathie: schmale, spitze Zacke im Beta- oder Gammabereich, der sogenannte M-Gradient

Ein M-Gradient wird mit einer Immunfixation weiter untersucht. Er kann auf ein Plasmozytom hinweisen, findet sich aber häufiger bei einer MGUS, einer Vorstufe ohne eigene Beschwerden, die der Arzt in Abständen kontrolliert.

Der Arzt liest Eiweißwerte zusammen mit Leber, Niere und Calcium

Kombination häufige Richtung der Abklärung
Gesamteiweiß und Albumin niedrig, Eiweiß im Urin, Schwellungen nephrotisches Syndrom, Abklärung der Nieren
Albumin niedrig, Bilirubin erhöht, Quick erniedrigt eingeschränkte Leberfunktion
Albumin niedrig, CRP erhöht Entzündung als Ursache
Gesamteiweiß erhöht, Albumin normal, M-Gradient in der Elektrophorese monoklonale Gammopathie, hämatologische Abklärung
Gesamteiweiß, Albumin und Hämatokrit erhöht Flüssigkeitsmangel
Albumin niedrig, Calcium niedrig oft nur scheinbarer Calciummangel, ionisiertes Calcium messen

Der letzte Punkt führt häufig zu Missverständnissen. Ein Teil des Calciums im Blut ist an Albumin gebunden. Sinkt das Albumin um 1 g/dl, fällt das gemessene Gesamtcalcium um etwa 0,8 mg/dl (0,2 mmol/l), obwohl das freie, wirksame Calcium normal sein kann. Diese unechte Hypokalzämie verursacht keine Beschwerden und ist für sich genommen nicht behandlungsbedürftig.

Ein deutlich erniedrigtes Albumin wird immer abgeklärt

Eine leichte Abweichung ohne Beschwerden geht oft auf Stauung, Körperhaltung oder den Wasserhaushalt zurück und wird bei Gelegenheit kontrolliert. Ein deutlich erniedrigtes Albumin wird immer abgeklärt: Der Arzt untersucht den Urin auf Eiweiß, bestimmt Leber- und Nierenwerte und fragt nach Ernährung und Gewichtsverlust. Ein erhöhtes Gesamteiweiß bei normalem Albumin führt zur Elektrophorese.

Notfallzeichen hängen von der Ursache ab. Beim nephrotischen Syndrom neigt das Blut zur Gerinnung: Ein plötzlich geschwollenes, schmerzhaftes Bein oder Atemnot mit Brustschmerz gehören sofort über den Notruf 112 abgeklärt. Das gilt auch für rasch zunehmende Wassereinlagerungen mit Luftnot. Bei starkem Flüssigkeitsmangel sind Verwirrtheit, kaum noch Urin und Kreislaufschwäche Alarmzeichen, besonders bei älteren Menschen und kleinen Kindern.

Beschwerden kommen von der Ursache

Gesamteiweiß und Albumin verursachen selbst keine Beschwerden, solange sie nur leicht abweichen. Erst ein stark erniedrigtes Albumin zeigt sich durch Schwellungen an Knöcheln, Unterschenkeln und Augenlidern oder einen zunehmenden Bauchumfang. Beim nephrotischen Syndrom schäumt der Urin, dazu kommen Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit. Flüssigkeitsmangel äußert sich durch Durst, trockene Schleimhäute und dunklen Urin.

Häufige Fragen zu Gesamteiweiß und Albumin

Gehören Gesamteiweiß und Albumin zum großen Blutbild?

Nein, beide sind Werte der klinischen Chemie und werden aus dem Serum bestimmt, das Blutbild dagegen aus EDTA-Blut. Der Arzt fordert sie gezielt an, etwa bei Schwellungen, Leber- oder Nierenerkrankungen oder bei Verdacht auf Mangelernährung. Beide Proben lassen sich bei einer Blutentnahme gewinnen.

Zeigt das Albumin eine Mangelernährung zuverlässig an?

Nur eingeschränkt, weil Albumin eine Halbwertszeit von rund 20 Tagen hat und deshalb erst nach Wochen auf eine veränderte Ernährung reagiert. Zudem senken Entzündungen das Albumin unabhängig von der Ernährung. Der Arzt bewertet den Wert deshalb zusammen mit Gewichtsverlauf, Entzündungswerten und Befragung.

Warum verändert ein niedriges Albumin den Calciumwert?

Ein Teil des Calciums ist im Blut an Albumin gebunden. Fehlt Albumin, sinkt das gemessene Gesamtcalcium um etwa 0,8 mg/dl je 1 g/dl Albuminverlust, obwohl das freie Calcium normal sein kann. Der Arzt misst dann das ionisierte Calcium oder rechnet den Wert um.

Wann wird eine Eiweißelektrophorese gemacht?

Die Elektrophorese folgt meist auf ein auffälliges Gesamteiweiß oder Albumin und bei Verdacht auf eine Entzündung, eine Lebererkrankung, einen Antikörpermangel oder eine monoklonale Gammopathie. Sie zeigt, welche Eiweißgruppe verändert ist. Ein M-Gradient wird mit einer Immunfixation weiter abgeklärt.

Was kostet die Messung von Gesamteiweiß und Albumin?

Das Gesamteiweiß steht in der GOÄ unter Ziffer 3573.H1, das Albumin unter Ziffer 3570.H1, jeweils mit 30 Punkten: 1,75 Euro im einfachen Satz und 2,01 Euro beim im Labor üblichen Faktor 1,15. Die Serumelektrophorese nach Ziffer 3574 kostet 11,66 beziehungsweise 13,41 Euro. Bei medizinischem Anlass zahlt die gesetzliche Krankenkasse, ohne Anlass sind die Messungen Selbstzahlerleistungen (IGeL), Blutentnahme und Beratung kommen hinzu.

Wie das Albumin den Calciumwert verschiebt, zeigt der Artikel zum Calcium. Die Nierenfunktion bei Eiweißverlust beschreibt der Artikel zur eGFR, den zweiten Wert für den Wasserhaushalt der Artikel zum Hämatokrit. Alle Werte im Überblick stehen in der Blutwerte-Tabelle.

Quellen