LDH-Wert: Normbereich und was eine Erhöhung bedeutet

Die LDH steckt in fast allen Körperzellen und steigt bei Zellschäden. Normbereich, Ursachen wie Hämolyse und Tumoren sowie typische Fehler der Probe.

Gerenderte Darstellung von Bindegewebe mit rundlichen Zellen, Fasern und roten Blutgefäßen
Körperzellen im Gewebe, Symbolbild. Bild: IMGMIDI / Pixabay.

TL;DR: Die Laktatdehydrogenase, kurz LDH, ist ein Enzym aus fast allen Körperzellen, das bei Zellschäden ins Blut übertritt. Bei Erwachsenen liegt der Wert üblich unter etwa 250 U/l, viele Labore nennen etwa 135 bis 215 U/l für Frauen und 135 bis 225 U/l für Männer. Erhöhte Werte entstehen durch den Zerfall roter Blutkörperchen, durch Leber-, Muskel- und Herzschäden, einen Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure und durch Tumoren, häufig aber auch durch eine Probe, in der Blutzellen geplatzt sind. Die LDH ist unspezifisch: Sie zeigt, dass Gewebe zerfällt, aber nicht wo. Sie gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild und wird separat aus dem Serum bestimmt. Stand: 25. September 2026.

Die LDH beschleunigt in der Zelle einen Schritt der Energiegewinnung ohne Sauerstoff, die Umwandlung von Pyruvat in Laktat und zurück. Weil jede Zelle diesen Stoffwechselweg nutzt, kommt das Enzym im ganzen Körper vor. Es gibt fünf Varianten, die Isoenzyme LDH-1 bis LDH-5. LDH-1 und LDH-2 überwiegen in Herzmuskel, roten Blutkörperchen und Nieren, LDH-5 im Skelettmuskel. Gehen Zellen zugrunde, gelangt ihre LDH ins Blut und der Messwert steigt. Die Routinemessung erfasst die Summe aller Isoenzyme.

Bei Erwachsenen liegt die LDH unter etwa 250 U/l

Die Labore messen die LDH bei 37 °C nach der Methode der internationalen Fachgesellschaft IFCC. Die Grenzwerte unterscheiden sich je nach Labor und Gerät, für Kinder gelten eigene Bereiche.

Angabe üblicher Bereich Einheit
Frauen etwa 135 bis 215 U/l
Männer etwa 135 bis 225 U/l
Erwachsene, häufige Obergrenze unter etwa 250 U/l
Kinder von 2 bis 15 Jahren etwa 120 bis 300 U/l
Neugeborene (4. bis 20. Tag) etwa 225 bis 600 U/l

Maßgeblich ist der Referenzbereich, den das Labor auf dem eigenen Befund abdruckt. Werte aus verschiedenen Laboren oder mit verschiedenen Messmethoden lassen sich nur mit Vorsicht vergleichen, deshalb läuft eine Verlaufskontrolle am besten immer über dasselbe Labor.

Geplatzte Blutzellen in der Probe sind eine häufige Fehlerquelle

Rote Blutkörperchen enthalten viel LDH. Platzen sie bei der Blutentnahme oder auf dem Weg ins Labor, etwa durch starken Sog in der Nadel, lange Lagerung oder Einfrieren von Vollblut, tritt ihr Enzym ins Serum über. Der Wert ist dann falsch erhöht, obwohl im Körper nichts zerfällt. Fachleute nennen das In-vitro-Hämolyse. Häufig ist gleichzeitig das Kalium falsch erhöht, weil auch Kalium aus den geplatzten Zellen stammt.

Ein einzelner erhöhter LDH-Wert ohne weitere Auffälligkeiten wird deshalb zuerst mit einer frischen, sorgfältig abgenommenen Probe wiederholt. Erst wenn der Wert dann noch erhöht ist, lohnt die Suche nach einer Ursache im Körper.

Zerfall roter Blutkörperchen und Gewebeschäden erhöhen die LDH

Eine echte Erhöhung zeigt, dass irgendwo im Körper vermehrt Zellen zugrunde gehen. Die wichtigsten Ursachen:

  • Hämolyse im Körper, also der vorzeitige Abbau roter Blutkörperchen, etwa bei hämolytischen Anämien
  • Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure, weil im Knochenmark viele fehlerhaft gebildete Blutzellen zugrunde gehen
  • Leberentzündungen und andere Leberschäden
  • Verletzungen und Erkrankungen der Skelettmuskulatur
  • Herzinfarkt
  • Leukämien und Lymphome
  • andere Tumoren mit hohem Zellumsatz, etwa fortgeschrittene Keimzelltumoren des Hodens

Weil das Herz-Isoenzym LDH-1 eine Halbwertszeit von rund 110 Stunden hat, bleibt die LDH nach einem Herzinfarkt tagelang erhöht. Die Diagnose des Infarkts stützt sich heute auf das Troponin.

Bei Hämolyse steigt die LDH zusammen mit dem Bilirubin

Werden rote Blutkörperchen im Körper abgebaut, zeigt sich ein typisches Muster. Die LDH und das indirekte Bilirubin steigen, das Haptoglobin sinkt, weil es freies Hämoglobin bindet und dabei verbraucht wird. Die Retikulozyten, die jungen roten Blutkörperchen, nehmen zu, weil das Knochenmark den Verlust auszugleichen versucht. Im Urin findet sich vermehrt Urobilinogen. Auch für die anderen Ursachen zeigen die Nachbarwerte, woher die LDH stammt.

Kombination häufige Richtung der Abklärung
LDH und Kalium erhöht, übrige Werte unauffällig Verdacht auf geplatzte Zellen in der Probe, Wiederholung
LDH und indirektes Bilirubin erhöht, Haptoglobin erniedrigt, Retikulozyten erhöht Hämolyse im Körper, hämatologische Abklärung
LDH erhöht, Hämoglobin erniedrigt, MCV erhöht Vitamin-B12- oder Folsäuremangel
LDH erhöht, GOT und GPT erhöht Leberschaden, weitere Leberdiagnostik
LDH erhöht, CK erhöht Muskelschaden
LDH erhöht, Lymphknotenschwellung, Nachtschweiß, Gewichtsverlust Abklärung auf ein Lymphom

Bei Lymphomen und Keimzelltumoren dient die LDH als Verlaufswert

Die LDH ist kein Suchtest für Krebs. Ein erhöhter Wert allein erlaubt keine Diagnose, weil zu viele harmlose und andere Ursachen in Frage kommen. Bei bekannten Tumorerkrankungen hat sie dagegen einen festen Platz.

Beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom gibt die LDH Auskunft über Zellteilung und Zellumsatz. Sie ist einer von fünf Faktoren im Internationalen Prognostischen Index (IPI), mit dem Hämatologen die Aussichten einer Behandlung einschätzen: Ein Wert über der oberen Normgrenze zählt als Risikopunkt.

Bei Keimzelltumoren des Hodens gehört die LDH neben AFP und HCG zu den drei klassischen Tumormarkern. Sie korreliert gut mit der Tumorlast und wird zur Beurteilung von Prognose und Therapieerfolg bei fortgeschrittenen Tumoren genutzt. Sinkt ein erhöhter Wert unter der Behandlung, spricht das für ein Ansprechen, ein erneuter Anstieg wird weiter abgeklärt.

Ein erhöhter Wert wird nach Höhe und Begleitbefunden abgeklärt

Ein leicht erhöhter Einzelwert bei einem gesunden Menschen ohne Beschwerden wird wiederholt. Bestätigt sich die Erhöhung, bestimmt der Arzt die Werte, die eine Richtung zeigen: Blutbild mit Retikulozyten, Bilirubin, Haptoglobin, Leberwerte, CK und bei Bedarf Vitamin B12 und Folsäure. Eine deutliche Erhöhung zusammen mit Blutarmut, Lymphknotenschwellungen oder ungewolltem Gewichtsverlust führt zur Überweisung zum Hämatologen.

Als Notfall gilt ein schneller Zerfall roter Blutkörperchen. Warnzeichen sind plötzliche Gelbfärbung von Haut und Augen, rötlicher oder rotbrauner Urin, Schüttelfrost, Fieber, Rücken- und Bauchschmerzen sowie starker Schwindel. Wer diese Zeichen bemerkt, lässt sich noch am selben Tag in einer Notaufnahme untersuchen, bei Kreislaufschwäche oder Bewusstseinsstörung über den Notruf 112.

Die LDH verursacht selbst keine Beschwerden

Beschwerden kommen von der Ursache. Bei einer Hämolyse sind das Blässe, Müdigkeit, Schwindel und Schwäche, bei stärkerem Abbau Gelbsucht und eine vergrößerte Milz. Ein Vitamin-B12-Mangel kann zusätzlich Kribbeln in Händen und Füßen verursachen. Lebererkrankungen bleiben oft lange ohne Beschwerden. Lymphome zeigen sich häufig durch schmerzlose Lymphknotenschwellungen, Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust.

Häufige Fragen zur LDH

Gehört die LDH zum großen Blutbild?

Nein, die LDH ist ein Wert der klinischen Chemie und wird aus dem Serum bestimmt, das Blutbild dagegen aus EDTA-Blut. Der Arzt fordert sie gezielt an, zum Beispiel bei Verdacht auf Hämolyse, bei Blutarmut oder zur Verlaufskontrolle einer Tumorerkrankung. Beide Proben lassen sich bei einer Blutentnahme gewinnen.

Kann ein erhöhter LDH-Wert harmlos sein?

Ja, sehr häufig sogar, weil schon geplatzte Blutzellen in der Probe den Wert anheben. Auch kleinere Muskelverletzungen können den Wert vorübergehend anheben. Eine Wiederholung mit einer frischen Probe klärt das meist.

Ist die LDH ein Tumormarker?

Die LDH ist ein unspezifischer Marker, der bei vielen Tumoren mit hohem Zellumsatz steigt. Als Suchtest bei Gesunden taugt sie nicht, weil ein erhöhter Wert viele andere Ursachen haben kann. Bei Lymphomen und Keimzelltumoren nutzen Ärzte sie für Prognose und Verlaufskontrolle.

Warum wird bei hoher LDH das Haptoglobin bestimmt?

Haptoglobin bindet freies Hämoglobin aus zerfallenen roten Blutkörperchen und wird dabei verbraucht. Ist die LDH erhöht und das Haptoglobin erniedrigt, spricht das für eine Hämolyse im Körper. Ein normales Haptoglobin spricht eher gegen eine stärkere Hämolyse und lenkt den Blick auf Leber, Muskeln oder andere Gewebe.

Was kostet die Messung der LDH?

Die LDH steht in der GOÄ unter Ziffer 3597.H1 mit 40 Punkten, das ergibt 2,33 Euro im einfachen Satz und 2,68 Euro beim im Labor üblichen Faktor 1,15. Die Auftrennung in Isoenzyme kostet nach Ziffer 3785 17,49 beziehungsweise 20,11 Euro. Bei medizinischem Anlass zahlt die gesetzliche Krankenkasse, ohne Anlass ist die Messung eine Selbstzahlerleistung (IGeL), Blutentnahme und Beratung kommen hinzu.

Die Zeichen einer Hämolyse im Blutbild erklärt der Artikel zu den Retikulozyten, den Abbau des Hämoglobins der Artikel zum Bilirubin. Wie ein Mangel die Blutbildung stört, steht bei Vitamin B12, eine Übersicht aller Werte in der Blutwerte-Tabelle.

Quellen