Natrium im Blut: Normwerte, Mangel und Überschuss
Natrium zeigt, ob Wasser und Salz im Körper im Gleichgewicht sind. Normwerte, Ursachen von Mangel und Überschuss, Medikamente und Notfallzeichen.

TL;DR: Natrium ist das wichtigste Salz im Blut und in der Flüssigkeit außerhalb der Zellen, sein Wert zeigt vor allem, ob Wasser und Salz im Körper im Gleichgewicht stehen. Bei Erwachsenen liegt er üblich bei etwa 135 bis 145 mmol/l. Ein zu niedriger Wert entsteht meist durch zu viel Wasser im Verhältnis zum Salz, etwa durch Medikamente wie Thiazide und SSRI, Herzschwäche, Leberzirrhose oder sehr große Trinkmengen beim Ausdauersport. Ein zu hoher Wert bedeutet fast immer Wassermangel, besonders häufig bei älteren Menschen. Natrium gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild und wird als eigener Elektrolytwert angefordert. Stand: 25. September 2026.
Natrium nimmt der Körper vor allem als Kochsalz auf. Es hält Wasser im Raum außerhalb der Zellen und bestimmt so mit, wie viel Flüssigkeit in Blutgefäßen und Gewebe steckt. Die Konzentration im Blut steuert der Körper allerdings über das Wasser. Durst und das Hormon ADH, auch Vasopressin genannt, regeln, wie viel Wasser jemand trinkt und wie viel davon die Niere zurückhält. Ein auffälliger Natriumwert weist deshalb in erster Linie auf eine Störung des Wasserhaushalts hin, seltener auf zu viel oder zu wenig Salz im Essen.
Der Normbereich liegt bei etwa 135 bis 145 mmol/l
Natrium wird in Millimol pro Liter (mmol/l) angegeben, englischsprachige Quellen nutzen mEq/l mit demselben Zahlenwert. Die Untergrenze setzen Labore bei 135 oder 136 mmol/l, die Obergrenze meist bei 145 mmol/l. Die Schwere einer Hyponatriämie teilt ein Beitrag in der Zeitschrift "Arzneiverordnung in der Praxis" der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) so ein, andere Einteilungen ziehen die Grenzen etwas anders.
| Angabe | üblicher Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene, Serum oder Plasma | etwa 135 bis 145 | mmol/l |
| leichte Hyponatriämie | 130 bis 134 | mmol/l |
| mäßige Hyponatriämie | 120 bis 129 | mmol/l |
| schwere Hyponatriämie | unter 120 | mmol/l |
| Hypernatriämie | über 145 | mmol/l |
Der Wert auf dem Befund gilt immer zusammen mit dem Referenzbereich, den dasselbe Labor abdruckt. Wie gefährlich ein niedriger Wert ist, hängt stark vom Tempo ab: Eine Hyponatriämie, die sich innerhalb von 48 Stunden entwickelt, bedroht das Gehirn deutlich mehr als eine, die über Wochen entstanden ist.
Zu viel Wasser im Verhältnis zum Salz senkt den Natriumwert
Die Hyponatriämie ist die häufigste Elektrolytstörung überhaupt. Laut AkdÄ betrifft sie 15 bis 20 Prozent der Menschen im Krankenhaus. Am häufigsten steckt ein Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) dahinter: Der Körper schüttet zu viel ADH aus und hält Wasser zurück, obwohl er es nicht braucht.
- Medikamente, vor allem Thiaziddiuretika, Antidepressiva wie SSRI, die Antiepileptika Carbamazepin und Oxcarbazepin, Opioide und Desmopressin
- SIADH bei Lungenentzündung, Lungenkrebs und anderen Tumoren, Hirnerkrankungen, nach Operationen, bei starken Schmerzen oder Übelkeit
- Herzschwäche, Leberzirrhose, nephrotisches Syndrom und Nierenversagen, bei denen sich Wasser im Körper staut
- Verluste über Erbrechen oder Durchfall
- Nebennierenschwäche (Morbus Addison) und Schilddrüsenunterfunktion
- sehr große Trinkmengen, etwa bei zwanghaftem Trinken oder beim Ausdauersport
- die Droge Ecstasy (MDMA), die Durst und ADH-Ausschüttung zugleich steigert
- die Darmreinigung vor einer Darmspiegelung, die akut einen Natriumabfall auslösen kann
Thiazide und SSRI sind häufige Auslöser
Thiaziddiuretika wie Hydrochlorothiazid senken den Blutdruck, indem die Niere mehr Salz ausscheidet. Ältere Menschen reagieren darauf besonders empfindlich. Das MSD Manual beschreibt, dass einzelne Patienten innerhalb weniger Wochen nach Beginn der Einnahme eine schwere, lebensbedrohliche Hyponatriämie entwickeln. Die Wirkung kann bis zu zwei Wochen nach dem Absetzen anhalten.
Bei den Antidepressiven zeigt eine von der AkdÄ zitierte Studie das Ausmaß: Von 75 älteren Menschen (im Mittel 75 Jahre), die das SSRI Paroxetin erhielten, entwickelten neun, also 12 Prozent, eine Hyponatriämie, im Median nach neun Tagen. Ein niedriger Ausgangswert unter 138 mmol/l und ein geringes Körpergewicht erhöhten das Risiko. Die AkdÄ empfiehlt deshalb, in den ersten Wochen der Behandlung mit Paroxetin auf Schwäche, niedrigen Blutdruck und Verwirrtheit zu achten und das Natrium zu kontrollieren. Die Nebenwirkung kommt auch bei anderen SSRI und verwandten Wirkstoffen vor. Ein Medikament setzen Betroffene nie eigenmächtig ab, die Entscheidung trifft der verordnende Arzt.
Ältere Menschen sind auf beiden Seiten stärker gefährdet
Das Risiko für eine Hyponatriämie steigt mit dem Alter. Ein langsam entstandener Mangel fällt oft niemandem auf, führt aber zu nachlassender geistiger Leistungsfähigkeit, Gangunsicherheit und mehr Stürzen. Zugleich senkt er die Knochendichte, sodass Stürze häufiger in Brüchen enden. Auf der anderen Seite ist auch der Natriumüberschuss bei älteren Menschen häufig. Das Durstgefühl lässt nach, die Niere konzentriert den Urin schlechter, und wer pflegebedürftig ist, kommt ohne Hilfe oft nicht an ein Glas Wasser. Nach Operationen und bei Sondennahrung steigt das Risiko zusätzlich.
Zu viel Trinken beim Ausdauersport kann lebensgefährlich werden
Die sportassoziierte Hyponatriämie ist definiert als Natrium unter 135 mmol/l während oder bis zu 24 Stunden nach der Belastung. Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin nennt Häufigkeiten von 11 Prozent beim Ironman-Triathlon und bis zu 51 Prozent nach einem 161-Kilometer-Ultramarathon. Ursache ist eine Kombination aus zu großen Trinkmengen und einer Wasserrückhaltung durch ADH während der Belastung. Wer Schweiß mit großen Mengen Wasser ersetzt, verdünnt sein Blut. Auch Sportgetränke enthalten mit meist etwa 10 bis 35 mmol/l weit weniger Natrium als das Blut.
Erste Zeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen und eine Gewichtszunahme während des Wettkampfs. Ohne Behandlung kann ein Hirnödem mit Verwirrtheit, Krampfanfällen und Koma folgen, Todesfälle sind dokumentiert. Als wirksame Vorbeugung gilt, nach Durst zu trinken.
Ein zu hoher Natriumwert bedeutet fast immer Wassermangel
Eine Hypernatriämie entsteht, wenn der Körper mehr Wasser verliert, als er aufnimmt.
- zu wenig Trinken, besonders bei nachlassendem Durstgefühl im Alter oder bei eingeschränkter Beweglichkeit
- Wasserverluste durch Fieber, starkes Schwitzen, Durchfall oder Erbrechen
- Diabetes insipidus, heute Arginin-Vasopressin-Mangel oder -Resistenz genannt, bei dem die Niere große Mengen verdünnten Urin ausscheidet
- Lithium, das die Wirkung von ADH an der Niere abschwächt
- stark erhöhter Blutzucker, der Wasser über den Urin ausschwemmt
- entwässernde Medikamente
- selten zu viel Salz über Infusionen oder falsch zusammengesetzte künstliche Ernährung
Bei Erwachsenen im Krankenhaus geht eine Hypernatriämie mit einer hohen Sterblichkeit einher, weil sie oft schwere Grunderkrankungen begleitet.
Der Arzt ordnet Natrium mit Blutzucker, Blutfetten und Kalium ein
| Kombination | häufige Richtung der Abklärung |
|---|---|
| Natrium erniedrigt, Wassereinlagerungen, Atemnot | Herzschwäche, Leber- oder Nierenerkrankung |
| Natrium erniedrigt, kürzlich neues Medikament | Thiazid, SSRI oder Antiepileptikum als Auslöser prüfen |
| Natrium erniedrigt, Kalium erhöht | Nebennierenschwäche (Morbus Addison) |
| Natrium erniedrigt, Glukose stark erhöht | Wasserverschiebung durch Blutzucker, Natrium rechnerisch korrigieren |
| Natrium erniedrigt, Triglyceride sehr hoch | Pseudohyponatriämie, Messung mit direkter Methode |
| Natrium erhöht, große Mengen verdünnter Urin | Diabetes insipidus, Durstversuch |
Stark erhöhter Blutzucker zieht Wasser aus den Zellen ins Blut, pro 100 mg/dl Glukose über dem Normalwert sinkt Natrium um etwa 1,6 mmol/l. Sehr hohe Blutfette oder Eiweiße, etwa beim Multiplen Myelom, verfälschen die Messung mit manchen Geräten, der Natriumwert erscheint dann nur niedrig. Für die Suche nach der eigentlichen Ursache misst der Arzt die Osmolalität in Blut und Urin, das Natrium im Urin, TSH und Kortisol und beurteilt, ob der Körper zu viel oder zu wenig Flüssigkeit enthält.
Verwirrtheit, Erbrechen und Krampfanfälle sind Notfallzeichen
Ein leicht erniedrigter Wert ohne Beschwerden wird kontrolliert, oft zusammen mit einer Überprüfung der Medikamente. Übelkeit, Kopfschmerzen und Verwirrtheit verlangen eine sofortige ärztliche Abklärung, weil sich der Zustand verschlechtern kann, vor allem wenn der Abfall innerhalb von 48 Stunden entstanden ist. Erbrechen, starke Schläfrigkeit, Atemstörungen, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit sind ein Notfall für den Notruf 112. Dasselbe gilt für Sportler, die nach einem langen Wettkampf verwirrt sind oder erbrechen, denn weiteres Wasser verschlimmert ihren Zustand.
Die Behandlung gehört in ärztliche Hand, weil auch zu schnelles Anheben des Natriums schadet. Steigt der Wert zu rasch, droht ein osmotisches Demyelinisierungssyndrom mit oft bleibenden Schäden an Nervenbahnen im Hirnstamm. Kliniken heben einen niedrigen Wert deshalb nur langsam und unter engmaschigen Blutkontrollen an.
Die Beschwerden hängen vom Tempo der Veränderung ab
Ein langsam entstandener Natriummangel verläuft oft unbemerkt oder zeigt sich nur an Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Gangunsicherheit und Stürzen. Bei schnellem oder starkem Abfall kommen Übelkeit, Kopfschmerzen, Verwirrtheit und schließlich Krampfanfälle hinzu. Ein Natriumüberschuss zeigt sich zuerst an starkem Durst, später an Verwirrtheit, Muskelzucken, Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen. Menschen, die sich schlecht mitteilen können, werden oft nur unruhig. Häufig bestimmt zusätzlich die Grunderkrankung das Bild, etwa Atemnot bei Herzschwäche oder Durchfall bei einer Magen-Darm-Infektion.
Häufige Fragen zu Natrium
Gehört Natrium zum großen Blutbild?
Nein, Natrium ist ein Elektrolytwert und gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild. Der Arzt fordert ihn gesondert an, meist zusammen mit Kalium und den Nierenwerten. Die Probe stammt aus derselben Blutentnahme, aber aus einem anderen Röhrchen.
Hilft eine Salztablette bei zu niedrigem Natrium?
Meist nicht, denn hinter einem niedrigen Natrium steckt in der Regel zu viel Wasser und kein Salzmangel. Beim häufigen SIADH verstärkt zusätzliches Salz über den Mund die Hyponatriämie nach Angaben der AkdÄ sogar. Welche Behandlung passt, entscheidet der Arzt nach der Ursache.
Kann man zu viel Wasser trinken?
Ja, sehr große Trinkmengen in kurzer Zeit können das Blut so stark verdünnen, dass Natrium gefährlich absinkt. Betroffen sind vor allem Ausdauersportler, die über viele Stunden mehr trinken, als sie ausschwitzen. Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin empfiehlt, nach Durst zu trinken.
Warum senken Thiazide und Antidepressiva das Natrium?
Thiazide lassen die Niere mehr Salz ausscheiden und schwächen ihre Fähigkeit, überschüssiges Wasser loszuwerden. SSRI und einige andere Psychopharmaka steigern die Ausschüttung oder Wirkung von ADH, sodass der Körper Wasser zurückhält. Beide Effekte treten meist in den ersten Wochen auf, weshalb Ärzte das Natrium dann kontrollieren.
Was kostet die Messung von Natrium?
Nach GOÄ-Ziffer 3558 (30 Punkte) kostet die Natriummessung 1,75 Euro im einfachen Satz und 2,01 Euro beim üblichen Faktor 1,15. Bei medizinischem Anlass, etwa unter Thiaziden oder SSRI oder bei Verwirrtheit, zahlt die gesetzliche Krankenkasse. Ohne Anlass ist die Messung eine IGeL, Blutentnahme und Beratung werden gesondert berechnet.
Natrium wird fast immer zusammen mit Kalium bestimmt. Wie Blutzucker und Blutfette den Natriumwert verzerren, erklären die Artikel zu Glukose und Triglyceriden, alle Werte im Überblick stehen in der Blutwerte-Tabelle.
Quellen
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Hyponatriämie
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Hypernatriämie
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Hyponatriämie (AVP 4/2016)
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Paroxetin und Hyponatriämie
- Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin: Sportassoziierte Hyponatriämie
- Gesetze im Internet: Gebührenordnung für Ärzte, Gebührenverzeichnis