RDW im Blutbild: Normbereich und Bedeutung bei Anämie

Die RDW zeigt, wie stark die Größe der roten Blutkörperchen schwankt. Normbereich, Ursachen einer erhöhten RDW und die Einordnung zusammen mit dem MCV.

Dreidimensionale Darstellung roter Blutkörperchen, die durch ein Blutgefäß strömen
Rote Blutkörperchen im Blutgefäß, Symbolbild. Bild: Johan_Benitez99co / Pixabay.

TL;DR: Die RDW (Erythrozytenverteilungsbreite, deutsch auch EVB) misst, wie stark die Größe der roten Blutkörperchen schwankt. Üblich sind bei Erwachsenen etwa 11,5 bis 14,5 Prozent (RDW-CV), manche Labore geben zusätzlich die RDW-SD in Femtolitern an. Erhöht ist die RDW vor allem bei Eisenmangel, Vitamin-B12- oder Folsäuremangel und bei Anämien mit vielen jungen roten Blutkörperchen, etwa durch Blutzerfall. Ein zu niedriger Wert hat keine Bedeutung. Aussagekräftig wird die RDW erst zusammen mit dem MCV, der mittleren Zellgröße. Das Messgerät berechnet sie beim kleinen Blutbild mit, sie steht damit auch im großen Blutbild. Stand: 25. September 2026.

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) sind bei gesunden Menschen ähnlich groß, ihr Durchmesser liegt bei etwa 6 bis 9 Mikrometern. Trägt man ihre Größen in ein Diagramm ein, ergibt sich eine schmale, glockenförmige Kurve. Das Blutbildgerät misst jede Zelle einzeln, erstellt daraus diese Volumenverteilungskurve und berechnet zwei Kenngrößen: das MCV als Mittelwert und die RDW als Maß dafür, wie breit die Kurve streut. Fachleute nennen stark unterschiedlich große rote Blutkörperchen eine Anisozytose, die RDW macht sie ohne Mikroskop messbar.

Der RDW-CV liegt bei Erwachsenen meist zwischen 11,5 und 14,5 Prozent

Es gibt zwei Varianten. Die RDW-CV ist ein berechneter Wert: Standardabweichung der Zellvolumina mal 100, geteilt durch das MCV. Sie wird in Prozent angegeben und hängt deshalb auch von der mittleren Zellgröße ab. Die RDW-SD misst die Breite der Kurve direkt, auf 20 Prozent ihrer Höhe, und wird in Femtolitern (fl) angegeben.

Angabe üblicher Bereich Einheit
RDW-CV, Erwachsene etwa 11,5 bis 14,5 Prozent
RDW-CV, Frauen (Beispiel eines Geräteherstellers) etwa 11,7 bis 14,4 Prozent
RDW-CV, Männer (Beispiel eines Geräteherstellers) etwa 11,6 bis 14,4 Prozent
RDW-SD, Frauen (Beispiel eines Geräteherstellers) etwa 36,4 bis 46,3 fl
RDW-SD, Männer (Beispiel eines Geräteherstellers) etwa 35,1 bis 43,9 fl
RDW-CV, Säuglinge bis 90 Tage (Obergrenze) bis etwa 19,3 Prozent

Die RDW hängt stärker vom Messverfahren ab als viele andere Werte. Das Münchner Labor Becker nennt für Erwachsene eine Obergrenze von 14,8 Prozent, bei Kindern liegt sie je nach Alter höher. Deshalb gilt immer der Referenzbereich, den das Labor auf denselben Befund druckt, und Verläufe lassen sich am besten im selben Labor vergleichen.

Eine erhöhte RDW entsteht, wenn große und kleine Zellen nebeneinander kreisen

Eine hohe RDW bedeutet, dass die roten Blutkörperchen sehr unterschiedlich groß sind. Das geschieht, wenn das Knochenmark Zellen anderer Größe bildet als bisher oder wenn zwei Zellpopulationen gleichzeitig im Blut sind.

  • Eisenmangel: Die neu gebildeten Zellen werden kleiner, die älteren sind noch normal groß
  • Vitamin-B12- oder Folsäuremangel, zum Beispiel bei der perniziösen Anämie: Die neuen Zellen werden größer
  • Anämien durch Blutzerfall (hämolytische Anämien), auch die Kugelzellanämie
  • viele junge rote Blutkörperchen (Retikulozyten), die größer sind als reife Zellen, etwa nach einem Blutzerfall oder zu Beginn einer Behandlung eines Mangels
  • ein Mischbild aus Eisenmangel und Vitamin-B12-Mangel, bei dem sich die Größen im Mittelwert ausgleichen
  • seltener Kupfer- oder Vitamin-B6-Mangel, angeborene Hämoglobinveränderungen und die Osteomyelofibrose, eine Knochenmarkerkrankung

Ein Wert unterhalb des Referenzbereichs hat nach Angaben der Labore keine klinische Bedeutung. Er zeigt nur, dass die Zellen sehr gleichmäßig groß sind.

Erst zusammen mit dem MCV ordnet die RDW eine Anämie ein

Das MCV sagt, ob die roten Blutkörperchen im Mittel zu klein (mikrozytär, unter etwa 80 fl), normal oder zu groß (makrozytär, über etwa 100 fl) sind. Die RDW ergänzt, ob sie gleichmäßig oder ungleich groß sind. Zusammen ergeben sich sechs Muster, die Labormediziner seit Langem zur Einteilung von Anämien nutzen.

Kombination im Blutbild häufige Richtung der Abklärung
MCV niedrig, RDW normal Thalassämie-Anlage (beta-Thalassämie minor), Hämoglobin-Elektrophorese
MCV niedrig, RDW erhöht Eisenmangel, Ferritin und Transferrinsättigung
MCV normal, RDW normal Anämie bei chronischer Erkrankung, etwa Nierenschwäche oder Entzündung
MCV normal, RDW erhöht beginnender Eisenmangel, Mischbild, Blutzerfall, selten Osteomyelofibrose
MCV hoch, RDW normal aplastische Anämie oder andere Knochenmarkschädigung
MCV hoch, RDW erhöht Vitamin-B12- oder Folsäuremangel

Besonders nützlich ist die Kombination bei kleinen Zellen. Eisenmangel und eine Thalassämie-Anlage senken beide das MCV, bei Eisenmangel ist die RDW aber meist erhöht, bei der Thalassämie oft normal. Ein normales MCV schließt außerdem Probleme nicht aus: Laut MSD Manual kann eine hohe RDW der einzige Hinweis darauf sein, dass eine Anämie mit zu kleinen und eine mit zu großen Zellen gleichzeitig vorliegen. Die Tabelle beschreibt Richtungen, keine Diagnosen. Der Arzt bestätigt den Verdacht mit gezielten Werten wie Ferritin, Vitamin B12 oder Retikulozyten.

Gerät und Alter verschieben die RDW ohne Krankheit

Weil jedes Messgerät die Verteilungskurve etwas anders auswertet, unterscheiden sich die Werte zwischen Laboren. Ein Wechsel des Labors kann die RDW verschieben, ohne dass sich am Blut etwas geändert hat. Neugeborene und kleine Kinder haben höhere Normalwerte als Erwachsene. Unter der Behandlung eines Eisen- oder Vitaminmangels steigt die RDW oft vorübergehend, weil neue, normal große Zellen zu den alten hinzukommen. Dieser Anstieg zeigt dann eher, dass die Blutbildung wieder anläuft.

Eine auffällige RDW wird im Zusammenhang abgeklärt

Die RDW allein erlaubt weder die Diagnose einer Anämie noch die Bestimmung ihrer Ursache. Eine leicht erhöhte RDW bei sonst normalem Blutbild ist häufig ein früher Hinweis auf einen beginnenden Eisenmangel, der Arzt prüft dann oft das Ferritin. Ist gleichzeitig das Hämoglobin erniedrigt, richtet sich die Abklärung nach dem Muster aus MCV und RDW.

Ein Notfall ist die RDW nie, wohl aber eine schwere Blutarmut oder eine akute Blutung. Atemnot in Ruhe, Brustschmerzen, Ohnmacht, Herzrasen, schwarzer Teerstuhl oder Erbrechen von Blut gehören sofort ärztlich beurteilt, im Zweifel über den Notruf 112.

Die RDW selbst verursacht keine Beschwerden

Beschwerden kommen von der Blutarmut und ihrer Ursache. Typisch für eine Anämie sind Müdigkeit, Blässe, nachlassende Leistungsfähigkeit, Atemnot und Herzklopfen bei Belastung. Bei Eisenmangel kommen oft brüchige Nägel und eingerissene Mundwinkel hinzu. Ein Vitamin-B12-Mangel kann zusätzlich Kribbeln und Taubheitsgefühle in Händen und Füßen oder eine Gangunsicherheit verursachen.

Häufige Fragen zur RDW

Was bedeutet eine erhöhte RDW bei normalem Hämoglobin?

Eine erhöhte RDW bei normalem Hämoglobin zeigt, dass die roten Blutkörperchen unterschiedlich groß sind, obwohl noch keine Blutarmut besteht. Häufig steckt ein beginnender Eisenmangel dahinter, seltener ein Vitamin-B12- oder Folsäuremangel. Der Arzt prüft meist Ferritin und bei Bedarf Vitamin B12 und kontrolliert das Blutbild im Verlauf.

Was ist der Unterschied zwischen RDW-CV und RDW-SD?

Die RDW-CV wird aus Standardabweichung und MCV berechnet und in Prozent angegeben, sie hängt damit auch von der mittleren Zellgröße ab. Die RDW-SD misst die Breite der Größenverteilung direkt und wird in Femtolitern angegeben. Beide beschreiben dasselbe, viele Befunde enthalten nur die RDW-CV.

Ist eine zu niedrige RDW bedenklich?

Nein, eine RDW unter dem Referenzbereich hat keine klinische Bedeutung. Sie zeigt nur, dass die roten Blutkörperchen sehr gleichmäßig groß sind. Eine Abklärung ist deshalb nicht nötig.

Kann die RDW Eisenmangel von einer Thalassämie unterscheiden?

Die RDW liefert einen Hinweis, aber keinen Beweis. Bei Eisenmangel ist sie meist erhöht, bei einer Thalassämie-Anlage oft normal, obwohl beide das MCV senken. Gesichert wird die Unterscheidung über Ferritin und eine Hämoglobin-Elektrophorese.

Was kostet die Bestimmung der RDW?

Die RDW ist Teil der Ziffer 3550 der GOÄ (Blutbild und Blutbildbestandteile, 60 Punkte), deren Leistungstext die Erythrozytenverteilungskurve ausdrücklich nennt. Sie wird nicht gesondert berechnet, das gesamte kleine Blutbild aus einer Probe kostet 3,50 Euro im einfachen und 4,02 Euro im üblichen 1,15-fachen Satz. Bei medizinischem Anlass zahlt die gesetzliche Krankenkasse, als Wunschuntersuchung ohne Anlass ist das Blutbild eine Selbstzahlerleistung (IGeL).

Die Werte MCV, MCH und MCHC erklärt der Artikel MCV, MCH und MCHC, die Blutarmut der Beitrag Hämoglobin zu niedrig. Für die Ursachensuche sind die Artikel zu Ferritin und Vitamin B12 der nächste Schritt.

Quellen