Lipase-Wert: Normbereich und Bedeutung bei Pankreatitis

Die Lipase ist das Leitenzym der Bauchspeicheldrüse. Normbereich, die Grenze beim Dreifachen der Norm bei Pankreatitis und warum Amylase ausgedient hat.

Mann in hellblauem Hemd mit gestreifter Krawatte presst beide Hände auf den Bauch
Hände auf dem Bauch, Symbolbild. Foto: HansMartinPaul / Pixabay.

TL;DR: Die Lipase ist ein fettspaltendes Verdauungsenzym der Bauchspeicheldrüse, von dem ein kleiner Teil ins Blut übertritt. Bei Erwachsenen liegt der Wert üblich bei etwa 13 bis 60 U/l. Ein Anstieg auf mindestens das Dreifache der oberen Normgrenze spricht zusammen mit typischen Oberbauchschmerzen für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis). Leichtere Erhöhungen kommen auch bei Gallenwegserkrankungen, Nierenschwäche und anderen Erkrankungen im Bauchraum vor. Die Lipase gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild und wird gezielt bei Bauchbeschwerden aus dem Serum bestimmt. Stand: 25. September 2026.

Die Bauchspeicheldrüse, medizinisch Pankreas, liegt quer im Oberbauch hinter dem Magen. Sie bildet Verdauungssäfte, die über den Pankreasgang in den Zwölffingerdarm fließen. Die Lipase spaltet dort Nahrungsfette und setzt Fettsäuren frei, die der Darm aufnehmen kann. Ins Blut gelangt normalerweise nur wenig davon. Entzündet sich die Drüse oder staut sich ihr Gang, tritt deutlich mehr Enzym ins Blut über und der Messwert steigt. Das Labor bestimmt die Pankreaslipase im Serum.

Bei Erwachsenen liegt die Lipase bei etwa 13 bis 60 U/l

Die Lipase wird bei 37 °C gemessen und in Units pro Liter (U/l) angegeben. Die Obergrenze hängt von der Messmethode ab, deshalb weichen die Bereiche zwischen Laboren voneinander ab.

Angabe üblicher Bereich Einheit
Erwachsene etwa 13 bis 60 U/l
Kinder bis etwa 40 U/l

Maßgeblich ist der Referenzbereich, den das Labor auf dem eigenen Befund abdruckt. Das gilt besonders für die Dreifach-Grenze bei der Pankreatitis: Sie bezieht sich immer auf die Obergrenze des jeweiligen Labors. Bei einer Obergrenze von 60 U/l liegt sie bei 180 U/l.

Das Dreifache der Obergrenze ist die Schwelle für eine Pankreatitis

Nach der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS) steht die Diagnose einer akuten Pankreatitis, wenn mindestens zwei von drei Kriterien erfüllt sind:

  • typische Bauchschmerzen, akut beginnend, anhaltend, im Oberbauch und oft gürtelförmig in den Rücken ausstrahlend
  • eine Lipase im Serum von mindestens dem Dreifachen der oberen Normgrenze
  • typische Befunde in der Bildgebung, etwa im Ultraschall, in der Computertomografie oder im MRT

Die Lipase steigt am ersten Krankheitstag an. Wann sie wieder normal ist, geben die Quellen unterschiedlich an: das MSD Manual meist nach drei bis sieben Tagen, das Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik nach etwa acht bis 14 Tagen. Die Höhe des Werts sagt nichts über die Schwere der Entzündung und nichts über ihre Ursache. Ein Wert beim Zehnfachen der Norm spricht also nicht automatisch für einen schwereren Verlauf als einer beim Vierfachen. Für die Einschätzung der Schwere nutzen Ärzte das täglich bestimmte CRP, bildgebende Verfahren und Punktesysteme.

Die Schwelle hat Grenzen. In einer Studie, die die Leitlinie zitiert, blieb die Lipase bei 18 Prozent der Menschen mit akuter Pankreatitis unter dem Dreifachen der Norm, besonders bei alkoholbedingter Entzündung. Hat eine frühere Entzündung bereits viel Drüsengewebe zerstört, kann der Wert sogar normal bleiben. Dann entscheiden Schmerzbild und Bildgebung.

Lipase hat die Amylase in der Diagnostik abgelöst

Früher bestimmten Ärzte bei Bauchschmerzen die Amylase, ein Enzym, das Stärke spaltet. Die Amylase stammt allerdings aus der Bauchspeicheldrüse und aus den Speicheldrüsen und steigt auch bei Speicheldrüsenerkrankungen und bei einer sogenannten Makroamylasämie. Die Leitlinie fordert wegen dieser unzureichenden Spezifität ausschließlich die Bestimmung der Lipase. Beide Werte gemeinsam zu messen macht die Diagnose nicht empfindlicher. Die Amylase wird deshalb für die Pankreatitis-Diagnose kaum noch gebraucht.

Auch ohne Pankreatitis kann die Lipase steigen

Leichtere Erhöhungen haben oft andere Gründe. Die Lipase steigt unter anderem bei:

  • Gallenblasenentzündung und Gallensteinen
  • Verschluss des Pankreasgangs und nach einer Spiegelung der Gallen- und Pankreasgänge (ERCP)
  • Nierenschwäche und Nierenversagen
  • einem durchgebrochenen Magengeschwür, Darmverschluss oder einer Durchblutungsstörung des Darms
  • Leberentzündung und diabetischer Ketoazidose, einer Stoffwechselentgleisung bei Diabetes
  • zu langer Stauung des Arms bei der Blutentnahme, die den Wert leicht anhebt

Erniedrigte Werte kommen bei fortgeschrittener chronischer Pankreatitis und bei Mukoviszidose vor, wenn kaum noch funktionierendes Drüsengewebe vorhanden ist. Für den Alltag spielt ein niedriger Wert keine Rolle.

Nachbarwerte zeigen den Auslöser einer Pankreatitis

Rund 80 Prozent der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündungen gehen auf Gallenwegserkrankungen oder Alkohol zurück, etwa 15 Prozent bleiben ohne erkennbare Ursache. Seltener sind Stoffwechselstörungen, Medikamente und Eingriffe wie die ERCP. Die Leitlinie empfiehlt deshalb, neben der Lipase Gallenwerte, Transaminasen, Triglyceride und Calcium zu bestimmen.

Kombination häufige Richtung der Abklärung
Lipase über dem Dreifachen, typische Oberbauchschmerzen akute Pankreatitis, Aufnahme in die Klinik
Lipase erhöht, Bilirubin, AP, Gamma-GT und GOT erhöht Gallenstein als Auslöser, Ultraschall der Gallenwege
Lipase erhöht, Gamma-GT erhöht, Alkoholkonsum alkoholbedingte Pankreatitis
Lipase erhöht, Triglyceride stark erhöht Fettstoffwechselstörung als Auslöser
Lipase erhöht, Calcium erhöht Überfunktion der Nebenschilddrüsen als Auslöser
Lipase leicht erhöht, Kreatinin erhöht, keine Bauchschmerzen Nierenschwäche als Erklärung

Sehr hohe Triglyceride sind ein eigener Auslöser. Werte über etwa 1.000 mg/dl, das sind rund 11,3 mmol/l, erhöhen das Risiko einer Pankreatitis deutlich, besonders bei einer erblichen Störung des Fettabbaus.

Starke Oberbauchschmerzen gehören am selben Tag in ärztliche Hände

Eine akute Pankreatitis verläuft bei etwa 80 Prozent der Betroffenen mild und heilt meist folgenlos aus. Bei etwa 20 Prozent entsteht eine schwere Form mit abgestorbenem Drüsengewebe, deren Sterblichkeit bei 15 bis 20 Prozent liegt. Ein Verdacht wird deshalb immer sofort abgeklärt.

Anhaltende, bohrende Schmerzen im Oberbauch, die gürtelförmig in den Rücken ziehen, mit Übelkeit und Erbrechen gehören noch am selben Tag in eine Notaufnahme. Den Notruf 112 wählt, wer zusätzlich Kreislaufschwäche, Atemnot, Fieber, Verwirrtheit, einen harten Bauch oder bläuliche Verfärbungen an der Flanke oder um den Nabel bemerkt. Die Verfärbungen sind Einblutungen und ein Zeichen für einen schweren Verlauf.

Eine leicht erhöhte Lipase ohne Beschwerden ist dagegen kein Notfall. Der Arzt prüft die Nierenwerte, fragt nach Medikamenten und misst bei Bedarf nach einigen Tagen erneut.

Die Lipase selbst verursacht keine Beschwerden

Was Betroffene spüren, kommt von der Ursache. Bei einer akuten Pankreatitis ist das der ständige, bohrende Schmerz im Oberbauch, der bei etwa der Hälfte in den Rücken ausstrahlt, dazu Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüche. Gallensteine machen sich durch krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch bemerkbar. Eine Nierenschwäche bleibt lange ohne Beschwerden.

Häufige Fragen zur Lipase

Gehört die Lipase zum großen Blutbild?

Nein, die Lipase ist ein Wert der klinischen Chemie und wird aus dem Serum bestimmt, das Blutbild dagegen aus EDTA-Blut. Der Arzt fordert sie gezielt an, vor allem bei akuten Oberbauchschmerzen. Beide Untersuchungen lassen sich aus einer Blutentnahme durchführen.

Ab welchem Lipase-Wert liegt eine Pankreatitis vor?

Als Schwelle gilt das Dreifache der oberen Normgrenze des Labors, bei einer Obergrenze von 60 U/l also etwa 180 U/l. Die Diagnose stellt der Arzt aber erst, wenn zusätzlich typische Schmerzen oder passende Befunde in der Bildgebung vorliegen. Ein erhöhter Wert allein genügt dafür nicht.

Warum wird die Amylase kaum noch bestimmt?

Die Amylase stammt auch aus den Speicheldrüsen und ist deshalb weniger spezifisch für die Bauchspeicheldrüse. Die Leitlinie der DGVS fordert deshalb ausschließlich die Lipase. Beide Enzyme zusammen zu messen erkennt eine Pankreatitis nicht häufiger als die Lipase allein.

Kann eine Pankreatitis bei normaler Lipase vorliegen?

Ja, das kommt vor, besonders wenn frühere Entzündungen viel Drüsengewebe zerstört haben oder wenn die Messung erst Tage nach Beginn der Beschwerden erfolgt. Bei 18 Prozent der Betroffenen bleibt die Lipase laut einer von der Leitlinie zitierten Studie unter dem Dreifachen der Norm. Die Diagnose stützt sich dann auf Schmerzbild und Bildgebung.

Was kostet die Messung der Lipase?

Die Lipase steht in der GOÄ unter Ziffer 3598.H1 mit 50 Punkten, das ergibt 2,91 Euro im einfachen Satz und 3,35 Euro beim im Labor üblichen Faktor 1,15. Die Amylase kostet nach Ziffer 3588.H1 gleich viel. Bei Beschwerden zahlt die gesetzliche Krankenkasse, ohne Anlass ist die Messung eine Selbstzahlerleistung (IGeL), Blutentnahme und Beratung kommen hinzu.

Wie sehr hohe Blutfette eine Pankreatitis auslösen können, erklärt der Artikel zu den Triglyceriden. Den Entzündungswert für den Verlauf beschreibt der Artikel zum CRP, die Gallenwerte stehen bei Gamma-GT und Bilirubin.

Quellen