Kalium im Blut: Normwerte und was Abweichungen bedeuten
Kalium steuert Herzschlag und Muskeln. Normwerte, Ursachen zu hoher und zu niedriger Werte, Messfehler bei der Blutentnahme und die Grenzen zum Notfall.

TL;DR: Kalium ist das wichtigste Mineralsalz im Inneren der Körperzellen und bestimmt mit, wie Herz, Nerven und Muskeln elektrisch arbeiten. Im Blut liegt der Wert bei Erwachsenen üblich bei etwa 3,5 bis 5,1 mmol/l, bei manchen Laboren und im Plasma etwas enger. Zu hohe Werte entstehen meist durch eine nachlassende Nierenfunktion, durch Medikamente wie ACE-Hemmer und kaliumsparende Diuretika oder schlicht durch Fehler bei der Blutentnahme. Zu niedrige Werte gehen meist auf entwässernde Medikamente, Erbrechen oder Durchfall zurück. Kalium gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild, der Arzt fordert es als eigenen Elektrolytwert an. Stand: 25. September 2026.
Kalium nimmt der Körper mit der Nahrung auf, reichlich steckt es in Kartoffeln, Bohnen, Spinat, Pilzen und Bananen. Rund 98 Prozent des Kaliums liegen in den Zellen, nur ein kleiner Rest kreist im Blut. Dieser kleine Rest entscheidet darüber, wie stabil die elektrische Spannung an den Zellwänden ist. Herz und Muskeln reagieren deshalb empfindlich, wenn der Wert nach oben oder unten ausschlägt. Die Nieren halten den Wert in einem engen Bereich: Gesunde Nieren scheiden auch größere Mengen Kalium ohne Mühe aus, geschwächte Nieren schaffen das nicht mehr.
Bei Erwachsenen liegt Kalium etwa zwischen 3,5 und 5,1 mmol/l
Kalium wird in Millimol pro Liter (mmol/l) angegeben. Englischsprachige Quellen schreiben mEq/l, für Kalium ergibt das denselben Zahlenwert. Die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung im Labor (RiliBÄK) sieht für die Kaliummessung Heparinplasma oder Vollblut vor und stuft Serum dafür als ungeeignet ein. Die ursprüngliche Frist bis Mai 2026 hat die Bundesärztekammer 2025 verlängert, verbindlich ist die Vorgabe spätestens ab dem 31. Mai 2028. Einige Labore und Kliniken haben schon umgestellt, andere messen noch im Serum. Der Grund für die Vorgabe liegt im Röhrchen: Beim Gerinnen geben die Blutplättchen Kalium ab, Serumwerte liegen deshalb meist etwa 0,1 bis 0,5 mmol/l höher als Plasmawerte. Befunde aus Serum und aus Plasma sind also nur bedingt vergleichbar.
| Angabe | üblicher Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene, übliche Laborgrenzen | etwa 3,5 bis 5,1 | mmol/l |
| Erwachsene, engere Plasmagrenzen mancher Labore | etwa 3,4 bis 4,5 | mmol/l |
| zu niedrig (Hypokaliämie) | unter 3,5 | mmol/l |
| deutlich zu hoch (Hyperkaliämie) | über 5,5 | mmol/l |
Der Wert auf dem Befund gilt immer zusammen mit dem Referenzbereich, den dasselbe Labor auf demselben Bogen abdruckt. Das MSD Manual spricht ab 5,5 mmol/l von einer Hyperkaliämie. Werte knapp über der Laborgrenze kontrolliert der Arzt meist zunächst, bevor er weitere Schritte einleitet. Säuglinge und Kinder haben eigene, teils höhere Bereiche.
Nieren und Medikamente stecken hinter den meisten echten Erhöhungen
Selten hat ein hoher Kaliumwert nur eine Ursache. Häufig treffen eine eingeschränkte Nierenfunktion und ein Medikament zusammen, das die Kaliumausscheidung bremst.
- akute Nierenschädigung und chronische Nierenerkrankung, weil die Niere Kalium nicht mehr ausreichend ausscheidet
- blutdrucksenkende Mittel wie ACE-Hemmer, Sartane (Angiotensin-II-Rezeptorblocker) und Aliskiren
- kaliumsparende Diuretika wie Spironolacton, Eplerenon und Triamteren
- Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR, das Antibiotikum Trimethoprim, Heparin sowie Ciclosporin und Tacrolimus nach Organtransplantation
- Nebennierenschwäche (Morbus Addison) und ein Mangel am Hormon Aldosteron
- Zellzerfall, etwa bei Verbrennungen, Muskelzerfall (Rhabdomyolyse) oder rasch wirkender Chemotherapie
- Übersäuerung des Blutes und Insulinmangel, etwa bei einer entgleisten Zuckerkrankheit mit Ketoazidose
- Kaliumpräparate, kaliumhaltige Infusionen und Bluttransfusionen
Eine kaliumreiche Ernährung allein hebt den Wert bei gesunden Nieren kaum an. Bei fortgeschrittener Nierenerkrankung oder unter mehreren der genannten Medikamente kann sie dagegen den Ausschlag geben.
Viele erhöhte Kaliumwerte entstehen erst bei der Blutentnahme
Kalium gehört zu den Laborwerten, die am empfindlichsten auf Fehler bei Abnahme und Transport reagieren. In roten Blutkörperchen und Blutplättchen steckt ein Vielfaches der Kaliummenge des Plasmas. Tritt nur ein kleiner Teil davon aus, steigt der gemessene Wert, obwohl im Körper alles in Ordnung ist. Fachleute sprechen von Pseudohyperkaliämie.
- Hämolyse, also das Platzen roter Blutkörperchen, etwa bei schwieriger Punktion mit sehr dünner Nadel
- langes Stauen: Das Labor Bioscientia nennt höchstens eine Minute Stauzeit
- wiederholtes Faustschließen ("Pumpen") während der Abnahme, das Kalium je nach Quelle um bis zu 1 oder sogar 2 mmol/l anheben kann
- zu spät zentrifugierte Proben: Im ungetrennten Vollblut steigt Kalium um etwa 0,15 mmol/l pro Stunde bei Raumtemperatur und um 0,25 mmol/l pro Stunde bei 4 Grad
- sehr viele Blutplättchen, etwa über 750.000 pro Mikroliter, oder extrem viele weiße Blutkörperchen
- Blut aus dem falschen Röhrchen: Das EDTA-Röhrchen für das Blutbild enthält selbst Kalium
Dazu kommt ein echter, aber harmloser Effekt: Kräftige körperliche Anstrengung kurz vor der Abnahme verschiebt Kalium aus den Muskelzellen ins Blut. Findet sich ein erhöhter Wert bei einem Menschen ohne Nierenerkrankung, ohne verdächtige Medikamente und mit unauffälligem EKG, denkt der Arzt zuerst an einen Messfehler. Er lässt den Wert dann mit schonender Abnahme und rascher Verarbeitung wiederholen. Eine Hämolyse vermerken viele Labore direkt auf dem Befund.
Entwässernde Medikamente, Erbrechen und Durchfall senken Kalium
Ein zu niedriger Wert entsteht selten durch zu wenig Kalium in der Nahrung. Meist verliert der Körper Kalium über Niere oder Darm, oder Kalium wandert vorübergehend in die Zellen.
- entwässernde Medikamente (Schleifen- und Thiaziddiuretika), mit Abstand die häufigste medikamentöse Ursache
- Abführmittel, vor allem im Dauergebrauch, und länger anhaltender Durchfall
- wiederholtes Erbrechen
- Hormonstörungen mit zu viel Aldosteron oder Kortisol, etwa Conn-Syndrom oder Cushing-Syndrom
- natürliche Lakritze, deren Inhaltsstoff Glycyrrhizin die Niere Kalium verlieren lässt
- Insulin, Asthmamittel aus der Gruppe der Beta-2-Sympathomimetika und gelegentlich eine Schilddrüsenüberfunktion, die Kalium in die Zellen verschieben
- Magnesiummangel, der die Kaliumverluste über die Niere verstärkt
- sehr geringe Nahrungszufuhr, etwa bei Fasten oder Magersucht
Der Arzt liest Kalium zusammen mit Nierenwerten und Natrium
Ein einzelner Kaliumwert sagt wenig über die Ursache. Erst die Kombination mit Nachbarwerten und dem Medikamentenplan zeigt die Richtung.
| Kombination | häufige Richtung der Abklärung |
|---|---|
| Kalium erhöht, Kreatinin erhöht, eGFR erniedrigt | Nierenfunktion, Medikamentenplan überprüfen |
| Kalium erhöht, Probe als hämolytisch markiert | Messfehler, Wiederholung mit schonender Abnahme |
| Kalium erhöht, Natrium erniedrigt | Nebennierenschwäche (Morbus Addison) abklären |
| Kalium erniedrigt, Magnesium erniedrigt | gemeinsame Ursache wie Diuretika oder Durchfall |
| Kalium erniedrigt, Blutdruck erhöht | Hormonabklärung auf Hyperaldosteronismus |
Bleibt ein niedriger Wert unklar, misst der Arzt oft zusätzlich das Kalium im 24-Stunden-Urin und das Magnesium im Blut. Scheidet die Niere trotz niedrigem Blutwert viel Kalium aus, liegt die Ursache meist in der Niere oder im Hormonhaushalt. Ist die Ausscheidung gering, sprechen die Befunde eher für Verluste über den Darm oder eine zu geringe Zufuhr.
Ab etwa 6 mmol/l oder unter 2,5 mmol/l wird Kalium bedrohlich
Laut MSD Manual zeigt das EKG ab etwa 5,5 mmol/l häufig erste Veränderungen. Werte zwischen 6 und 6,5 mmol/l verlangen eine umgehende Behandlung, über 6,5 mmol/l drohen gefährliche Rhythmusstörungen bis zum Kammerflimmern oder Herzstillstand. Auf der anderen Seite macht ein Wert von 3,0 bis 3,4 mmol/l selten Beschwerden. Zwischen 2,5 und 3,0 mmol/l tritt häufig Muskelschwäche auf, unter 2,5 mmol/l gilt die Hypokaliämie als schwer. Menschen mit Herzerkrankung oder unter Digitalis (Digoxin) haben schon bei leicht erniedrigtem Kalium ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen.
Ein leicht abweichender Wert ohne Beschwerden wird meist innerhalb weniger Tage kontrolliert, zusammen mit Kreatinin und einem Blick auf die Medikamente. Deutlich abweichende Werte klärt der Arzt noch am selben Tag, häufig mit einem EKG. Herzstolpern, Herzrasen, ein auffallend langsamer Puls, Ohnmacht, plötzliche Muskelschwäche bis zur Lähmung oder Atemnot gehören sofort in eine Notaufnahme, bei Bewusstlosigkeit über den Notruf 112.
Die Beschwerden kommen oft spät und wenig eindeutig
Ein erhöhter Kaliumwert macht lange keine Beschwerden und fällt meist zufällig im Labor oder im EKG auf. Manche Betroffene spüren Muskelschwäche, bei sehr hohen Werten stehen Herzrhythmusstörungen im Vordergrund. Ein niedriger Kaliumwert zeigt sich eher an den Muskeln: Schwäche, Krämpfe, Muskelzucken, Verstopfung bis zur Darmlähmung. Hält der Mangel länger an, kann die Niere den Urin schlechter konzentrieren, Betroffene lassen dann viel Wasser und haben Durst. Oft stehen die Beschwerden der Ursache im Vordergrund, etwa Durchfall, Erbrechen oder die Zeichen einer Nierenerkrankung.
Häufige Fragen zu Kalium
Gehört Kalium zum großen Blutbild?
Nein, Kalium ist ein Elektrolytwert der klinischen Chemie und gehört weder zum kleinen noch zum großen Blutbild. Der Arzt fordert ihn gesondert an, meist zusammen mit Natrium und Kreatinin. Die Blutentnahme läuft im selben Termin, das Kalium kommt aber aus einem eigenen Röhrchen, weil das EDTA-Röhrchen des Blutbilds selbst Kalium enthält.
Kann eine Banane den Kaliumwert in die Höhe treiben?
Bei gesunden Nieren kaum, denn sie scheiden überschüssiges Kalium zuverlässig aus. Anders sieht es bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung oder unter Medikamenten wie ACE-Hemmern und kaliumsparenden Diuretika aus. Ob und wie stark die Kaliumzufuhr dann begrenzt werden muss, legt der behandelnde Arzt fest.
Warum wird ein erhöhter Kaliumwert oft wiederholt?
Kalium tritt beim langen Stauen, beim Faustschließen und bei zu später Verarbeitung der Probe aus den Blutzellen aus und erhöht den Wert künstlich. Ohne Nierenerkrankung, ohne kaliumsteigernde Medikamente und mit unauffälligem EKG liegt ein Messfehler nahe. Eine zweite, schonende Abnahme mit rascher Verarbeitung klärt das meist.
Ab welchem Kaliumwert besteht Gefahr?
Das MSD Manual nennt Werte zwischen 6 und 6,5 mmol/l ohne Aufschub behandlungsbedürftig, über 6,5 mmol/l drohen lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen. Bei niedrigem Kalium gilt ein Wert unter 2,5 mmol/l als schwer. Mit entscheidend sind Beschwerden, das EKG und Vorerkrankungen des Herzens.
Was kostet die Messung von Kalium?
Nach GOÄ-Ziffer 3557 (30 Punkte) kostet die Kaliummessung im Labor 1,75 Euro im einfachen Satz und 2,01 Euro beim üblichen Faktor 1,15. Misst die Arztpraxis den Wert im eigenen Labor innerhalb von vier Stunden, gilt Ziffer 3519 mit 70 Punkten, also 4,08 Euro beziehungsweise 4,69 Euro. Bei medizinischem Anlass, etwa unter Diuretika oder ACE-Hemmern, zahlt die gesetzliche Krankenkasse, als Wunschuntersuchung ohne Anlass ist die Messung eine IGeL. Blutentnahme und Beratung kommen gesondert hinzu.
Wie Kalium mit der Nierenfunktion zusammenhängt, zeigen die Artikel zu Kreatinin und zur eGFR. Den zweiten wichtigen Elektrolytwert erklärt der Artikel zu Natrium, alle Werte im Überblick stehen in der Blutwerte-Tabelle.
Quellen
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Hyperkaliämie
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Hypokaliämie
- Deutsches Ärzteblatt: Änderung der Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (Rili-BÄK)
- Universitätsklinikum Freiburg: Präanalytik
- Medizinische Laboratorien Düsseldorf: Kalium
- Gesetze im Internet: Gebührenordnung für Ärzte, Gebührenverzeichnis